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Im ersten Teil seiner Artikelserie hat Alexander die Frage beantwortet, was ihn dazu veranlasst hat, an einer offiziellen Wirtschaftsmission unter Leitung einer CDU-Abgeordneten teilzunehmen. In diesem Teil beantwortet er die Frage „Warum ausgerechnet Kasachstan?“.
Kurzer Überblick über die deutsche Wirtschaftslage
Seit Jahrhunderten lebte die europäische Zivilisation grob vereinfacht von folgendem Wirtschaftskonzept: Rohstoffe anderer Kontinente günstig einkaufen, sie in Europa industriell verarbeiten und die fertigen Produkte dann gewinnbringend in alle Welt verkaufen. Dieses Modell entwickelte sich vom 15. Jahrhundert an über mehrere Phasen – Entdeckung, Handelsnetzwerke, Kolonialismus und schließlich imperiale Aufteilung der Welt. Auch nach dem formalen Ende des Imperialismus blieb das Prinzip lange erhalten und sicherte Europa eine überragende wirtschaftliche Stellung. Möglich wurde dies durch technologische Überlegenheit, den Wettbewerb unterschiedlicher europäischer Systeme, institutionelle Innovationen wie Rechtsstaat und Eigentumsrechte, hohe Bildung und eine disziplinierte, leistungsorientierte Bevölkerung.
Jahrzehntelange selbstmörderische Fehlpolitik hat diese Erfolgsfaktoren jedoch systematisch zerstört. Europa – und besonders Deutschland – steht am Abgrund. Wir verlieren gnadenlos den Anschluss in nahezu allen Zukunftstechnologien, haben den Wettbewerb der Systeme durch ideologische Gleichschaltung ersetzt, höhlen die bürgerlichen Freiheitsrechte aus, produzieren massenhaften Bildungsverfall und Fachkräftemangel und ersticken jede Leistungsbereitschaft durch brutalen Bürokratie- und Steuerterror. Das Ergebnis ist ein selbstverschuldeter, atemberaubend schneller Niedergang.
Allen, die noch hoffen, man könne das Rad der Geschichte zurückdrehen, möchte ich erwidern: Es gibt keine Umkehr. Selbst wenn wir morgen wie durch ein Wunder den Stand der 1980er Jahre wieder erreichen würden – der Rest der Welt wäre dann 50 Jahre weiter als wir. Wir haben nicht nur Zeit verloren, wir haben den Anschluss verloren. Allerdings: Wir müssen auch gar nichts „zurückdrehen“. Das alte Wirtschaftskonzept ist tot, damit müssen wir leben. Wir brauchen etwas Neues – und wir können es erschaffen.
Ein möglicher Weg: eine neue Hanse
Wir dürfen uns nichts vormachen: Der deutsche Staat und das Brüsseler Regime werden diese dringend benötigte Wirtschaftswende niemals einleiten. Sie sind Teil des Problems. Die notwendige Strategie kann nur von unten kommen, von uns selbst. Unsere Geschichte zeigt, wie das geht. Die weltberühmte, mittelalterliche Hanse war kein staatliches Projekt, sondern ein dezentrales Netzwerk freier Kaufleute und Städte, das ohne zentrale Macht ein ganzes Wirtschaftssystem aufbaute. Genau diese Kraft brauchen wir heute wieder.
Wir brauchen eine Diaspora aus qualifizierten, regimekritischen Menschen, die freiwillig in strategisch wichtige Länder aufbrechen, deren Sprachen lernen, Netzwerke knüpfen und parallele Strukturen schaffen – außerhalb der Kontrolle der herrschenden Oligarchie. Im digitalen Zeitalter ist das technisch einfacher als je zuvor. Die neue Hanse braucht keine Zentrale, keine Partei und keinen Staat. Sie braucht nur kluge, entschlossene Menschen, die bereit sind, außerhalb der Heimat im Interesse der Heimat zu handeln. Unser Vorteil: Wir müssen nicht bei Null anfangen. Es gibt bereits viele Europäerinnen, die genau das getan haben, und es werden jeden Tag mehr. Wir Nachkommenden können ihre Netzwerke nutzen, ihre Erfahrungen aufnehmen und sie verstärken. Die Erkenntnisse und Profite, die daraus entstehen, tragen wir zurück; nicht um das Regime zu retten, sondern um unsere eigene Unabhängigkeit und Zukunft zu sichern.
