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Trumps Geoökonomie
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Theorie über die Geoökonomie des Donald Trump

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Trumps geoökonomische Strategie – ein Zeichen von Stärke oder ein verzweifelter Versuch, die Petrodollar-Hegemonie zu sichern?
Zusammengefasst

Ein Beitrag von Felix Feistel.

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Die Regierung Trump ist gerade einmal ein Jahr im Amt und scheint bereits die ganze Welt in Chaos gestürzt zu haben. Die USA und die EU entfremden sich zunehmend voneinander. Die Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro ruft Widerspruch vonseiten der internationalen Gemeinschaft, die Drohungen Trumps gegenüber Dänemark, Grönland den USA zu überlassen, stellen die NATO vor eine Zerreißprobe, von der unklar ist, ob die NATO sie übersteht. Trump hat Israel einen Krieg gegen den Iran führen und den Iran selbst bombardieren lassen. Gleichzeitig bemüht sich Trump darum, den Krieg in der Ukraine zu beenden und zieht die USA selbst aus diesem zurück. Die Regierung der USA wendet sich damit zunehmend gegen ehemaligen Verbündete, verschärft ihr Engagement in Regionen, in denen sie schon immer Interessen hatte, und ignoriert internationales Recht, das zuvor zumindest noch rhetorisch bemüht wurde.

Stärke oder Signal der Schwäche

Viele feiern dieses Vorgehen Trumps als Zeichen der Stärke, die nun einmal die Welt lenke. Nur, wer Stärke zur Schau stelle, der könne sich in der Welt behaupten. Es ist aber durchaus möglich, dass diese Zurschaustellung von Stärke eigentlich ein Signal der Schwäche eines untergehenden Imperiums darstellt. Was Trump derzeit versucht ist, in der Vergangenheit begangene Fehler schnell und mit Gewalt zu beheben. Fehler, die auch er in seiner ersten Amtszeit mitgetragen und begangen hat. 

Denn die versuchte Isolation Russlands nach dem Anschluss der Krim an Russland und während des Krieges im Donbass ab 2014 hat Russland nicht, wie erhofft, in den ökonomischen Ruin getrieben. Stattdessen hat Russland, insbesondere ab den verstärkten Sanktionen seitens des Westens ab 2022, seine Wirtschaft vollkommen neu strukturiert. Aus reiner Notwendigkeit hat Russland sich von westlicher Technik weitgehend unabhängig gemacht und große Sprünge in der Militärtechnologie hingelegt, mit denen Russland den Westen überflügelt hat. Zudem hat die Abkehr des Westens Russland näher an den eigentlichen, großen Rivalen der USA herangeführt: China. Das »Handelsvolumen zwischen China und Russland ist auf ein historisches Hoch geklettert«. In vielen Sektoren arbeiten Russland und China enger zusammen als jemals zuvor. Russland, ein großes Land, reich an Rohstoffen, und China, die Werkbank der Welt, stellen ein gutes Team dar, um den USA die Weltherrschaft streitig zu machen. 

Ebenfalls seit 2022 bauen insbesondere China und Russland das bereits seit vielen Jahren existierende BRICS-Bündnis verstärkt aus. Auch die anderen involvierten Staaten sahen aufgrund der Sanktionen durch den Westen die Notwendigkeit, sich vom Westen unabhängig zu machen. Die Sanktionen gegenüber Russland, die dieses Land unter anderem aus dem globalen Zahlungssystem ausgeschlossen haben, zeigten deutlich, wie die USA ihre Macht über das Handels- und Finanzsystem systematisch ausnutzen, um ihre Dominanz zu verteidigen. Dies hat die »BRICS dazu bewogen, alternative Zahlungssysteme aufzusetzen, sowie schrittweise aus dem US-Dollar auszutreten«. So vermeldete Russland etwa bereits 2024, dass 90 Prozent des Handels innerhalb des BRICS-Blocks ohne Umweg über den US-Dollar stattfindet.

