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Trumps Schachzug
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Operation am offenen Herzen der Weltordnung

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Trumps genialer Schachzug, der zeigt, wie Macht in der Realität wirkt, nicht wie sie wirken soll. Ein Lagebild, keine moralische Wertung.
Zusammengefasst

Ein Kommentar von Kevin Eßer.

Es hat sich lange angebahnt. Wer geopolitische Verschiebungen nicht als Abfolge von Schlagzeilen liest, sondern als Prozess, erkannte früh, dass Venezuela wieder auf die strategische Agenda rückt. Nicht wegen Ideologie. Nicht wegen Demokratie. Sondern wegen Lage, Tiefe und Zugriff.

Am 2. Januar 2026 um 22:46 h beginnt die Operation Absolute Resolve. Rund zweieinhalb Stunden dauert sie. Kein diplomatisches Vorspiel, kein Mandat, keine symbolische Begleitmusik. Ein chirurgischer Eingriff, ausgelegt auf Geschwindigkeit, Wirkung und Kontrolle. Mit einer minutiösen Präzision, die keinen Interpretationsspielraum lässt und genau deshalb als Signal funktioniert.

Es ist kein Flächenangriff, keine Eskalation, kein Aufbau neuer Fronten. Der Eingriff ist begrenzt, aber tief. Er zielt nicht auf Masse, sondern auf Struktur. Auf Knotenpunkte, nicht auf Territorium. Auf Handlungsfähigkeit, nicht auf Öffentlichkeit. Genau das unterscheidet ihn von klassischer Intervention.

Venezuela ist dabei nie das eigentliche Thema

Donald Trump stört nicht das Regime. Auch nicht die Rhetorik oder das Elend im Land. Ihn stört, dass russische und vor allem chinesische Akteure in einer US-amerikanischen Einflusssphäre agieren, als sei sie verhandelbar. Nicht irgendwo an der Peripherie, sondern im amerikanischen Hinterhof. Genau dort, wo aus Sicht Washingtons keine Grauzonen existieren.

Venezuela ist groß, rohstoffreich und strategisch gelegen. Karibik, zentrale Handelsrouten, operative Tiefe. Wer dort Strukturen aufbaut, sitzt nicht am Rand globaler Ordnung, sondern in ihrem Kern. Aus Sicht der USA geht es deshalb nicht um Kooperation, sondern um die schleichende Usurpation eigener Einflussräume. Und Usurpation wird nicht moderiert, sie wird beendet.

Trump handelt nicht idealistisch, sondern unter Zeitdruck. Die USA verfügen nicht mehr über unbegrenzte Spielräume. Wer glaubt, Hegemonialmächte würden ihren Bedeutungsverlust verwalten, verkennt Machtlogik. Sie greifen zu, solange sie es können. Trump zieht es eiskalt durch, weil Zögern in dieser Phase als Schwäche gelesen würde. Die militärische Umsetzung folgt genau dieser Logik. Sie ist so angelegt, dass sie keine Eskalationsleiter eröffnet. Kein Zeitfenster für Gegenreaktion. Keine sichtbare Mobilisierung. Keine politische Vorwarnung. Das Reaktionsspektrum der Gegenseite wird nicht bekämpft, sondern vorab entwertet. Dominanz entsteht nicht durch Überlegenheit im Gefecht, sondern durch die Verweigerung eines Spiels, das der Gegner spielen möchte.

Die Botschaft ist eindeutig. Die Vereinigten Staaten sind weiterhin in der Lage, schnell, präzise und unilateral zu handeln. Ohne Rücksicht auf ein Völkerrechtsverständnis, das seit Jahrzehnten selektiv eingesetzt wird. NATO-Partner tragen diese Praxis mit, meist mit besserer Verpackung. Mandate, Resolutionen, moralische Kulissen. Am Ergebnis ändert das nichts. Trump verzichtet bewusst auf diese Heuchelei und macht sichtbar, was zuvor kaschiert wurde.

Ein UN-Mandat würde Interessen offenlegen, Prozesse verlangsamen und militärische Realität verkomplizieren. Gerade in einem Land wie Venezuela, das über eigene militärische Kapazitäten verfügt und russische Präsenz duldet, ist das aus US-Sicht kein Vorteil, sondern ein strategischer Fehler. Zeit ist der limitierende Faktor, nicht Legitimation. Russland und China werden kurzfristig informiert, damit operative Überraschung kein Eskalationsspiel erlaubt Das Prinzip ist alt. Schon das rote Telefon diente nicht dem Dialog, sondern der Eskalationsvermeidung.