Aus diesem Grund habe ich schon seit einiger Zeit einen aufmerksamen Blick nach Kasachstan gerichtet, von dem ich wenig wusste außer dass dort eine große deutschsprachige Minderheit existiert. Ich hatte die Hoffnung, möglicherweise auch weitere Faktoren zu finden, die das Land aus meiner Sicht attraktiv machen würden. Und ich wurde bei meiner Reise dorthin nicht enttäuscht. Ich habe einen friedlichen Giganten im Herzen Eurasiens kennengelernt, ein Land, das Gastfreundschaft und Harmonie hochhält, reich an natürlichen Ressourcen ist, attraktive Rahmenbedingungen für Investitionen bietet, innere und äußere Sicherheit gewährleistet und über hochqualifizierte, disziplinierte Arbeitskräfte verfügt. Einen Ort, an dem es sich lohnt, Zeit und Geld zu investieren, wenn man nicht nur an kurzfristigen Profit denkt, sondern an die langfristigen Interessen einer unabhängigen europäischen Kulturgemeinschaft.
Der friedliche Gigant im Herzen Eurasiens
Kasachstan ist siebenmal so groß wie Deutschland. Mit 2,7 Millionen Quadratkilometern ist es größer als ganz Westeuropa zusammen und das neuntgrößte Land der Erde. Die Entfernung vom westlichsten zum östlichsten Zipfel des Landes ist doppelt so weit wie die Entfernung zwischen Berlin und Moskau. Auf dieser gewaltigen Fläche leben nur rund 20 Millionen Menschen – knapp 10 % mehr als in Nordrhein-Westfalen allein. Die Bevölkerungsdichte liegt bei nur sieben bis acht Einwohnerinnen pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 232. Das Land erstreckt sich von den Ufern des Kaspischen Meeres im Westen bis zu den über 7000 Meter hohen Gipfeln des Tian Shan im Osten. Dazwischen liegen endlose goldene Steppen, dramatische Canyons, singende Dünen und türkisblaue Bergseen.
Geografisch liegt Kasachstan genau im Herzen Eurasiens – als riesiger Landkorridor zwischen den großen Machtblöcken. Im Norden grenzt es auf über 7000 Kilometern an Russland, länger als die Entfernung von Hamburg nach New York. Im Osten stößt es direkt an China, im Süden an die zentralasiatischen Nachbarn Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan. Im Westen bildet das Kaspische Meer die natürliche Grenze – das größte Binnenmeer der Welt. Es ist von Kasachstan aus auch nicht mehr sehr weit zur Mongolei im Osten sowie zum indischen, persischen und türkischen Kulturkreis im Süden. Diese Lage macht Kasachstan zur zentralen Drehscheibe des eurasischen Kontinents. Es ist die natürliche Brücke zwischen Europa und Ostasien: wer Waren von China nach Europa bringen will, ohne die unsicheren Seewege zu nutzen, kommt an Kasachstan kaum vorbei. Gleichzeitig dient das Land als Pufferzone und pragmatischer Vermittler zwischen den Großmächten. Es pflegt enge wirtschaftliche Beziehungen zu allen Nachbarn, ohne sich jemals vollständig in ein Lager zu begeben.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die friedliche Haltung des Landes: Nach dem Zerfall der Sowjetunion erbte Kasachstan das viergrößte Atomwaffenarsenal der Welt – größer als das von Großbritannien, Frankreich und China zusammen. Statt diese tödliche Macht zu behalten oder zu nutzen, gab das Land alle Atomwaffen bis 1995 freiwillig an Russland ab und erklärte sich selbst zur atomwaffenfreien Zone. Ein Schritt, den nur drei andere Staaten in der Geschichte je gewagt haben. Kasachstan beweist damit, dass Größe und strategische Lage nicht zwangsläufig zu imperialistischem Großmachtgehabe führen müssen.
Ein Ort der Gastfreundschaft und der Harmonie
Bewohnt wird Kasachstan von einem der vielfältigsten und gleichzeitig harmonischsten Völker der Welt. Seit der Urzeit prägen Nomadenvölker die riesige Steppe: zuerst die Skythen, später die Turkvölker. Die heutigen Kasachinnen sind geprägt von Freiheitsliebe, Naturverbundenheit und einer tief verinnerlichten Neugier für alles Neue und Fremde. Ein Fremder wird in Kasachstan oft schneller an den gedeckten Tisch gebeten, als er seinen Namen nennen kann. Das Sprichwort „Der Gast ist ein Geschenk Gottes“ ist keine leere Floskel, sondern gelebte Tradition. Selbst in den ärmsten Jurten wird geteilt, was da ist – mit einer Selbstverständlichkeit, die in Europa längst verloren gegangen ist.
