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Warnung statt Rettung
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Bundesregierung lässt deutsche Touristen im Krisengebiet allein

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Globale Machtarchitektur
Rechtsstaat in Balance
Symbolische Täuschung
Tausende Reisende sitzen in Terminals fest, Flughäfen schließen, Drohnen und Raketen bedrohen Kreuzfahrtschiffe. Die Bundesregierung liefert lediglich Informationen, echte Hilfe bleibt aus. Inmitten der Eskalation zeigt sich die nackte Realität: Wer auf staatlichen Schutz zählt, wird enttäuscht.
Zusammengefasst

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Der Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran hat nicht nur geopolitische Konsequenzen. Er hat auch sehr konkrete Folgen für zehntausende Menschen, die sich plötzlich in einer Region wiederfinden, in der Raketen einschlagen, Flughäfen schließen und der Luftverkehr kollabiert. Der Deutsche Reiseverband berichtet, dass »rund 30.000 Reisende« deutscher Veranstalter unmittelbar von den gesperrten Lufträumen im Nahen Osten betroffen sind. Einige halten sich bereits in der Region auf, andere wollten lediglich über die dortigen Flughäfen weiter in ihre eigentlichen Zielgebiete fliegen. Was als gewöhnlicher Urlaub begann, endet für viele derzeit in einem logistisches Chaos. Flughäfen wie Dubai, Abu Dhabi oder Doha stellten ihren Betrieb teilweise komplett ein. Laut der Plattform »Flightradar24« wurden »mehr als 3.400 Flüge gestrichen«.

Screenshot: »Flightradar24«

Am Dubai International Airport spielte sich laut Augenzeugen ein Szenario ab, das eher an eine Evakuierung als an internationalen Reiseverkehr erinnerte. BILD berichtet von einem Chaos. »Gegenüber BILD erläutert ein deutscher Reisender« die vorherrschende Zustände:

„Am Dubai International Airport herrscht das blanke Chaos. Tausende Menschen versuchen, das Terminal zu verlassen. Es gibt keine Ausgänge, die Züge zwischen den Terminals sind defekt. Es gibt keine Ansagen, kein Personal.“

Selbst Kreuzfahrtschiffe wurden von der Krise eingeholt. Die »MSC Euribia« mit mehr als 6.000 Passagieren liegt ebenso fest wie die TUI-Schiffe »„Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“«, auf denen sich insgesamt über 5.000 Gäste befinden. Am Sonntagnachmittag »schlugen sogar Drohnen« in unmittelbarer Nähe der Kreuzfahrtschiffe ein, während Tausende Urlauber weiterhin an Bord ausharren mussten. In Dubai wurde zudem »das Luxushotel Fairmont The Palm beschädigt«. Bei einem Brand nach einem mutmaßlichen Treffer wurden nach Behördenangaben vier Menschen verletzt. Währenddessen berichten Reisende von Rauchwolken über der Stadt, zerstörten Strukturen am Flughafen und völliger Unklarheit über Rückflugmöglichkeiten. Nach Angaben des Tagesspiegels schilderte eine Reisende aus Hamburg, die aus Malaysia über Dubai nach Deutschland zurückkehren wollte, ihre Situation so:

„Die einzige Information bisher sei, dass es auch in den nächsten 24 Stunden nicht weitergehe.“

Genau in diesem Moment der Eskalation tritt Außenminister Johann Wadephul vor die Kameras und verkündet, dass die Bundesregierung nichts tun kann, außer sinngemäß zu wiederholen: Ihr habt ja gewusst, dass es gefährlich werden kann.

Der Staat informiert – mehr offenbar nicht

In der »ARD-Talksendung Caren Miosga«, der ersten Diskussionsrunde nach den amerikanisch-israelischen Angriffen, wird Johann Wadephul in einem aufgezeichneten Interview mit der Frage nach der möglichen Tötung von Ali Chamenei konfrontiert. Eine direkte Bewertung des Angriffs vermeidet der Minister. Zugleich beschreibt er Chamenei als zentrale Figur eines repressiven Systems und verweist auf dessen Rolle bei der Destabilisierung der Region sowie bei der Bedrohung westlicher Staaten. Er äußert:

„Dieser geistliche Führer ist auch jemand gewesen oder wesentlich jemand gewesen, der ein Regime angeführt hat, was ruchlos war, was die eigene Bevölkerung bekämpft hat, erschossen hat, gequält hat, gefoltert hat, in Gefängnisse geworfen hat, was die ganze Region in Unsicherheit gebracht hat, was Terrorbanden beschäftigt hat wie Hisbollah, wie Hamas, wie die Huthis, was auch uns in Deutschland gefährdet hat und was immer wieder auch das Ziel formuliert hat, den Staat Israel zu zerstören.“

