Haintz.Media

Bild:
Katholikentag
Quelle:
Fotos: J. M. Plutz

Katholikentag: Zwischen Wokismus, Fettnäpfen und echter Frömmigkeit

Bild:
Quelle:

Beitrag teilen:

Mehr aus der Kategorie:

Deutsche Bahnhöfe 2026
Belfast brennt
Das Monument der Macht
Wokismus, Klimaaktivismus und Regenbogenagenda haben längst auch den Katholikentag erreicht – zwischen BDSM-Zelten, militantem Atheismus und moralischer Dauerbelehrung wirkt der Weihrauch fast schon rebellisch. Dennoch zeigt Würzburg, dass zwischen all dem Zeitgeist noch immer Platz für echte Frömmigkeit, kluge Debatten und lebendige katholische Tradition bleibt.
Zusammengefasst

Dieser Beitrag als Audio

Die Tatsache, dass sich der vermaledeite Wokismus ausbreitet wie Frankreich unter Napoleon, ist nicht neu. Umso weniger erstaunt es, dass sich der epidemische Irrsinn auch beim hiesigen Katholikentag in Würzburg wiederfindet. Bis zum 17. Mai ist die Hauptstadt Unterfrankens Zielort für Hunderttausende Katholiken und andere Interessierte. Am Bahnhof empfängt den gestraften Bahnfahrer ein Stand der Tagespost. Doch so werteorientiert geht es leider nicht weiter und ein wenig später blickt der Besucher auf einen Stand der Giordano-Bruno-Stiftung. Die Giordano-Bruno-Stiftung hat sich dem politischen Atheismus verschrieben.

Übergroße, an Karnevalsumzüge erinnernde Pappmaché-Karikaturen verhöhnen den Katholizismus beziehungsweise allgemein das Christentum auf unanständige Weise. Teile dieser Pappkameraden sind exakt dieselben wie vor Jahren beim evangelischen Kirchentag in Nürnberg. Das heißt: Der Verein hat sich nicht weiterentwickelt. Mit einer bodenlosen Humorlosigkeit verteidigt ein bitterer älterer Herr, der auch schon in Nürnberg dabei war, seinen militanten Atheismus. Es ist schon bezeichnend, dass diejenigen, die gar nicht an Gott glauben, den ganzen Tag über Gott sprechen. Ist das schon Projektion, Doktor Freud?

Fettnapfmaschine Friedrich Merz

Zurück zum Wokismus. Selbstverständlich darf auch die Regenbogenmafia nicht fehlen. Ein LGBTQ-Zelt untermalt den katholischen Anspruch, die Sexualität aus dem Privatleben in die Öffentlichkeit zu zerren. Noch penetranter jedoch ist das Zelt nebenan. Dort dürfen sich interessierte Katholiken über BDSM im Christentum informieren. Jeder kann seinen Fetisch leben, wie er möchte, doch es ist ein unglaublicher Übergriff, dass seit einigen Jahren dieser Quartalsirrsinn eingezogen ist. Es ist en vogue, jedem von seinem Fetisch zu erzählen. Die einzige Person, für deren Fetisch ich mich interessiere, ist die Person, mit der ich liiert bin. Ich finde, diese Allerweltslogik kann ruhig für jeden gelten.

Es gibt allerdings auch interessante und geistreiche Veranstaltungen im Umfeld. Im Lügensteinmuseum lädt die erwähnte Tagespost ein, Vorträgen beispielsweise von Sebastian Ostritsch, Bettina Röhl oder Michael Wolffsohn zu lauschen. Auch die vielen Bistümer, die sich vorstellen, oder andere Kirchengemeinden wie Altötting wirken herrlich altmodisch. Es riecht nach Weihrauch, manchmal auch nach Popcorn, vor allem aber nach Weihrauch. Den ganz großen Wokismus-Fauxpas, wie ihn sich vor einigen Jahren die Protestanten in Nürnberg geleistet haben, findet man in Würzburg nicht.