Damit wird eine Schwäche sichtbar, die gern übersehen wird. BRICS ist wirtschaftlich relevant, politisch ambitioniert, aber sicherheitspolitisch fragmentiert. Russland verliert regional Einfluss, gewinnt jedoch relativ gegenüber China, das künftig stärker auf russische Energie angewiesen sein wird. Der eigentliche Verlierer ist China. Und mit ihm die Vorstellung, eine alternative Sicherheits- und Handelsarchitektur ließe sich ohne eigene Durchsetzungsfähigkeit etablieren.

Für wackelige Kandidaten im globalen Süden ist das ein klares Signal. Schutzversprechen sind nur so stark wie die Fähigkeit, sie im Ernstfall einzulösen. Präzision ersetzt Moral. Leistungsfähigkeit schlägt Rhetorik. Wer das ignoriert, liest die Welt falsch.

Trump belässt es nicht bei der militärischen Aktion. In Washington drängen die US-Demokraten auf einen schnellen Regimewechsel. Vorgesehen ist María Corina Machado, Friedensnobelpreisträgerin 2025. International vernetzt, medial anschlussfähig, moralisch aufgeladen. Sie gilt als saubere, präsentable Lösung für einen politischen Übergang in Venezuela, anschlussfähig für westliche Öffentlichkeit und internationale Gremien. Machado ist jedoch keine Machtpolitikerin aus eigener Struktur heraus. Sie ist eine Projektionsfigur. Getragen von transatlantischen NGO- und Stiftungsnetzwerken, eng eingebunden in das westliche Einflussmilieu um George Soros. Politisch formbar, außen legitimiert, innen schwach verankert. Genau darin liegt ihre Funktion, aber auch ihr Risiko. Trump blockiert dieses Modell bewusst. Nicht aus Sympathie für Maduro, sondern aus nüchternem Kalkül. Eine Installation Machados bedeutet aus seiner Sicht keine Stabilisierung, sondern die dauerhafte Verankerung fremder Netzwerke im amerikanischen Hinterhof. Sie schafft neue Abhängigkeiten, verschiebt Kontrolle zugunsten symbolischer Politik und stärkt seine innenpolitischen Gegner. Vor allem ersetzt sie operative Ordnung durch moralische Verwaltung.

Statt eines schnellen Regimewechsels setzt Trump auf Zeit. Auf Zugriff. Auf Kontrolle des Raums. Die Frage ist für ihn nicht, wer Venezuela regiert, sondern wer dort Einfluss ausübt. Wahlen bleiben ein Instrument für später, nicht für die Phase der Machtkonsolidierung. Stabilität geht vor Legitimation. Die Wirkung reicht weit über Venezuela hinaus. Kuba, Kolumbien, Mexiko, der karibische Raum. Und Europa. Das Signal endet nicht regional, es ist systemisch.

In Deutschland reagiert man entsprechend vorsichtig. Die Abhängigkeit ist bekannt. Wirtschaftlich, militärisch, sicherheitspolitisch. Wer seine Sicherheitsarchitektur ausgelagert hat, ist kein gleichwertiger Partner, sondern Teil einer Hierarchie. Die NATO ist kein Gleichgewicht. Sie ist die USA. Großmächte handeln allein oder mit Vasallen.

Iran – kein neuer Konflikt, sondern ein laufender Prozess

Die Iran-Frage stellt sich nicht neu, sie ist bereits in Bewegung. Teheran befindet sich nicht in einer Eskalationsspirale, sondern in einem inneren Umbruch. Der Konflikt ist kein Kriegsschauplatz, sondern ein Bindungsproblem. BRICS liefert Abhängigkeit, nicht Entwicklung. China kauft Öl mit Rabatt, Russland nutzt Iran als Umgehungsraum, aber keiner bietet Perspektive. Für Washington ist Iran deshalb kein Ziel militärischer Entscheidung, sondern ein Objekt strategischer Öffnung. Nicht durch Intervention, sondern durch kontrollierte Verflechtung. Nicht durch Regimewechsel, sondern durch Bindung. Ein teilintegrierter Iran ist kein Verbündeter, aber kalkulierbar. Und Kalkulierbarkeit ist der eigentliche Hebel.

China verhält sich in der Taiwan-Frage nicht zurückhaltend aus moralischen Gründen. Sondern aus nüchterner Selbsteinschätzung. Noch fehlt die militärische Überlegenheit. Wenn sie vorhanden ist, wird gehandelt. Genau wie Russland in der Ukraine handelt, wenn es dazu in der Lage ist. Nicht früher, nicht später. Das ist der Kern.

