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Wind of Change: Die Deutsch-Kasachen – Vorposten einer „Neuen Hanse“?

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Im vierten Teil seiner Artikelserie über die Wirtschaftsmission nach Kasachstan unter Leitung von MdB Saskia Ludwig (CDU) richtet unser Korrespondent Alexander Ehrlich den Blick auf eine der faszinierendsten, aber oft übersehenen Gemeinschaften des Landes: die Kasachstandeutschen. Er erzählt ihre bewegte Geschichte, ihre aktuelle Situation und ihre Bedeutung als natürliche Brücke zwischen Deutschland und Zentralasien.
Zusammengefasst

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In den vorangegangenen Teilen dieser Serie habe ich beschrieben, was mich zur Teilnahme an der Wirtschaftsmission bewogen hat, warum ich Kasachstan für einen strategisch hochbedeutsamen Partner halte, und welche atemberaubenden Eindrücke ich von der Hauptstadt Astana mitgenommen habe. Heute möchte ich den Blick auf eine Bevölkerungsgruppe richten, die für Deutsche von ganz besonderem Interesse sein sollte: die Kasachstandeutschen, auch bekannt als Deutsch-Kasachen oder Deutschkasachen.

Wer sich, wie ich, mit der Frage beschäftigt, wie eine neue, dezentrale Hanse von Europäerinnen in strategisch wichtigen Ländern Fuß fassen könnte, stößt unweigerlich auf die Frage nach Verbündeten vor Ort. Menschen, die unsere Sprache sprechen, unsere Kultur und Werte teilen und gleichzeitig tief in der Gastgesellschaft verwurzelt sind. Genau das sind die Deutsch-Kasachen. Sie sind keine künstlich geschaffene Diaspora, sondern eine historisch gewachsene Gemeinschaft, die unter härtesten Bedingungen überlebt hat und heute eine wichtige Brückenrolle einnehmen kann. Sie sind ein Teil von uns, der vor langer Zeit in eine andere Welt geriet und dort eine eigene, einzigartige Identität entwickelte.

Deportiert, entwurzelt – und doch niemals gebrochen

Die Wurzeln der deutschen Gemeinschaft in Kasachstan reichen weiter zurück, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Bereits im 18. Jahrhundert rief die Zarin Katharina die Große (selbst eine Deutsche) ihre Landsleute ins Russische Reich, um die weiten, kaum besiedelten Steppen zu kultivieren. Dieser Aufruf traf auf fruchtbaren Boden, denn in den deutschen Fürstentümern herrschten Armut, Kleinstaaterei und religiöse Verfolgung. Über mehrere Generationen zogen Zehntausende deutsche Bäuerinnen, Handwerkerinnen und Kaufleute vor allem ins Wolgagebiet, wo sie sich in geschlossenen Siedlungen niederließen. Die Wolgadeutschen, wie sie bald genannt wurden, waren keine Eroberer, sondern friedliche Siedlerinnen, die das ihnen zugesprochene Land mit deutscher Gründlichkeit urbar machten. Sie bauten blühende Dörfer, errichteten Kirchen und Schulen und bewahrten ihre Sprache, ihren Glauben und ihre Bräuche über fast zwei Jahrhunderte hinweg, ohne jemals ihren Frieden mit dem Zarenreich zu brechen.

Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs lebten mehr als 1,8 Millionen Deutsche im gesamten Russischen Reich, von denen allein rund 700.000 in der Wolgaregion ansässig waren. Sie stellten dort die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe nach den Russinnen und prägten das wirtschaftliche und kulturelle Leben ganzer Landstriche. Eine weitere große Siedlungsinsel befand sich am Schwarzen Meer, andere Gruppen siedelten im Kaukasus und in Sibirien. Die deutschen Kolonien galten als Musterbetriebe für moderne Landwirtschaft; im Gegenzug gewährte das Zarenreich ihnen weitgehende Selbstverwaltung und Religionsfreiheit. Kasachstan spielte in dieser Frühphase der deutschen Besiedlungsgeschichte noch keine nennenswerte Rolle. Die kasachische Steppe war den Russinnen zu jener Zeit zu abgelegen, zu unwirtlich, zu weit entfernt von den Handelswegen und Zentren der Macht. Hier lebten die Kasachinnen als Nomaden, ungestört von den europäischen Siedlungsbewegungen. Das sollte sich erst mit dem Ersten Weltkrieg und vor allem mit den Wirren der Revolution und des Bürgerkriegs ändern.