»Apropos Fauxpas«: Friedrich Merz bewies einmal mehr seine Qualitäten als politische Fettnapfmaschine. Beim Katholikentag erklärte der Bundeskanzler sinngemäß, dass sich junge Menschen stärker politisch engagieren sollten und Vereinstätigkeiten im Sport- oder Musikbereich eben nicht dasselbe seien wie Engagement in Parteien. Damit degradierte er unfreiwillig genau jenes Ehrenamt, das Deutschland überhaupt noch zusammenhält: die freiwillige Feuerwehr, den Dorfmusikverein, den Sportclub oder die kirchliche Jugendarbeit. Ausgerechnet auf einem Katholikentag, wo unzählige Ehrenamtliche tage- und wochenlang schuften, wirkte diese Aussage bemerkenswert unglücklich. Selbst bürgerliche Kommentatoren attestierten Merz einmal mehr mangelndes Gespür für die Lebenswirklichkeit normaler Menschen.  

Letzte Bastionen gegen den Wokismus

Allerdings rechtfertigt auch das nicht die infantilen Auftritte jener militanten Klimaschützer, die den Kanzler mit Trillerpfeifen, Geschrei und Transparenten niederbrüllten. Wer ernsthaft glaubt, man überzeuge Menschen durch hysterisches Herumbrüllen und moralische Erpressung, leidet an einer politischen Form der Selbstvergiftung. Diese Szene versteht sich längst nicht mehr als Teil eines demokratischen Diskurses, sondern als säkulare Erlösungsbewegung. Der Klimaaktivismus tritt auf wie eine Ersatzreligion: mit eigenen Dogmen, eigenen Ketzern und eigenen Weltuntergangspropheten. Wer widerspricht, gilt nicht als Andersdenkender, sondern als Sünder.

Genau dort schließt sich der Kreis zum Wokismus. Ob Genderaktivisten, Klimakleber oder identitätspolitische Moralapostel – stets geht es um dasselbe Muster: die Moralisierung des Alltags und die totale Politisierung des Privaten. Der Katholikentag sollte eigentlich ein Ort des Glaubens, der Spiritualität und der Besinnung sein. Stattdessen finden sich immer wieder dieselben ideologischen Einschläge einer urbanen Aktivistenkultur, die jedes gesellschaftliche Ereignis in eine Bühne für ihre Agitation verwandeln möchte. Gerade deshalb wirkt der Weihrauchduft zwischen all dem Zeitgeist fast schon wie ein Akt des Widerstands.

Am Ende bleibt somit ein gemischtes Bild. Der wache Beobachter erkennt ohne Mühe den deutlichen woken Einschlag, der mittlerweile selbst vor katholischen Großveranstaltungen nicht Halt macht. Gleichzeitig wäre es falsch, den Katholikentag deshalb als kompletten Reinfall abzutun. Zwischen Regenbogenmafia, Politaktivisten und penetranter Selbstbespiegelung finden sich eben doch noch Räume echter Frömmigkeit, geistreicher Debatten und angenehm altmodischer Katholizität. Vielleicht ist genau das die eigentliche Erkenntnis von Würzburg: Der Wokismus ist zwar überall – aber er hat noch nicht alles erobert.

Beitrag teilen:

Unterstützen Sie uns!

Helfen Sie mit, freien Journalismus zu erhalten

5

10

25

50

No posts found
Picture of Julian Marius Plutz

Julian Marius Plutz

Julian Marius Plutz ist 1987 geboren und Publizist, u.a. für Ansage, Weltwoche, Sandwirt und die Jüdische Rundschau. Zu seinen Themenschwerpunkten gehören neben dem politischen Zeitgeschehen: Ökonomik, jüdisches Leben und die LGBTQ-Ideologie.

7 Antworten

    1. Sehr gute Idee! Gründe:

      x) Zurück mit Versammlung / Anschlagpapier am Kirchtor oder einer humanistischen Plakatwand — raus aus dem digitalen Fälschungs- und Zensurkino, rein in den analogen Raum ( mit der KI als Zusatzhelfer, aber nicht als Primärführer );

      x) Die verbindenden und die trennenden Elemente der sogenannten „jüdisch-christlichen Wertegemeinschaft und offenen Gesellschaft“ suchen, auf deutsche Art fein säuberlich, übersichtlich sortieren und gewichten. Und dabei ganz besonders die im Auge behalten, die sich daran nicht beteiligen wollen, aber immer eine dummdreiste Ausrede haben ( WikiReal.info/wiki/Täuschende_Argumentationen ).

