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Die Straße von Hormus
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Wie der Irankonflikt zur Bewährungsprobe der US-Israel-Koalition wird

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Wer Krieg führt, braucht vor allem eines. Logistik. Noch einmal Logistik. Und danach wieder Logistik. Ohne funktionierende Versorgung zerfällt jede militärische Macht schneller als ihr politisches Narrativ erklären kann. Ein Kommentar von Kevin Eßer.
Zusammengefasst

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Die Thematik der Versorgung ist einer der Hauptgründe, warum es bislang keine Bodenoffensive gibt. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt derzeit vielleicht bei zehn Prozent. Genau an diesem Punkt beginnt sich der Konflikt mit dem Iran für Washington und Tel Aviv zu drehen.

Zerstörte Radar- und Luftabwehrsysteme

In der Golfregion verdichten sich Berichte über zerstörte amerikanische Radar- und Luftabwehrsysteme. Anlagen, die Milliarden kosten und als Rückgrat der regionalen Verteidigung gelten, sollen durch iranische Angriffe beschädigt oder außer Gefecht gesetzt worden sein. Die Folgen zeigen sich inzwischen nicht nur militärisch, sondern auch politisch.

Die Vereinigten Staaten reagieren mit einer Maßnahme, die mehr über die Lage verrät als jede Erklärung. Patriot und THAAD Systeme werden aus Südkorea in den Nahen Osten verlegt. In Seoul sorgt das für offenen Protest. Doch der Widerstand bleibt begrenzt. Washington entscheidet. Seoul muss sich fügen.

Dass solche Systeme aus einer Region abgezogen werden, die direkt neben einem nuklear bewaffneten Nordkorea liegt, zeigt, wie angespannt die Lage inzwischen geworden ist.

Die Lage entspannt sich nicht

Der Krieg selbst befindet sich mittlerweile in seiner dritten Woche. Entspannung ist nicht in Sicht. Tanker werden beschossen, Ölterminals stehen in Flammen und die Straße von Hormus bleibt ein permanenter Risikokorridor. Der Preis für Brent Öl ist erneut über die Marke von hundert Dollar gestiegen, obwohl die Internationale Energieagentur bereits angekündigt hat, strategische Reserven freizugeben. Währenddessen zeigt sich auf dem Schlachtfeld ein Bild, das komplexer ist als viele Beobachter zu Beginn des Konflikts erwartet hatten.

Teheran setzt strategische Schläge 

Der Iran erweist sich trotz massiver Luftangriffe als widerstandsfähiger, als es zahlreiche Analysten ursprünglich angenommen hatten. Teheran greift Infrastruktur in den Golfstaaten an, setzt Drohnen und Raketen ein und zwingt die westliche Koalition zu einer intensiven Verteidigungsarbeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich eine Seite eindeutig durchsetzt. Vielmehr zeigt sich, wie schwer selbst technologisch überlegene Militärallianzen einen solchen Konflikt schnell entscheiden können.

Gleichzeitig formuliert die iranische Führung bereits politische Forderungen. Präsident Peseschkian erklärte offen, ein Kriegsende sei nur denkbar, wenn Washington Reparationen zahlt und zusätzliche Sicherheitsgarantien abgibt. Ob solche Forderungen realistisch sind, steht auf einem anderen Blatt. Doch sie zeigen, dass sich der Konflikt längst nicht mehr allein auf militärische Operationen beschränkt. Währenddessen wächst der militärische Verschleiß auf beiden Seiten. Innerhalb der ersten Woche sollen allein auf westlicher Seite Waffen und Munition im Wert von rund elf Milliarden Dollar eingesetzt worden sein. Besonders kritisch ist die Situation bei Abfangraketen für Luftabwehrsysteme.