Doch im Zweiten Weltkrieg kam es zu einem katastrophalen Bruch. 1941, nach dem Überfall des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion, beschuldigte Stalin die Wolgadeutschen pauschal der Kollaboration mit dem Feind. Beweise für diese Behauptung blieb er schuldig, denn in totalitären Staaten reicht bekanntlich bereits der Verdacht auf Verrat für umfassende Verfolgung aus. Per Dekret vom 28. August 1941 wurden die Deutschen des Wolgagebiets kurzerhand zu „Volksverräterinnen“ erklärt und ihre Autonome Republik aufgelöst. Was folgte, war die zwangsweise Umsiedlung von Hunderttausenden Deutschen aus ihrem angestammten Siedlungsgebiet, diesmal aber nicht in fruchtbare Gefilde, sondern in die karge Steppe Kasachstans und nach Sibirien.

Die von Josef Stalin angeordnete Deportation der Wolgadeutschen, war nicht nur eine der grausamsten seiner Aktionen, sondern bedrohte die Menschen in ihrer (auch kulturellen) Existenz. Zugleich markiert dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit den Beginn der deutschkasachischen Geschichtsschreibung, und zwar unter allerschlimmsten Bedingungen: die Vertriebenen wurden in Viehwaggons quer durch den Kontinent gefahren, bei minus vierzig Grad, ohne Nahrung und ohne medizinische Versorgung. Bei ihrer Ankunft in der kahlen Steppe erwartete sie nicht etwa eine neue Heimat, sondern Zwangsarbeit unter unmenschlichsten Bedingungen. Das war die Geburtsstunde der „Arbeitsarmeen“ (ein Kapitel, das in der offiziellen Geschichtsschreibung lange totgeschwiegen wurde). Dennoch, und das ist das Bemerkenswerte, gaben diese Menschen ihre Identität nicht auf. Sie hielten an ihrer Sprache fest, an ihren Traditionen, an ihrem Glauben, auch wenn ihnen ihr gesamter materieller Besitz genommen worden war. Sie überlebten nicht nur, sie bauten sich eine neue Existenz auf. In Kasachstan, einem Land, das ihnen ursprünglich als Verbannungsort zugedacht war und das sie heute ihre Heimat nennen.

Heim nach Deutschland?! Nein: lieber Re-Emigration!

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Öffnung der Grenzen Anfang der 1990er Jahre änderte sich das Bild schlagartig. Die Bundesregierung der BRD gewährte den in Kasachstan lebenden Deutschen das Recht auf Rückkehr als Spätaussiedlerinnen, verbunden mit der sofortigen Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft. Es folgte eine Massenauswanderung, wie sie die Region seit den Völkerwanderungen nicht gesehen hatte. Jährlich verließen bis zu 100.000 Menschen das Land, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Ganze Siedlungen leerten sich, deutsche Schulen und Kirchengemeinden verschwanden. Die Gemeinschaft schrumpfte von einst knapp einer Million auf weniger als 200.000 Menschen. Es sah so aus, als würde die Geschichte der Deutsch-Kasachen in der Assimilation enden.