      Ich fange gleich mal ansatzweise damit an, kleines Kontrastprogramm. Da, wo es richtig systemrelevant weh tut, im Geld-Fundament, die Wurzel fast aller Sekundär- und Folgeprobleme:

      Lutherbibel 1912: Leihen … borgen … herrschen ( bible.knowing-jesus.com/Deutsch/5-Mose/15/6 )
      Monneta.org/media/monneta-fehler-im-geldsystem/

      Talmud aus dem Multikulti-Blickwinkel:
      https://www.verlag-anton-schmid.de/products/talmudismus-erzfeind-der-menschheit
      Silberjunge Thorsten Schulte:
      Es geht jetzt um alles! Schockierende Videobeweise! Mut zur Wahrheit!
      Youtube.com/watch?v=5a0dOcHSygM

    2. „Was ist für ein Unterschied, durch Einbruch in Besitz fremden Gutes zu kommen auf heimliche Weise und durch Mord als Wegelagerer, indem man sich selbst zum Herrn des Besitzes jenes Menschen macht oder ob man durch Zwang, der in den Zinsen liegt, das in Besitz nimmt, was einem nicht gehört?“
      Aus: Bibel Kirchen Zinswirtschaft ( Roland Geitmann )

      Thesenanschlag am 30.10.2009 an der Frankfurter Paulskirche.
      Aufruf an alle Christen!
      Aktuell Mai 2012: Das Handbuch „Geldreform in christlichen Gemeinden“ ist da!

      https://www.9komma5thesen.de/

      Christen + vernunftliebende Juden + vernunftliebende „Sonstige“ (die 99,8 % Nichtjuden der globalen „Menschheitsfamilie“) im Widerstand,
      irgendwo müssen wir anfangen.
      Wenn’s schon nicht mit einem gemeinsamen Standpunkt zum Rassenrealismus [1] klappt, dann könnte und sollte doch das „liebe“ Geld als Startpunkt taugen. Denn das legalisierte Umverteilungs- und Schmiergeldsystem schmiert alles und alle, nicht nur die Pharmamafia.

      [1] RTde.online/der-nahe-osten/91219-israelischer-rabbi-zu-palaestinenser-seid/

  1. Unnötiger Schreib-Lese-Aufwand.
    Merz ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon jetzt Geschichte, siehe und höre Scott Ritter [1] in
    Haintz.media/artikel/deutschland/die-brandmauer-faellt-und-schwarz-rot-stuerzt-mit/#comments

    National wichtiger: Die Montagsspaziergänger spazieren wieder!
    Sogar mit dem Leib- und Magenthema von Haintz-Media, dem Corona-Kontext. Siehe https://t.me/freiesachsen/12501
    Keine Lust auf Vernetzung und Solidarität mit RA Martin Kohlmann & Restvolk?
    Wieviel Distanzeritis, „Kontaktschuld“-Angst und Brandmauer gibt es bei Haintz-Media? Spendengeld-Neid? Einfach mal sachlich und ehrlich antworten, dann verschwinden die hässlichen Spekulationen.

    [1] Global und auch national wichtiger:
    Die EU-Kriegsmaschinerie wird mit Volldampf hochgefahren, jeder kann es sehen, sogar in den ganz offiziellen Propaganda-Medien der BRD.
    Aber wozu? Gegen wen?
    2022 dröhnten und jubelten die „öffentlich-rechtlichen“ Gehirnwaschmedien teils wortwörtlich, teils sinngemäß: „Nur noch ein paar Wochen, spätestens … sind im rückständigen Russland alle Reserven aufgebraucht, dann sind sie mausetot.“

    1. Prioritäten-Korrektiv.
      Etwas für den Scott-Ritter-Kontext [1] und die historische Erinnerungskultur, die dem Zentralrat noch zu fehlen scheint: 2014 … 2022 … ( + 2030 oder schneller?):

      „Umstritten ist die Frage der Erlaubtheit der Präventivnotwehr … bei mit hoher Wahrscheinlichkeit bevorstehendem Angriff. Selbstverteidigungsrecht umfasst auch Maßnahmen gegen [ staatskriminelle und interkontinentale ] Terroristen [und offenkundige Wiederholungstäter im False-Flag-Bereich [2]]“
      Rechteasy.at/wiki/praeventivnotwehr/

      Immer noch umstritten und ungeklärt trotz glasklar angekündigter Existenzrechtleugnungsgesetze und dem offensichtlichen Willen mit der Speerspitze Ukraine Moskau jederzeit in … Sekunden atomar verdampfen zu können?

