Im Jahr 2025 reisten »8.000 Migranten«, die bereits in Griechenland einen Schutzstatus erhalten hatten, per Flugzeug nach Deutschland, um dort erneut Asyl zu beantragen. Diese Zahl, die das Bundesinnenministerium auf Anfrage der Funke Mediengruppe bestätigte, ist kein Einzelfall: »Im gesamten Jahr 2024 waren es 26.000 Personen«, die trotz anerkanntem Asylstatus in einem anderen EU-Land in Deutschland einen weiteren Antrag stellten. Das Dublin-System, das vorschreibt, dass Schutzsuchende ihren Asylantrag im Erstaufnahmeland bearbeiten lassen müssen, wird hier zur Farce.

Griechenland, das pro Kopf die zweithöchste Anzahl an Flüchtlingen in der EU bewältigt, weigert sich, diese Migranten zurückzunehmen. Asylminister Makis Voridis erklärte gegenüber dem Sender »SKAI«, dass er möglicherweise keine Asylanträge mehr bearbeiten wolle.
„Wenn wir keine wirksame Reduzierung der Zuwanderungsströme feststellen, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir eine Aussetzung des Asylverfahrens prüfen werden. Dann werden keine Asylanträge mehr bearbeitet – und wir werden direkt zu einem System übergehen, bei dem (die Migranten) in Rückführungszentren untergebracht und dort festgehalten werden, bis sie zurückgeführt werden.“
»Makis Voridis / SKAI«
Deutschland bleibt währenddessen auf den Kosten und Konsequenzen sitzen, ein Muster, das sich durch die gesamte europäische Asylpolitik zieht. Das Bundesinnenministerium betont zwar, dass Personen mit Schutzstatus in Griechenland diesen auch dort in Anspruch nehmen müssen.
„Personen, denen Schutz in Griechenland zuerkannt wurde, müssen den Schutz auch dort in Anspruch nehmen.“
»Bundesinnenministerium / WeLT«
Die Realität spricht allerdings eine andere Sprache: Die Schengen-Regeln erlauben es anerkannten Schutzsuchenden trotzdem, bis zu 90 Tage innerhalb von sechs Monaten in ein anderes EU-Land zu reisen. Es handelt sich um eine Regelung, die von vielen genutzt wird, um in Deutschland einen neuen Antrag zu stellen, obwohl dies rechtlich unzulässig ist. Das Ergebnis ist ein bürokratisches Chaos, das die deutsche Asylpolitik in ihrer gesamten Widersprüchlichkeit entlarvt. Während Politiker große Reden über Kontrolle und Begrenzung schwingen, fliegen Tausende Migranten unbehelligt in deutsche Flughäfen ein. Die CDU erklärte auf der Plattform 𝕏, ihre migrationspolitischen Maßnahmen würden wirken: Die Zahl der Asyl-Neuanträge sei im Juni 2025 laut BAMF im Vergleich zum Vorjahresmonat um 59 Prozent gesunken. Man sehe darin den Beweis für einen klaren Kurs und eine erfolgreiche Migrationswende unter der CDU-geführten Bundesregierung.
Unionspolitik wirkt. Asylzahlen sinken. Laut BAMF sind im Juni 2025 die Asyl-Neuanträge um 59 % im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken. Es zeigt sich: Die CDU-geführte Bundesregierung setzt ihre Migrationspolitik mit klarem Kurs um. Die Migrationswende ist erfolgreich. pic.twitter.com/hx3FKOvkG7
— CDU Deutschlands (@CDU) July 8, 2025
Kontrolllücken und politische Augenwischerei
Die Bundespolizei steht vor einem Dilemma, denn während sie an den Landesgrenzen zu Polen und Österreich mit massivem Aufwand irreguläre Einreisen überprüft, bleiben die Flughäfen ein offenes Tor. Andreas Roßkopf, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), kritisiert diese Lücke scharf: „Es ist absurd, dass wir Brücken, Autobahnen und Landstraßen überwachen, aber an den Flughäfen kaum Kontrollen stattfinden.“ Die GdP fordert mehr Befugnisse, um die Sekundärmigration einzudämmen – ein Appell, der in den Hallen der Politik ungehört verhallt. Stattdessen plant der Flughafen München einen Abschiebeterminal, der bis zu 50 Einzel- und Sammelchartermaßnahmen täglich abwickeln soll. Ein solches Vorhaben wirkt wie ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn gleichzeitig Tausende Migranten unkontrolliert einreisen.
Die politische Führung scheint indes mehr an Selbstbetrachtung als an Lösungen interessiert. CDU-Chef Friedrich Merz verkündet auf Plattformen wie 𝕏 eine „Migrationswende“ mit „mehr Begrenzung, mehr Zurückweisungen, mehr Steuerung, mehr Rückführungen“.
Wir haben die Migrationswende eingeleitet: mit mehr Begrenzung, mehr Zurückweisungen, mehr Steuerung, mehr Rückführungen – im Einklang mit dem europäischen Recht. Unsere Migrationspolitik ist ein Zeichen der Verantwortung – klar, gerecht und am Wohle unseres Landes orientiert. https://t.co/Qvy81CgbNf
— Bundeskanzler Friedrich Merz (@bundeskanzler) July 6, 2025
Die Realität widerspricht jedoch diesem Pathos. Während Merz von Verantwortung spricht, genehmigt Berlin Einbürgerungen und Pässe in Rekordzahlen. Die versprochene „Wende“ erweist sich als leeres Versprechen, wenn für jede abgeschobene Person Dutzende neue Anträge gestellt werden. Die Zahlen sprechen für sich: 8.000 Sekundärmigranten aus Griechenland allein in den ersten fünf Monaten 2025 – und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Abschiebung als Alibi: Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
»Im April 2024 entschied das Bundesverwaltungsgericht« in Leipzig, dass junge, alleinstehende und gesunde Migranten, die bereits in Griechenland Asyl beantragt haben, dorthin abgeschoben werden können. Anträge in Deutschland seien unzulässig, so das Gericht, da diesen Personen in Griechenland keine „extreme Not“ drohe.

