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Am Ende wurde es dann doch knapper als prophezeit, denn “Frau Rheinmetall“ entschied sich, für den FDP-Vorsitz zu kandidieren. Schlussendlich gewann jedoch der Favorit Wolfgang Kubicki. Mit knapp 60 Prozent erreichte der Mann aus Schleswig-Holstein den höchsten Posten bei den Liberalen. Heißt aber auch: 40 Prozent der Delegierten trauten Marie-Agnes Strack-Zimmermann zu, die Partei wieder in den Bundestag zu führen.
Diese Zahl von 40 Prozent ist weit mehr als nur ein Achtungserfolg für die Chefkriegstreiberin. Sie ist ein Symptom für eine heillos erkrankte Partei. Denn sie zeigt, wie tief die FDP inzwischen in ihrer eigenen Identitätskrise steckt. Nach dem erneuten historischen Absturz aus dem Bundestag hätte man erwarten können, dass die Partei endlich jene Fragen stellt, die sie seit Jahren verdrängt: Warum haben uns die Wähler das Vertrauen entzogen? Weshalb gilt die FDP bei vielen Bürgern inzwischen nicht mehr als liberale Korrektivkraft, sondern als Teil genau jenes politischen Betriebs, gegen den sie einst antrat? Wie sehr wird eine Partei, die Freiheit im Namen trägt, in zentralen Fragen diesem Anspruch noch gerecht?
Die FDP in einer geistigen Krise
Strack-Zimmermann steht exemplarisch für diese Entwicklung. Die Frau, die unbescholtene Bürger schneller anzeigt als ihr Schatten, bestimmt seit Jahren maßgeblich den außenpolitischen Kurs ihrer Partei. Mit teils unverhohlenem Russenhass befeuert sie aus Brüssel bzw. Straßburg das tägliche Töten in einem Krieg, den die Ukraine nicht gewinnen kann. Einen Kurs, den Kubicki zwar nicht so lautstark, aber im Kern genauso vertritt. Während der neue Vorsitzende die Brandmauer zur AfD nun zwar halbherzig, aber immerhin etwas lockern will, beharrt Strack-Zimmermann orthodox auf einer politischen Ausgrenzung, die exakt zwei Effekte hat: die FDP klein halten und die AfD groß machen. Herzlichen Glückwunsch.
Nun soll es also Kubicki richten. Man muss fairerweise sagen: Es gibt schlimmere Kandidaten. Er spricht verständlicher als viele seiner Parteifreunde, weniger technokratisch, gelegentlich sogar volksnah. Vor allem aber besitzt er etwas, das in der modernen Politik selten geworden ist: politische Instinkte. Er versteht, dass Bürger keine PowerPoint-Präsentationen wählen, sondern Parteien, die Haltung und Glaubwürdigkeit ausstrahlen. Und er ist einer der beiden Anwälte von Professor Winfried Stöcker, einem großartigen Unternehmer, Erfinder und Ehrenmann, mit dessen konventionellem Impfstoff gegen Corona uns wohl einiges erspart geblieben wäre.
Aber machen wir uns nichts vor: Auch Kubicki wird das Grundproblem der FDP nicht lösen können. Denn die Krise der Liberalen ist keine reine Führungskrise, sondern eine geistige Krise. Die Partei weiß längst nicht mehr, für wen sie eigentlich Politik macht. Für Selbständige und Mittelstand? Oder für Apotheker? Für urbane Akademiker? Für junge Großstadtliberale? Für die Ukraine? Für Rheinmetall? Die FDP versucht mittlerweile, alles zugleich zu sein – und wirkt deshalb so unfassbar beliebig. Wer immer Everybody’s Darling sein will, wird auf kurz oder lang Everybody’s Depp und fliegt völlig folgerichtig aus dem Bundestag.
Zukunft verkörpert Kubicki nicht
Die Tatsache, dass 40 Prozent der Delegierten Strack-Zimmermann zur Hoffnungsträgerin erklärten, zeigt zudem, wie stark sich die Partei vom politischen Alltag vieler Bürger komplett entfernt hat. Während die Menschen über Inflation, Wohnkosten, Energiepreise und wirtschaftlichen Abstieg sprechen, verliert sich ein erheblicher Teil der Liberalen in außenpolitischer Symbolpolitik, plumpem Russlandhass und medialen Erregungszyklen. Der neue Vorsitzende übernimmt deshalb keine Partei im Aufbruch, sondern eine Partei, die sich selbst auflöst. Kubicki mag den Absturz stoppen können, doch er ist mehr Insolvenzverwalter als Visionär. Und die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet: Wofür braucht Deutschland die FDP überhaupt noch? Welches Alleinstellungsmerkmal haben die Liberalen gegenüber der CDU oder den Grünen?
Solange die Liberalen darauf keine überzeugende Antwort finden, wird auch der nächste Parteitag nur eine weitere Debatte darüber sein, wer den Niedergang am überzeugendsten moderieren darf. Kubicki mag im Gegensatz zu Marie-Agnes Strack-Zimmermann das kleinere Übel sein. Einen positiven Blick in die Zukunft verkörpert der 74-Jährige hingegen nicht.