Carl von Clausewitz formuliert die Hierarchie dieses Handelns präzise: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ und „Taktik gewinnt Gefechte. Strategie gewinnt Kriege. Politik ordnet die Welt.“

Völkerrecht ist in dieser Logik kein Schutzschild, sondern ein Werkzeug. Es wird genutzt, wenn es nützt, und ignoriert, wenn es stört. Auch von Europa. Einflussnahme über NGOs, Sanktionen, politische Interventionen in souveräne Prozesse. Kosovo, Georgien, Bulgarien. Das geht längst über klassische Soft Power hinaus und bewegt sich im Raum verdeckter Machtpolitik. Die regelbasierte Ordnung ist kein Naturgesetz. Sie ist ein US-Konstrukt. Früher getragen von Alliierten, davor vom Völkerbund, heute überwiegend von Washington definiert. Regeln folgen Macht, nicht umgekehrt.

Eine multipolare Weltordnung ist kein Gegenentwurf zur Macht, sondern ihre Neuverteilung. Sie verspricht keine Gerechtigkeit, sondern Konkurrenz. Wo keine dominierende Ordnungsmacht mehr existiert, entsteht kein Vakuum, sondern ein Feld permanenter Reibung. Einfluss wird nicht mehr garantiert, sondern fortlaufend erkämpft.

Europa steht in diesem Umfeld vor einer strukturellen Entscheidung. Entweder es formiert sich als Zusammenschluss souveräner Staaten mit eigener strategischer Handlungsfähigkeit oder es verbleibt in einer zentralisierten Verwaltungsarchitektur, die Prozesse organisiert, aber keine Macht projiziert. Eine supranationale Ordnung ohne politische Einheit ersetzt Souveränität nicht, sie simuliert sie.

China ist in diesem System kein moralischer Sonderfall, sondern ein anderer Typ Ordnungsmacht. Während die USA Zugriff sichern, sichert China Abhängigkeit. Investitionen dienen nicht primär der Entwicklung, sondern der Strukturbindung. Wer chinesisches Kapital annimmt, übernimmt Standards, Lieferketten und politische Rücksichtnahmen. Einfluss entsteht nicht durch Intervention, sondern durch Verflechtung, die sich nur unter hohen eigenen Kosten wieder lösen lässt.

Die Welt wird nicht nach Werten geordnet. Sie wird nach Fähigkeiten sortiert.

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Kevin Eßer ist ein deutscher Wirtschaftsliberaler und politisch aktiv. Er engagiert sich sowohl in der WerteUnion als auch in der Atlas-Initiative. In seinen Beiträgen möchte er komplexe Zusammenhänge aus freiheitlicher Perspektive überparteilich verständlich machen.

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3 Antworten

  1. Sehr guter Artikel! Nüchterne Analyse, realistische Einschätzung. So wird die US-Aktion in Venezuela nachvollziehbar. Man kann sie einordnen.
    Prima! Weiter so!

    1. Alles ist relativ.

      Kritikansatz von 20:01 Uhr im Ulrike-G-Kontext:
      Haintz.media/artikel/deutschland/warum-sind-die-menschen-in-diesem-land-unzufrieden/#comment-2983

      Auch so wird der globale Wettbewerb [1] mitentschieden, multimodular, hybrid: Mit Matsu Patty, Otyken – Alaska | Reaction.
      Yandex.com/video/preview/8347923061836325874

      Kürzer:
      Achten Sie immer _ zuerst _ auf das, was _ nicht _ gesagt wird, bevor Sie Beifall spenden. Das setzt natürlich ein großes Vorwissen voraus. Z. B. das Stichelwort Geldsystem vom RA Chris Moser:
      https://haintz.media/artikel/deutschland/woran-unser-staat-krankt/

      [1] Exil-Exit + Hierbleiben im Klare-Kante-Hagel der inneren Feinde,
      Kommentar von 21:43 Uhr:
      Haintz.media/artikel/deutschland/dobrindt-nutzt-linksterror-als-vorwand-fuer-ueberwachungsstaat/#comment-2987

  2. Kritikkonkretisierung passend zu

    „Eine supranationale Ordnung ohne politische Einheit ersetzt Souveränität nicht, sie simuliert sie.“

    Welche Einstiegsliteratur empfehlen Sie im Grundords-, Weltordnungs-, Informations-, Medien- und Meinungsfreiheitskontext, damit wir vom Reden, Empörungs- und Analyse-Journalismus schneller ins Tun und praktische Heilen kommen können? Mein Tipp:

    https://www.kaschachtschneider.de/dr-werner-maeder-grundrechte-und-grundunrecht/

    Haben Sie etwas Besseres?

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