Dieses Urteil sollte ein Signal für eine strengere Asylpolitik sein. Doch Griechenland lehnt die Rücknahme dieser Migranten ab, und Deutschland steht erneut vor einem Problem, das es selbst geschaffen hat: Eine Asylpolitik, die auf europäischer Solidarität basiert, scheitert an der mangelnden Kooperation der Mitgliedsstaaten.
„Einige sind von Griechenland nach Deutschland gegangen und stellen dort ihre Anträge. Aber abgesehen davon – wenn Griechenland derzeit das zweitbelastete Land pro Kopf im Bereich Migration ist, weil es ein Aufnahmeland ist, auch in Bezug auf Asylanträge – dann können wir jetzt nicht von Rückführungen sprechen. Was für Rückführungen? Das widerspricht dem Prinzip der gerechten Verteilung im Rahmen der europäischen Solidarität.“
»Makis Voridis / SKAI«
Flüchtlingshilfsorganisationen wie »Pro Asyl« kritisieren die Zustände in Griechenland weiterhin scharf. Karl Kopp, Geschäftsführer von PRO ASYL und Leiter der Europaabteilung, beschreibt die Lage dort als unwürdig.
„Schutzsuchende sind in Griechenland in einem bürokratischen Teufelskreis gefangen. […] Von Verbesserungen fehlt jede Spur. Das ist eines EU-Landes unwürdig.“ […] ”
»PRO ASYL«
Diese Kritik ändert nichts an der Tatsache, dass Deutschland die Konsequenzen der Sekundärmigration trägt, während andere EU-Länder ihre Verantwortung ablehnen. Die deutsche Politik scheint gefangen in einem Zyklus aus Ankündigungen und Ohnmacht, und bleibt unfähig, die strukturellen Schwächen des Systems anzugehen.
Der Mythos der Migrationswende
Die Debatte um die Sekundärmigration zeigt, wie weit die politischen Versprechen von der Realität entfernt sind. Während Parteien wie die CDU sich selbst für ihre angebliche Kontrolle der Migration feiern, offenbaren die Zahlen ein System, das weder kontrolliert noch gerecht ist. Die großspurigen Ankündigungen von „Begrenzung“ und „Rückführung“ stehen im krassen Gegensatz zu einer Politik, die Pässe wie Massenware behandelt und die Kontrolle an den Flughäfen vernachlässigt.

Die Sekundärmigration ist kein isoliertes Problem, sondern ein Symptom eines größeren Versagens: einer Asylpolitik, die weder die Interessen der Bürger noch die Kapazitäten des Landes berücksichtigt.
Die Forderung nach mehr Kontrollen, wie sie die GdP erhebt, ist nur ein erster Schritt. Ohne eine grundlegende Reform des europäischen Asylsystems und eine konsequente Durchsetzung der bestehenden Regeln wird Deutschland weiterhin zum Ziel von Migranten, die in anderen Ländern bereits Schutz erhalten haben.
„Die Bundespolizei kontrolliert Flussbrücken, Autobahnen und Landstraßen an den Binnengrenzen zu Polen oder Österreich. […] Zugleich klafft eine Lücke an den Flughäfen. […] (Die Bundespolizei braucht) dringend mehr Befugnisse zur Kontrolle und auch zur Zurückweisung der sogenannten Sekundärmigration“
»Andreas Roßkopf / GdP-Vorsitzender für Bundespolizei und Zoll / WeLT«
Die politische Klasse muss endlich aufhören, sich in Selbstlob zu ergehen, und stattdessen die harten Fragen stellen: Warum akzeptiert Deutschland diese Rechtsbrüche? Warum fehlt der Mut, andere EU-Staaten zur Verantwortung zu ziehen? Und warum wird eine Politik fortgesetzt, die die Bürger zunehmend entfremdet? Bis diese Fragen beantwortet sind, bleibt die „Migrationswende“ nichts als ein Schlagwort und die Sekundärmigration ein Beweis für die Ohnmacht der Politik.
Fazit
Wer in Griechenland Schutz erhält, hat keinen Anspruch auf einen zweiten Versuch in Deutschland. Dass trotzdem Zehntausende genau dies umgehen und dabei weder an Flughäfen gestoppt noch nach dem Gesetz behandelt werden zeigt: Die deutsche Migrationspolitik ist nicht überfordert. Sie ist mutwillig fehlgesteuert. Wer das leugnet, betreibt kein Missmanagement, sondern eine systematische Irreführung der Öffentlichkeit.