Die Bestände schrumpfen schneller, als sie ersetzt werden können

Damit verschiebt sich der Schwerpunkt dieses Krieges. Nicht mehr allein das Schlachtfeld entscheidet über Tempo und Richtung, sondern industrielle Kapazität und funktionierende Lieferketten. Gleichzeitig werden Angriffe auf Israel intensiver. Im Norden des Landes gingen innerhalb einer einzigen Nacht hunderte Raketen nieder. Ein Teil davon kam aus dem Iran, ein anderer aus dem Südlibanon. Die koordinierte Beteiligung der Hisbollah zeigt, dass sich dieser Konflikt längst über mehrere Fronten ausdehnt. Doch die militärische Lage ist nur ein Teil des Bildes.

Die wirtschaftlichen Folgen

Die wirtschaftlichen Folgen beginnen sich gerade erst zu entfalten. Südkorea importiert rund zwei Drittel seiner Energie aus der Golfregion. Wenn diese Lieferungen ausbleiben oder unsicher werden, geraten nicht nur Raffinerien unter Druck. Besonders verwundbar wäre die Halbleiterindustrie. Konzerne wie Samsung und SK Hynix benötigen große Mengen Helium für die Chipproduktion. Das ist kein regionales Problem. Südkorea produziert rund sechzig Prozent der weltweiten Speicherchips. Sollte diese Produktion ins Stocken geraten, würde das weit über die Region hinaus Wirkung entfalten.

Parallel dazu mehren sich Hinweise auf erhebliche Belastungen westlicher Luftabwehrsysteme. Analysen amerikanischer Fachpublikationen bestätigen, dass bereits in den ersten Stunden der Kampagne tausende Präzisionswaffen eingesetzt wurden. Einige dieser Systeme brauchen Jahre, um ersetzt zu werden.

Mit anderen Worten: Der Konflikt zeigt, wie stark moderne Kriege von industriellen Kapazitäten, Rohstoffen und globalen Lieferketten abhängen. Hinzu kommt ein weiteres Problem. Moderne Rüstung hängt von wenigen kritischen Rohstoffen ab. Einer davon ist Gallium. Es wird für Radar und Hochfrequenztechnik benötigt. China kontrolliert nahezu die gesamte globale Lieferkette dieses Metalls. Währenddessen nutzt Teheran seine strategische Position an der Straße von Hormus zunehmend als Druckmittel. Die Region bleibt ein geopolitischer Hebel, dessen Auswirkungen weit über den militärischen Konflikt hinausreichen.

Eine Frage des Durchhaltevermögens

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wer diesen Krieg kurzfristig gewinnt. Die eigentliche Frage lautet, wie lange die beteiligten Staaten einen solchen Konflikt politisch, wirtschaftlich und industriell durchhalten können. Denn Geschichte zeigt immer wieder dieselbe Regel. Schlachten werden an der Front entschieden. „Kriege werden in den Lieferketten entschieden.“ Doch das ist nur das, was wir im Moment sehen.

Im Hintergrund beginnen bereits die geoökonomischen Verwerfungen sichtbar zu werden. Erste Anzeichen waren schon im Januar und Februar erkennbar. Jetzt beschleunigen sie sich spürbar:Verschiebungen in Energieflüssen, Rohstoffzugängen, Industrieproduktion und Handelsstrukturen. 

Besonders die BRICS-Staaten beobachten diese Entwicklung genau und positionieren sich entlang dieser neuen Bruchlinien. Für Europa hingegen könnte dieser Konflikt eine ganz andere Rolle bereithalten. Die EU droht in diesem geopolitischen Kräftefeld zum ungewollten Kollateralschaden zu werden. Doch das ist eine andere Geschichte. Und sie beginnt gerade erst sichtbar zu werden.

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Kevin Eßer ist ein deutscher Wirtschaftsliberaler und politisch aktiv. Er engagiert sich in der Atlas-Initiative. In seinen Beiträgen möchte er komplexe Zusammenhänge aus freiheitlicher Perspektive überparteilich verständlich machen.

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