Die Position Saudi-Arabiens

Der US-Dollar ist allerdings der zentrale Pfeiler der US-amerikanischen Macht. Nimmt der in dieser Währung getätigte Handel – insbesondere im Ölsektor – ab, dann könnte das zum Finanzkollaps der hoffnungslos überschuldeten USA führen. Das US-Dollarsystem basiert dabei auf einer Verabredung, welche die USA vor Jahrzehnten mit Saudi-Arabien getroffen haben. Diese besagt, dass Öl in Dollar gehandelt werden muss – was alle Importländer dazu zwingt, Devisen zu kaufen. Daher ist »Saudi-Arabien sowohl wichtig für die USA – als auch für BRICS«. Umso gefährlicher ist es für die USA, wenn Saudi-Arabien ein vollwertiges BRICS-Mitglied würde. Das ist bisher noch nicht der Fall – allerdings sind die vereinigten arabischen Emirate, die ebenfalls eine reiche Öl- und Gasnation sind, seit Kurzem Teil des Bündnisses. »Saudi-Arabien hat Interesse und wurde bereits 2023 eingeladen, Mitglied zu werden, jongliert aber derzeit noch seine diplomatischen Beziehungen zu den USA«. Es ist aber zu erwarten, dass der Beitritt zum Bündnis zur eine Frage der Zeit ist. Dieser Beitritt würde den USA den Todesstoß versetzen. 

Dies ist der Grund für das Vorgehen der USA gegenüber Venezuela einerseits und den Iran andererseits. Denn Venezuela ist ein Staat, der reich an Öl ist. Dieses Öl ist zwar für US-amerikanische Konzerne nur schwer zu erschließen – die Infrastruktur ist aufgrund jahrzehntelanger Sanktionen gegen das Land heruntergekommen, das Öl selbst ist zu sauer für US-amerikanische Raffinerien – doch es geht Trump nur sekundär um die direkte Nutzung des Öls. Wahrscheinlicher ist, dass der eigentliche Zweck der Absetzung Maduros und der Drohungen gegenüber der folgenden Regierung die Kontrolle über den Ölhandel darstellt. Venezuela ist zudem ein Öllieferant für China gewesen – wenn auch kein bedeutender – und sowohl China als auch Russland hatten in den vergangenen Jahren stark in Venezuela investiert. Die Trump-Regierung hat mit der Entführung Maduros China und Russland aus Venezuela verdrängt und damit auch von den Ölquellen des Landes abgeschnitten. Mit der Kontrolle über dieses Öl können die USA, selbst wenn sie Jahrzehnte brauchen, die venezolanischen Ölquellen zu erschließen, den Handel von Erdöl in Dollar absichern.

Die Rolle des Iran, Armeniens und Aserbaidschans

Dasselbe steckt hinter der Bemühung eines Umsturzes im Iran. Die ab Ende Dezember im Iran wütenden Proteste, die Berichten zufolge regional in gewaltsame Aufstände  umgeschlagen sind, trugen die Handschrift US-amerikanischer und israelischer Regime-change-Versuche. Zudem hat Donald Trump der Regierung des Iran gedroht, zu intervenieren. Drohungen, von deren Umsetzung er letztlich Abstand genommen hat, vermutlich, weil ein Angriff auf den Iran nicht so leicht umsetzbar wäre wie die Entführung Maduros. »Der Iran ist ein ebenfalls an Erdöl reicher Staat, der im Gegensatz zu Venezuela für die chinesische Wirtschaft tatsächlich relevant ist«. Es ist zu erwarten, dass die USA entweder einen erneuten Umsturzversuch vornehmen oder in einen direkten Krieg mit dem Iran treten werden. 