      Na, dann wäre es doch nun allerhöchste Zeit mal wieder für eine klärende Einladung zum Streitkultur-Wettbewerb mit Benjamin N., Donald T. und Dr. Josef Schuster für internationalistisch korrektes, ganzheitlich heilendes Sehen. Kein Thema für Sie, als friedliebender Vermittlungsjude, Herr Plutz?

      [1] https://deutsch.news-pravda.com/world/2026/05/15/696072.html
      [2] Yandex.com –> „John Perkins“ Venezuela site:haintz.media

  2. Lob
    Die Prioritätensetzung ist derzeit im Telegram-Kanal besser als hier.
    Ein wichtiges Korrektiv gegen die Falschnachricht ( Antideutsch: Fake-News ), RT-Deutsch sei schon jetzt verboten, in
    https://t.me/Haintz/58240

    Gegen Tests, welche Social-Media-Kanäle ( seo-technisch ) besser und welche schlechter funktionieren (Themen, Gewichtungen, Aufwand-Nutzen-Balance) ist nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil.

    Tipp:
    Mehr Strategie-Transparenz, Kanal-Wegweiser in Haintz.media/ueber-haintz-media-2/: „Wir nutzen … primär für … und … besonders für …“
    Relativierung:
    Der Gegner liest mit, zu viel Transparenz könnte schädlich sein.

  3. Herr Plutz, Herr Haintz,

    das Fundamentalwort Geld im Zusammenhang mit dem Katholikentag nicht zu erwähnen, ist eine große Lücke, die Herr Heuschneider für uns geschlossen hat.
    Es scheint interessante Zusammenhänge für den Geschichtsunterricht bis hin zur Spalt- und Brandmauer gegen die AfD zu geben; inkl. Kritik an der AfD.

    Leider sehe ich in meinem Browser keine Quellenangaben und deshalb gibt es von mir keine Pro- oder Contra-Bewertung zum Artikel, also auch keine „Meinungsaneignung, überwiegende Billigung, Übernahme; verstärkende, zusätzliche Zugänglichmachung; Zueigenmachung“ oder wie das sonst noch im bürgerfernen, die allgemeine Rechtsunsicherheit und Angstgesellschaft steigernden Juristenjargon immer wieder bei bloßer Erwähnung von kontroversen, unerwünschten Quellen unterstellt und zusammengeschwurbelt wird gemäß in dubio contra reum.

    Ich zitiere nur folgenden Satz, der, wenn er einer Überprüfung standhält, in umgekehrter Richtung ( von „rechts nach links“) ganz sicher mindestens eine Strafanzeige auslösen würde:

    „Der Würzburger Bischof Franz Jung, als Gastgeber, unterstützte nachdrücklich den Ausschluß von AfD-Leuten, und der Antifa-Kumpan und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), verglich die Partei gar mit Adolf Hitler und den Nationalsozialisten; die habe man ja auch unterschätzt. Und ein „Experte“ des christlichen Vereins meinte zu einer Phönix-Journalistin, AfD-Verantwortlichen wäre quasi das Recht abgesprochen, „unter dem Kreuz zu stehen“, „sich unter dem Kreuz zu versammeln“.

    So, nun haben die christlichen und jüdischen Redaktionsmitglieder der „christlich-jüdisch-sonstigen Wertegemeinschaft“ der Haintz-Media-Redaktion prima Steilvorlagen um mal ihre Standpunkte öffentlich transparent zu machen. Fast hätte ich den Link vergessen. Hier ist er:
    https://heurein.wordpress.com/2026/05/16/der-104-katholische-heuchlertag/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

No posts found

Buch-Empfehlung

960800