Über 130 Ethnien leben in Kasachstan harmonisch zusammen, darunter Kasachinnen, Russinnen, Usbekinnen, Ukrainerinnen, Tatarinnen, Uigurinnen, Koreanerinnen und (Stand heute) 222.890 Kasachstandeutsche. Selbst die großmaßstäbigen Deportationen der Stalin-Zeit, die viele Völker zwangsweise in die kasachische Steppe brachten, führten nicht zu dauerhaften Konflikten, sondern zu einer gewachsenen, respektvollen Nachbarschaft. Konfrontationen zwischen den Volksgruppen sind extrem selten und werden von der Mehrheit der Bevölkerung entschieden abgelehnt. Die einzigartige Mischung aus uralter Steppentradition, tiefer Gastfreundschaft und gelebter Multiethnizität macht Kasachstan zu einem Land, von dem das heutige Europa manches lernen kann.
Diese innere Stabilität spiegelt sich auch in einem bemerkenswert hohen Maß an öffentlicher Sicherheit wider. In Kasachstan kann man so gut wie überall nachts ohne Angst über die Straße gehen. Die Kriminalitätsrate, insbesondere schwere Gewaltkriminalität, liegt deutlich unter dem Niveau unserer westeuropäischen Großstädte. Taschendiebstähle und Betrug kommen vor, aber Raubüberfälle auf offener Straße oder Messerstechereien gehören nicht zum Alltag.
Besonders konsequent geht das Land gegen religiöse Radikalisierung vor: Strenge Kontrolle von Moscheen und Predigern, Verbot radikaler Organisationen, Überwachung von Finanzströmen und ein konsequentes Vorgehen gegen jegliche Form des politischen Islamismus. Wer Hass predigt oder zur Gewalt aufruft, wird rasch und hart bestraft. Gleichzeitig bleibt das Land säkular und gewährt allen anerkannten Religionen – Islam, Christentum, Judentum, Buddhismus – freie Ausübung ihres Glaubens. Das Ergebnis ist ein Land, das religiöse Vielfalt zulässt, aber keine Parallelgesellschaften und keinen importierten Extremismus duldet.
Ein endloses Reservoir natürlicher Ressourcen
Unter der endlosen Steppe Kasachstans liegt ein Reichtum, von dem europäische Länder nur träumen können. Kasachstan ist nicht nur riesig, sondern auch außerordentlich rohstoffreich. Das Land zählt zu den zehn größten Ölexporteuren der Welt und besitzt gewaltige Gasvorkommen. Noch bedeutender: Kasachstan ist seit Jahren der weltweit größte Uranproduzent und liefert rund 40 Prozent des gesamten globalen Bedarfs. Ohne kasachisches Uran würden viele westliche Atomkraftwerke stillstehen. Darüber hinaus verfügt das Land über riesige Vorkommen an Kupfer, Chrom, Zink, Blei, Titan und – besonders wichtig für die Zukunftstechnologien – an seltenen Erden und Lithium. Die bekannten Reserven reichen bei vielen Rohstoffen für Jahrzehnte, teilweise sogar für Jahrhunderte. Auf den fruchtbaren Schwarzerdeböden des Nordens wächst außerdem Weizen in solchen Mengen, dass Kasachstan zu den größten Getreideexporteuren der Welt gehört.
Während Deutschland seine letzten Kernkraftwerke abgeschaltet hat und verzweifelt nach Rohstoffen sucht, sitzt Kasachstan auf einem wahren strategischen Schatz. Ein Schatz, der nicht nur unter der Erde liegt, sondern auch politisch klug genutzt wird: Das Land will nicht reiner Rohstofflieferant bleiben, sondern verarbeitet immer mehr selbst und sucht gezielt nach ausländischen Partnerinnen – vor allem nach solchen, die Technologie und Know-how mitbringen.
Ein interessanter Platz für Investitionen
Für ausländische Investorinnen hat Kasachstan in den letzten Jahren einige große Anreize geschaffen. Die Steuerlast ist unglaublich niedrig: der einheitliche Einkommensteuersatz liegt bei 10 Prozent, die Körperschaftsteuer bei 20 Prozent. In den zahlreichen Sonderwirtschaftszonen können Investorinnen teilweise sogar für bis zu 25 Jahre von Einkommens-, Grund- und Mehrwertsteuer befreit werden. Die Regierung betreibt einen „One-Stop-Shop“ für Investorinnen und hat die Deutsch-Kasachische Regierungskommission sowie die Auslandshandelskammer als Ansprechpartner etabliert. Deutsche Unternehmen wie Siemens, CLAAS, Linde und Heidelberg Materials sind bereits seit Jahren erfolgreich vor Ort.
