Zur Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland starten auch die TV-Sender mit der Berichterstattung. Doch im ZDF-Studio in Berlin herrscht vor dem Deutschland-Spiel gegen Schottland keine EM-Stimmung. Statt über die Aufstellung der Deutschen Nationalelf zu berichten, Einblicke in die Fanmeilen zu geben und Fachgespräche zu führen, liegt der Fokus auf den Socken der Moderatorin.
Zum Auftaktspiel im eigenen Land erwarten die Zuschauer bekannte Experten und Gesichter, etwa von Spielern des Sommermärchens 2006 oder Weltmeistern von 2014. Auf dem Sofa befindet sich jedoch eine zweite Frau, die dem Großteil des Publikums unbekannt ist.
Die grundlegende Frage ist: Warum wurde sie für diese Position ausgewählt? Sie beschäftigte nicht nur Markus Haintz auf seinem Kanal auf der Plattform 𝕏, sondern scheinbar auch viele andere. Sein durchaus provokanter Beitrag wurde auf 𝕏 über eine Million Mal angezeigt und ausgiebig kommentiert.
Laura Freigang im Spotlight
Wer ist also die Fußballexpertin, die in der ersten Sendung meinungsschwach unterging und im Grunde trotz ihrer sportlichen Expertise nichts Spannendes beigetragen hatte?
Laura Freigang ist eine Fußballerin in der Deutschen Nationalmannschaft und bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga aktiv. Ihr Instagram-Account zeichnet sich weniger durch sportliche Leistungen oder starke Meinungsäußerungen aus, sondern eher durch ihre Rolle als Fußball-Influencerin. Die WM 2023 war ein Desaster für die Frauenmannschaft, da das DFB-Team bereits in der Gruppenphase ausgeschieden ist.
„Nachdem wir so viele Menschen während der EM mitreißen durften, wollte ich diese Bilder nicht nur für mich behalten, sondern mit den Menschen teilen. Dafür habe ich dann @pictogangg ins Leben gerufen. Der Account ist für mich ein absolutes Herzensprojekt, und mir macht es unglaublich viel Spaß, mich immer neu auszuprobieren.“
Laura Freigang / Vogue
Laura Freigang setzt sich zudem aktiv für Frauen im Sport ein und kritisiert mangelnde Sensibilität und Selbstreflexion bezüglich Themen wie Sexualisierung, Sexismus und Machtverhältnisse im Sport. Auslöser der Aufregung war ein unangemessener Kuss, den der spanische Verbandschef Luis Rubiales der Spielerin Jenni Hermoso nach dem Finale der Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2023 gab. In einem Interview mit Vogue betonte Freigang, dass Frauen nicht länger dazu gezwungen werden sollten, Männer – unabhängig von ihrer Machtposition – von Dingen zu überzeugen, die hauptsächlich Frauen betreffen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Laura Freigang als eine sympathische Sportlerin ohne Kontroversen gilt, die sich neben ihrer sportlichen Karriere und ihrem Studium aktiv für gesellschaftliche und soziale Themen wie Intoleranz, LGBTQ-Rechte und das SCORING GIRLS*-Projekt einsetzt. Letzteres bietet Mädchen und jungen Frauen unabhängig von ihrer Nationalität, ihrem sozio-ökonomischen Hintergrund oder ihrer Glaubensrichtung, die Möglichkeit, durch Teamsport und die Einbindung starker weiblicher Vorbilder ihre Stärken zu entdecken und genug Selbstvertrauen aufzubauen, um ihre Lebensträume zu verwirklichen. Freigangs Engagement und Ansichten entsprechen dabei dem gegenwärtigen gesellschaftlichen Zeitgeist.
Politische Korrektheit im ÖRR
Die Verflechtungen zwischen Sport, Politik und Medien bestehen seit jeher. Regierungen nutzen den Sport vermehrt für politische Zwecke, während auch im professionellen Bereich politische Ziele verfolgt werden. Politische Entscheidungen beeinflussen ihn durch Fördermittel und Gesetzgebung. Weltweit populäre Sportgroßereignisse erreichen über die Medien hunderte Millionen Zuschauer, was Politiker häufig dazu verleitet, sie für ihre eigenen Zwecke zu nutzen, sei es zur Steigerung ihrer Beliebtheit oder zur Ablenkung von heiklen Themen. Der deutsche Journalismus unterhält seit geraumer Zeit eine bedenklich enge Bindung zur Politik.
Daher drängt sich die Frage auf, ob Laura Freigang im ZDF-Sportstudio aufgrund ihrer Fachkenntnisse für diese Rolle bei einer Männerfußballeuropameisterschaft ausgewählt wurde oder ob ihr Geschlecht und ihr Engagement in Projekten, welche die politisch gewünschten Ziele unterstützen, entscheidend waren, um das Motto der EM, das Zusammengehörigkeit und Vielfalt symbolisieren soll, zu unterstreichen?
Fakt ist, dass laut Berichten der Weltwoche Medien im Jahr 2023 direkt von der Regierung beeinflusst wurden. Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollen 200 Journalisten für insgesamt 1,5 Millionen Euro gekauft worden sein. Auch der 𝕏-Kanal ÖRR-Blog enthüllt regelmäßig, dass bei Gesprächsrunden und Interviews im öffentlichen Fernsehen vermeintlich zufällig ausgewählte Gäste oft Mitarbeiter von Parteien oder parteinahen Stiftungen sind oder zumindest dem etablierten politischen Betrieb angehören. Deswegen liegt es nahe, dass auch dieses Sportereignis dazu dient, insbesondere politische Interessen und Themen durchzusetzen.