In der Region hat Trump schon zuvor Anstrengungen unternommen, indem er ein Rahmenabkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan vermittelt hat, das einen Rahmen für Friedensverhandlungen schafft. In diesem Zuge haben die beiden Staaten auch Energiepartnerschaften beschlossen, die letztlich darauf hinauslaufen, »die Energiesysteme beider Staaten zu vereinen«. Teil der Vereinbarung war auch die Entwicklung des Sangesur-Korridors durch ein US-geführtes Konsortium, das die »Entwicklungsrechte für diesen Korridor für 49 bis 99 Jahre erhält«, und dabei auch Öl- und Gaspipelines baut und kontrolliert. Aserbaidschan ist reich an Erdöl und -gas, hat langjährige Lieferverträge mit der EU und kann über den zu entwickelnden Trump-Korridor »seinen Export in die Türkei und durch diese in die EU enorm steigern«. Diese Ressourcen unterfallen damit in gewisser Weise auch der US-amerikanischen Kontrolle. Aserbaidschan und Armenien wurden durch dieses Vorgehen zugleich aus dem postsowjetischen Raum herausgebrochen, der bis dahin unter der Führung Russlands stand. Die Region ist für die Entwicklung des BRICS-Raumes von entscheidender Bedeutung, da beide Staaten Bindeglieder zwischen Russland und dem Iran darstellen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten und Russland haben sich in den vergangenen Jahren enorm abgekühlt. 

Freiwillige Abhängigkeit der EU von US-Energie

Die EU wiederum wurde schon unter Joe Biden von »US-amerikanischen LNG- und Ölimporten abhängig gemacht«. Die Sanktionen gegenüber Russland, welche die EU eingeführt hat, spielen hier ebenso eine Rolle wie die Sprengung der North-Stream-Pipelines, die wahrscheinlich nie repariert werden. Billiges Gas und Ölimporte aus Russland wurden durch teures US-Frackinggas ersetzt. Auch auf den Weltmeeren kapert das US-Militär mittlerweile Tanker, selbst, wenn sie unter russischer Fahne fahren. Zusätzlich hat Trump die EU mit hohen Zöllen dazu gezwungen, gewisse Kontingete an Energie in Höhe von 750 Milliarden US-Dollar zu importieren und »zusätzliche 600 Milliarden US-Dollar in die USA zu investieren«.

Grönlands strategische Rolle

Auch die angedrohte Eroberung oder der angebotene Kauf Grönlands spielt eine strategische Rolle. Trump ist hier keineswegs dem Wahn verfallen, sondern versucht, China und Russland zurückzudrängen. Dabei geht es nicht so sehr um strategische Ressourcen, die es in Grönland zwar gibt, die aber nur sehr schwierig zu extrahieren sind. Hintergrund ist die »Nord-West-Passage«, die um Russland herum durch die Arktis führt – und daher auch an Grönland vorbei. Diese von Russlands Atom-Eisbrechern von Eis frei gehaltene Passage bietet China eine Handelsroute, die weder durch das rote Meer und den Suez-Kanal noch um Afrika herum führen muss. Sie verkürzt die Handelswege Chinas nach Europa und in andere Regionen drastisch und umgeht dabei die Risiken, welche der Handel durch das Rote Meer mit sich bringt. Hier haben die vom Iran unterstützten Houthis gezeigt, dass dieser Weg sehr schnell und einfach geschlossen werden kann, mit der Folge, dass ganze Häfen in den Konkurs getrieben wurden und die Handelsschiffe riesige Umwege nehmen mussten. Diese Nord-West-Passage will Donald Trump kontrollieren, um die Kontrolle über den Welthandel nicht zu verlieren. Die Kontrolle über die Ressourcen auf Grönland ermöglichen zudem den Ausschluss Russlands und Chinas von ihnen. Ähnlich wie in Venezuela geht es lediglich um den Besitz, nicht so sehr um die Nutzbarmachung. Denn je größer der Anteil der USA an der Kontrolle der Rohstoffe ist, desto größer ist der Hebel, die Bedingungen des Welthandels zu bestimmen. 

Dass darüber die NATO zerbrechen könnte ist für Trump Nebensache. In der im November 2025 veröffentlichen Sicherheitsstrategie hat die Trump-Administration deutlich gemacht, dass sie Europa nicht mehr als verlässlichen Partner betrachtet. Die NATO könne, so heißt es, in Zukunft mehr nicht-europäische als europäische Staaten beinhalten. »Dabei geht es vor allem um Südostasien«, das die USA gegen China in Stellung bringen wollen – um Stellvertreterkriege gegen den großen Rivalen zu führen. Gleichzeitig wird die EU weiter in einen Stellvertreterkrieg gegen Russland getrieben. 