Auch österreichische Unternehmen haben Kasachstan längst als chancenreichen Markt entdeckt. Mehr als 400 österreichische Firmen unterhalten Geschäftsbeziehungen zum Land, rund 40 bis 60 davon mit eigenen Niederlassungen oder Joint Ventures. Besonders aktiv sind Technologie- und Maschinenbaukonzerne wie ANDRITZ (Wasserkraft und Industrieanlagen), Liebherr (Baumaschinen), OMV (Energieprojekte) sowie Unternehmen aus den Bereichen Umwelttechnik, Pharmazie und Logistik (z. B. Gebrüder Weiss). Österreichische Firmen profitieren vor allem von der starken Nachfrage nach moderner Infrastruktur und Bergbautechnologie.
Hochqualifizierte und disziplinierte Arbeitskräfte
Was westliche Investorinnen besonders schätzen, sind die Arbeitskräfte in Kasachstan. Das Land verfügt über ein gut ausgebautes Bildungssystem mit starkem Fokus auf Mathematik, Naturwissenschaften und Ingenieurwesen. Die Alphabetisierungsrate liegt bei nahezu 100 Prozent, und besonders in technischen Berufen gibt es eine große Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte; viele davon mit sowjetisch geprägter, solider handwerklicher und ingenieurtechnischer Ausbildung.
Die allermeisten Kasachen sprechen neben Kasachisch fließend Russisch, in der jungen Generation zusätzlich die überwiegende Mehrheit auch Englisch. In der großen kasachisch-deutschen Minderheit finden deutschsprachige Unternehmen außerdem ortsansässige Mitarbeiterinnen, die Deutsch ausgezeichnet verstehen oder sogar als Muttersprache sprechen.
Die kasachische Arbeitsmoral wird von ausländischen Investorinnen durchweg gelobt: Disziplin, Lernbereitschaft und Loyalität sind deutlich ausgeprägter als in Europa. Die Lohnkosten liegen gleichzeitig bei nur einem kleinen Bruchteil deutscher oder österreichischer Gehälter, wobei aber die Arbeitnehmerinnen durch das niedrige Steuer- und Preisniveau dennoch mehr Kaufkraft besitzen als ihre Kolleginnen in so manch „westlicher Industrienation“.
Kurz gesagt: Kasachstan bietet nicht nur Rohstoffe und niedrige Steuern, sondern auch ein großes Reservoir an hochmotivierten, technisch versierten und verlässlichen Fachkräften. Gerade in Zeiten wie diesen, wo das Schulsystem Europas tagtäglich mehr verfällt und allzu viele Menschen nur noch davon träumen, ihr ganzes Leben in der sozialen Hängematte zu verbringen, ist dies aus meiner persönlichen Sicht der größte Schatz, den Kasachstan besitzt.
Mehr über Kasachstan, meine konkreten Erlebnisse, die Ergebnisse der Wirtschaftsmission unter Leitung von MdB Saskia Ludwig und die sich daraus ergebenden Zukunftsperspektiven, berichte ich in den folgenden Teilen dieser Artikelserie, exklusiv bei HAINTZ.media.

Logo der Vereinigung der Deutschkasachen „Wiedergeburt“ / Theater Astana / Folklore / Stadtbild

Astana: Blick vom Aussichtsturm / Ausssichtsturm / Gastfreundschaft / Folklore
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Anmerkung: wie in allen meinen Veröffentlichungen nutze ich »aus dargelegten Gründen« auch in dieser Artikelserie ein „generisches Femininum“.
Alexander Ehrlich ist Mehrheitseigentümer und Geschäftsführer der »City Tours Unternehmensgruppe« mit Standorten in Österreich, Deutschland, Italien und Polen. Seit 2020 ist er einer der aktivsten Protagonisten der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in Europa und hat über 1500 Demonstrationen für Rechtsstaatlichkeit und Verhältnismäßigkeit organisiert, darunter in Deutschland am 03.10.2020 die Friedenskette am Bodensee und am 18.11.2020 die Kundgebung gegen das 3. Infektionsschutzgesetz vor dem Berliner Bundestag. Seit Ende 2024 konzentriert er sich wieder hauptsächlich auf sein Tourismusunternehmen, insbesondere auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze für Grundrechtsaktivistinnen in Deutschland, Österreich und aller Welt.