Doch es kam anders. Seit einigen Jahren, insbesondere seit 2015, ist ein gegenläufiger Trend zu beobachten, der in den deutschen Medien kaum Beachtung findet: die freiwillige Rückkehr in die Diaspora, die Re-Emigration. Ausgerechnet diejenigen, die in den 1990er Jahren nach Deutschland gegangen waren, kommen zurück. Sie holen sich den kasachischen Pass und fangen wieder an, in ihrer alten Heimat zu leben. Die Gründe sind vielschichtig. Manche haben sich in Deutschland nie wirklich angekommen gefühlt, andere sehen in Kasachstans rasantem Wirtschaftswachstum Chancen, die ihnen das Bürokratiemonster BRD samt seinem Muttermonster EU nicht bietet. Wieder andere sind schlichtweg enttäuscht von der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland und suchen einen Ort, an dem noch Sicherheit und Ordnung im Stadtbild herrscht. Es ist ein kleiner, aber signifikanter Brain-Gain für Kasachstan. Die Zahl der Deutsch-Kasachen ist wieder leicht angestiegen und liegt heute offiziell bei 222.890 Menschen, mit steigender Tendenz. Diese Menschen kehren nicht nach Kasachstan zurück, weil sie in Deutschland gescheitert wären, sondern weil sie in Kasachstan eine bessere Zukunftsperspektive sehen.

Identität muss nicht „Blut und Boden“ bedeuten

Was bedeutet es aber heute, ein Deutsch-Kasache zu sein? Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten, denn es ist eine Identität, die nicht in Schubladen passt. Für viele der Deutsch-Kasachen ist das Deutschsein nicht primär durch Sprache definiert, obwohl die meisten noch deutsch verstehen und viele es auch fließend sprechen. Es ist auch nicht durch den Pass definiert, denn manche von ihnen haben den deutschen, andere den kasachischen, manche auch beide. Es ist vielmehr eine Identität der Abstammung, der Erinnerung. Umfragen zeigen, dass viele Deutsch-Kasachen ihre Ethnizität als eine Art Verpflichtung gegenüber ihren Vorfahren empfinden, die unter der Deportation gelitten haben. Man trägt diese Geschichte weiter, nicht um in der Vergangenheit zu leben, sondern um sie nicht zu vergessen. Gleichzeitig wächst die Verbundenheit mit Kasachstan, dem Land, das ihnen eine neue Heimat gab. Die jüngere Generation spricht kasachisch, identifiziert sich mit der Steppe und der Gastfreundschaft, die dieses Land prägt. Sie sind weder ganz Deutsche noch ganz Kasachen, aber sie sind in beiden Welten zu Hause; und genau das macht sie so wertvoll.

Kulturelle Hochburgen mitten in der Steppe

Dass diese Gemeinschaft lebendig ist, davon habe ich mich selbst überzeugen können. Die Gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Kasachstandeutschen ‚Wiedergeburt‘“ ist das zentrale Sprachrohr der Minderheit und kümmert sich um den Erhalt der deutschen Sprache und Kultur. Überall im Land gibt es deutsche Kulturzentren, Chöre, Tanzgruppen, deutsche Sonntagsschulen. Diese Einrichtungen sind keine Museen, sie sind lebendige Orte der Begegnung. Wer hier auftaucht, wird mit Offenheit empfangen. In Almaty, der früheren Hauptstadt, gibt es mit dem „Republikanischen Akademischen Deutschen Theater“ das einzige deutsche Staatstheater auf dem gesamten Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Ein beeindruckendes Symbol kulturellen Überlebenswillens.

Deutschkasachen sind die Brücke, die wir brauchen

Wenn ich von einer „neuen Hanse“ spreche, dann denke ich an Netzwerke von Europäerinnen, die im Ausland ihre Fühler ausstrecken, wirtschaftliche Verbindungen knüpfen und langfristige Partnerschaften aufbauen. In Kasachstan sind die Deutsch-Kasachen genau diese Fühler. Sie sind die natürlichen Brückenbauerinnen zwischen der deutschen Wirtschaftskultur und der kasachischen Lebensart. Sie kennen die Mentalität beider Seiten, sie sprechen beide Sprachen, sie vertrauen einander. Für ein deutsches Unternehmen, das in Kasachstan investieren möchte, ist eine deutsch-kasachische Geschäftspartnerin vor Ort Gold wert. Sie kennt die Gepflogenheiten, sie weiß, wie man mit Behörden umgeht, sie versteht die ungeschriebenen Gesetze des Landes. Aber sie versteht auch die Bedürfnisse der deutschen Wirtschaftstreibenden, denn sie ist keine Fremde, sondern eine von uns.