Kontrolle über syrisches Öl

Hier fügt sich auch die Rückeroberung Nordsyriens durch die syrische Armee ein. Von einem großen Teil der Presse unbemerkt hat die syrische Armee seit Mitte Januar systematisch die von den kurdisch geführten syrisch-demokratischen Kräften kontrollierten Gebiete Syriens wieder in Beschlag genommen. Die Übernahme erfolgte dabei durch eine Mischung aus Verhandlungen, Waffenstillstands- und Rückzugsabkommen und militärischer Gewalt. Die SDF hatten die Region zehn Jahre lang kontrolliert – und damit einen großen Teil der syrischen Ölfelder. Dabei agierten sie aber nicht unabhängig, sondern wurden von den USA geschützt und gestützt. Über die Kurden haben die USA sich also den Zugriff auf das syrische Öl gesichert. Das ist nun nicht länger notwendig. Denn mit der Flucht des ehemaligen Präsidenten Baschar al Assad und der Machtübernahme durch die Terrormiliz HTS hat ein sich den Interessen der USA unterwerfender Machthaber die Kontrolle über das Land übernommen – und damit Syrien als wichtigen Faktor in der Region zugunsten der USA gewendet. Bis heute »kontrollieren NATO/US-Truppen zudem einen Teil des Landes«. Die USA sichern sich also auch hier die Kontrolle über die Bodenschätze und damit den Handel in US-Dollar.

Die Friedensverhandlungen Trumps mit der russischen Regierung sind wahrscheinlich getrieben von dem Versuch, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben und damit Russland wieder in Richtung Westen zu ziehen, denn hier winken nach wie vor Absatzmärkte. Dadurch soll die enge Beziehung zu China sabotiert werden, die auf beiden Seiten auch eine gewisse Abhängigkeit geschaffen hat. Trump versucht, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland wieder aufzubauen, um auch hier auf den Ressourcenhandel einzuwirken und einen Umsatz in US-Dollar zu sichern. Denn Russland als einer der größten Rohstoffmächte kann bislang vom Westen nicht kontrolliert werden – auch, wenn er es seit Jahrzehnten versucht. Handelt Russland mit anderen BRICS-Partnern in lokalen Währungen schwächt das den US-Dollar und damit die US-amerikanische Vorherrschaft. Die seit Jahren verhängten Sanktionen haben daran nichts geändert, sondern den Trend eher verstärkt. 

Ob all dieses teils drastische Vorgehen jedoch letztlich das US-amerikanische Imperium retten wird, ist mehr als fraglich. Die einmal begonnenen Entwicklungen können kaum rückabgewickelt werden. Die Sanktionen gegen Russland, die das Land schlagartig aus dem globalen Finanzsystem ausgeschlossen haben, zeigen den einzelnen Staat auf der Welt, dass sie Alternativen brauchen. Diese finden sie in BRICS. Nicht umsonst ist das Interesse an diesem Bündnis schlagartig gewachsen und sogar handfeste Verbündete des Westens sind interessiert an einem Beitritt. Die Entwicklungen alternativer Zahlungssysteme, einer BRICS-Währung, und des Handels in nationalen Währungen ist bereits zu weit vorangeschritten, die Vorteile sind zu offensichtlich, als dass die beteiligten Staaten all das wieder zurückdrehen werden. Der Versuch, die internationale Ordnung umzugestalten, ist ein Versuch des US-Imperiums, seinen Niedergang aufzuhalten. Und selbst wenn es ihn verzögern kann, so scheint es doch unwahrscheinlich, ihn vollkommen aufzuhalten. 

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Felix Feistel, Jahrgang 1992, studierte Rechtswissenschaften mit dem Schwerpunkt Völker- und Europarecht. Schon während seines Studiums war er als Journalist tätig; seit seinem Staatsexamen arbeitet er hauptberuflich als freier Journalist und Autor. So schreibt er für »manova.news«, »apolut.net«, die »freie-medienakademie« sowie auf seinem eigenen Telegram-Kanal. Eine Ausbildung zum Traumatherapeuten nach der Identitätsorientierten Psychotraumatheorie und -therapie (IoPT) erweiterte sein Verständnis von den Hintergründen der Geschehnisse auf der Welt.

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