Wadephul betonte zudem, das Ende sei „mit Sicherheit gut“. Während Wadephul den Sturz des Regimes beinahe philosophisch begrüßte, richtete sich das Thema auch unmittelbar auf die praktischen Konsequenzen für die eigenen Bürger. Wadephul ließ erkennen, dass eine schnelle Lösung derzeit unwahrscheinlich ist. Die Betroffenen würden täglich über die aktuelle Lage und mögliche Schritte informiert. Der Minister schob jede staatliche Verantwortung beiseite: Die Bundeswehr werde niemanden ausfliegen können, da die Lufträume geschlossen seien, sagte er am Sonntag »gegenüber der BILD«. Stattdessen verwies er auf die Reiseveranstalter und die „ausreichenden“ Warnungen des Auswärtigen Amts, die bereits seit über vier Wochen liefen. Auf Miosgas Nachfrage, ob die Reisenden nun selbst schuld seien, »antwortete er ohne Umschweife«:

„Wir machen das, was wir machen können. Wir versorgen sie tagtäglich mindestens einmal am Tag mit Informationen über das, was möglich ist in dieser Situation. Naja, in der Tat, es war nicht ganz unbekannt, dass das gefährlich werden könnte.“

Trotz der kritischen Lage zeigte sich Wadephul „ganzen guten Mutes“, dass in den nächsten Tagen viele Reisende nach Hause zurückkehren könnten, möglicherweise über den Landweg.

Nouripour kritisiert Regierung

Im Studio saß Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour, selbst in Teheran geboren und als 13-Jähriger geflohen, und konnte nur noch den Kopf schütteln. Der Grünen-Politiker, der die jahrzehntelange Unterdrückung im Iran aus eigener Anschauung kennt, widersprach Wadephul frontal und erinnerte an den Amtseid der Bundesregierung. Er machte klar, dass die Bundesregierung sich nicht hinter Reisewarnungen verstecken könne, wenn Tausende eigene Staatsbürger plötzlich in einer Krisenregion feststecken:

„Sie haben als Bundesregierung Eid geschworen, diesen Leuten auch in einer solchen Situation zu helfen. Und da hilft’s nichts, viermal zu sagen: ‚Ich hab‘ euch doch gewarnt, Pech gehabt.‘ […] Und da geht deutlich mehr als zu sagen: ‚Tut mir leid, wir haben euch gewarnt, wir gucken jetzt mal, wann es geht und wann es geht, wissen wir nicht, vielleicht in vier Wochen.‘“

Nouripour argumentierte zudem, dass die Organisation einer Ausreise über Land durchaus möglich sei, wenn der Staat diese aktiv koordiniere. Nouripour hielt es für absurd, dass Urlauber sich nun selbstständig Fahrzeuge organisieren und über mehrere Landesgrenzen hinweg versuchen sollten, einen funktionierenden Flughafen zu erreichen, und dass sich dabei deutsche und russische Touristen in Dubai darum prügelten, wer welches Auto mieten könne, um mit welchem Visum auch immer nach Riad zu gelangen. Seine Schlussfolgerung fiel entsprechend deutlich aus:

„Das ist staatliche Aufgabe.“

Er betont und erinnert daran, dass die Bundesregierung in der Vergangenheit genau solche Evakuierungen auf dem Landweg realisiert habe.

Willkommen in der Realität

Die bittere Wahrheit, die hinter den diplomatischen Floskeln und offiziellen Warnungen lauert, ist klar: Sobald es ernst wird, hören „Wir kümmern uns“ und „Wir informieren“ auf, irgendeine praktische Bedeutung zu haben. Deutsche Staatsbürger im Ausland stehen dann plötzlich wie Schachfiguren im Chaos von Flughäfen, abgesperrten Lufträumen und Raketenangriffen – ohne greifbare Hilfe, ohne Plan, ohne Rettung. Der Staat gibt sich moralisch korrekt, verteilt Informationen, hält Pressestunden, nickt freundlich und wendet sich ab. Wer auf die Idee vertraut, dass der Amtseid der Bundesregierung auch in einer echten Krise greift, erlebt schnell die Realität: Warnung ist kein Schutz, Information kein Rettungsplan und Optimismus kein Evakuierungsmechanismus.

Die Bundesregierung zeigt in dieser Krise ein Muster, das längst bekannt ist, indem sie Verantwortung abwälzt, Schuld subtil zurückweist und Betroffene mit eigenen Mitteln kämpfen lässt. Reisende werden zu Organisatoren ihres eigenen Schutzes degradiert. Die Praxis lautet: „Wir haben euch gewarnt, ihr seid selbst schuld.“ Das Fazit ist unverblümt, denn wer sich auf den deutschen Staat verlässt, wenn es wirklich gefährlich wird, wartet vergeblich.

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Janine Beicht

Janine Beicht ist gelernte Kommunikationsdesignerin, arbeitet aber seit 2020 im Gesundheits- und Sozialwesen. Als Aktivistin engagiert sie sich besonders auf dem Gebiet der Psychologie unter dem Aspekt der jeweiligen politischen Machtinteressen.

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