Das BRD-Regime hat das zumindest ansatzweise erkannt: es gibt die Deutsch-Kasachische Regierungskommission, es gibt Förderprogramme für die deutsche Minderheit. Aber das ist bei weitem nicht genug. Aus der einzigartigen Stellung der Deutschkasachen lassen sich so viel mehr Vorteile für beide Seiten ziehen, wenn wir diese Gemeinschaft aktiv nicht als folkloristische Randgruppe, sondern als strategischen Partner begreifen. Denn wenn wir in Kasachstan wirklich Fuß fassen wollen, dann nicht gegen die Deutsch-Kasachen, sondern mit ihnen.

Ein Blick in die Zukunft: Aufbruch nach Osten

Die Deutsch-Kasachen haben gezeigt, dass sie ein Volk von Überlebenskünstlerinnen sind. Sie haben Deportation, Zwangsarbeit, Entwurzelung und erneute Migration überstanden. Heute stehen sie an einem Wendepunkt. Die Gemeinschaft wächst wieder, die jungen Leute sind hochmotiviert, die wirtschaftlichen Perspektiven in Kasachstan sind ausgezeichnet. Sie können die Brücke zwischen Deutschland und Zentralasien bilden, und wir können ihnen dabei die Hand reichen.

Meine Reise nach Kasachstan hat mir vor allem klar gemacht: Die Zukunft Europas liegt nicht im krampfhaften Festhalten an einer Vergangenheit, die unwiderruflich vorbei ist. Sie liegt in der Öffnung zur Welt (und ganz besonders nach Osten!), in der Kooperation mit aufstrebenden Ländern wie Kasachstan. Und sie liegt in der Wiederentdeckung unserer eigenen Vettern und Basen, die vor Generationen diesen Weg gegangen sind. Die Deutsch-Kasachen sind kein Relikt der Geschichte. Sie sind ein Teil unserer Zukunft.

Mehr über Kasachstan, meine konkreten Erlebnisse, die Ergebnisse der Wirtschaftsmission unter Leitung von MdB Saskia Ludwig und die sich daraus ergebenden Zukunftsperspektiven, berichte ich in den folgenden Teilen dieser Artikelserie, exklusiv bei Haintz.media.

Die Wirtschaftsdelegation von MdB Dr. Saskia Ludwig (CDU) im Deutsch-Kasachischen Zentrum in Astana (li) und das Logo des Vereiens „Wiedergeburt“ (re).

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Anmerkung: wie in allen meinen Veröffentlichungen nutze ich »aus dargelegten Gründen« auch in dieser Artikelserie ein „generisches Femininum“.
Alexander Ehrlich ist Mehrheitseigentümer und Geschäftsführer der »City Tours Unternehmensgruppe« mit Standorten in Österreich, Deutschland, Italien und Polen. Seit 2020 ist er einer der aktivsten Protagonisten der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in Europa und hat über 1500 Demonstrationen für Rechtsstaatlichkeit und Verhältnismäßigkeit organisiert, darunter in Deutschland am 03.10.2020 die Friedenskette am Bodensee und am 18.11.2020 die Kundgebung gegen das 3. Infektionsschutzgesetz vor dem Berliner Bundestag. Seit Ende 2024 konzentriert er sich wieder hauptsächlich auf sein Tourismusunternehmen, insbesondere auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze für Grundrechtsaktivistinnen in Deutschland, Österreich und aller Welt.

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Eine Antwort

  1. Wer weiterhin mit Täterparteien der Europaabschaffer zusammenarbeitet, statt den Frontwechsel und die Glaubwürdigkeit zu fordern, die CDU-Flüchtlinge wie z. B. Maximilian Krah, H. G. Maaßen u. a. freiwillig bewiesen haben, der ist … (geistig-moralische Bewertung, selbst zensiert).

    Lückenmedien sind Lügenmedien. Wo ist Ihre Islamisierungsanalyse?
    „Islam … über 70 Prozent …“, sagt das Internet.

    Islam hat Vorfahrt: Busfahrer stoppt voll besetzten Bus, um zu beten
    https://report24.news/islam-hat-vorfahrt-busfahrer-stoppt-voll-besetzten-bus-um-zu-beten/

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