Haintz.Media

Bild:
Machtspiele um Grönland
Quelle:
KI-generiert

Eskalation um Grönland

Bild:
Quelle:

Beitrag teilen:

Mehr aus der Kategorie:

Kennedy vs
Renee Nicole Good von Einwanderungsbehörde ICE im Auto erschossen
Lockdown-Kritiker verhaftet
Ein übergriffiger US-Präsident, eine „PUNKT“-Aussage und eine dunkle Vergangenheit rücken Grönland als Spielball globaler Machtinteressen in den Fokus.
Zusammengefasst

Bereits im Mai 2025 streckte Trump seine Finger nach Grönland aus, Haintz.media berichtete über die Hintergründe, Reaktionen und Situation der Insel, auf der erstaunlich viele ausländischen Interessen schon mitmischen.

Bei der komplexen Thematik um Grönland spielen der Expansionsdrang Trumps, die Rohstoffvorräte der Insel, die militärstrategische Bedeutung der Lage, v. a. durch die „GIUK-Lücke“, aber auch die Frage der Unabhängigkeit Grönlands eine Rolle. Weiterlesen auf Haintz.media
____________________________________________________________________________

Im Januar 2026 griff Trump das Thema erneut auf und äußerte: „Wir brauchen Grönland aus Sicht der nationalen Sicherheit. Es ist strategisch so wichtig. Gerade jetzt ist Grönland überall voller russischer und chinesischer Schiffe. Wir brauchen Grönland aus Sicht der nationalen Sicherheit. Und Dänemark wird das nicht leisten können, das kann ich Ihnen sagen.“

Die USA sprachen bereits von militärischen Optionen zur Durchsetzung ihres erklärten Zieles, Grönland unter ihre Kontrolle zu bekommen. Es werden aber auch Optionen ohne einen Einsatz des Militärs diskutiert. So sickerte durch, dass das Weiße Haus intern über Zahlungen an die Einwohner Grönlands nachdächten, und zwar zwischen »10 000 und 100 000 Dollar pro Person«, um sie dazu zu bewegen, sich von Dänemark loszusagen und unter den Schutz der USA zu stellen. Auf diese Weise wäre es gar nicht so teuer, die größte Insel der Welt mit knapp 56 000 Einwohnern zu „kaufen“. Diskutiert wird auch ein »Compact of free Association (Vertrag der freien Vereinigung)«, Dabei übernehmen die USA die Verteidigung und Sicherheit der Partnerländer, in diesem Fall eines dann selbständigen Grönlands, deren Bürger finanzielle Unterstützung und teilweise US-Bundesleistungen erhalten. Vielleicht blufft Trump nur oder pokert hoch. Grönland ist und bleibt ein strategischer Schlüssel im Atlantik zwischen den USA und Europa, Wer Grönland kontrolliert, kontrolliert den Zugang zur Arktis und Europa. Ob es zu militärischen Übergriffen durch die USA kommen wird oder die Dänen zu Zugeständnissen an die USA hinsichtlich militärischer Präsenz oder auch in Form von Schürfrechten bereit sind, wird die Zeit zeigen. Dass Indien und Kanada bereits deswegen in Verhandlungen waren und China bereits an einer Zinkmine im Zitronenfjord beteiligt ist, wurde »bereits berichtet«. Fakt ist, dass das Säbelrasseln um die Region zunimmt und dass Trumps Drohungen auch ein Warnsignal an die NATO sind. 

NATO-Staat bedroht NATO-Staat?

Die Regierungschefs Macron, Merz, Meloni, Tusk, Sánchez, Starker und Frederiksen gaben ein »gemeinsames Statement« heraus, dass die Sicherheit in der Arktis kollektiv gewährleistet werden müsse und sie Dänemark und Grönlands Souveränität unterstützten. „Grönland gehört seinem Volk“, heißt es, „Es liegt an Dänemark und Grönland, und nur an ihnen, über die Angelegenheiten von Dänemark und Grönland zu entscheiden.“

Dänemarks Regierungschefin warnte in einem Interview mit dem dänischen Sender TV2: „Wenn die Vereinigten Staaten sich entscheiden, ein anderes NATO-Land militärisch anzugreifen, dann hört alles auf. Das schließt auch unsere NATO ein und die Sicherheit, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestanden hat.“ 

Wenn NATO-Länder, also Bündnispartner, nicht mehr auf einer Vertrauensbasis miteinander umgehen, sondern einander offen drohen, brauchen sie vielleicht keine äußeren Feinde, sondern die Gefahr kommt von innen. Ex-Umweltminister der Grünen Jürgen Trittin stellt schon die Forderung nach deutscher Beteiligung an Militärmanövern in Grönland auf, zur Abschreckung und um »„Gegendruck“« zu erzeugen. Es ist fraglich, von welchem „Gegendruck“ Trittin da inhaltlich redet, denn ohne die USA, ihre Abschreckungswaffen, Aufklärungstechnik, Logistik und Waffen steht Deutschland doch eher halbnackt da.

Das Netz hat zwei kreative Lösungen, wie Trump Grönland leicht gewinnen oder aber Dänemarks Ingenieure die Insel auf geniale, typisch dänische Weise sichern können:

„Grönland gehört den Grönländern. Punkt!“

Die Politikerin der LINKEN Özlem Demirel postete diesen Satz als Reaktion darauf, dass Trump die Insel ins Visier genommen hatte. Was die LINKEN-Politikerin da äußert, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit und gilt für alle Länder der Erde: Grönland gehört den Grönländern, Belgien gehört den Belgiern, China gehört den Chinesen, Deutschland gehört den Deutschen, Brasilien gehört den Brasilianern oder – ganz aktuell – Venezuela gehört den Venezolanern. 

Demirel verdeutlicht „Grönland gehört den Grönländern. PUNKT! – nicht Donald Trump, nicht der EU oder sonst irgendwem. Nur die Menschen in Grönland müssen frei über ihre Zukunft sowie selbstbestimmt über die Ressourcen und Reichtümer des Landes entscheiden können.“

»Özlem Demirel / Instagram«

Das entspricht auch der Antwort, die alle fünf grönländischen Parteien, ungeachtet ihrer sonstigen politischen Differenzen getätigt haben. In einer gemeinsamen Erklärung äußerten sie: 

„Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollten keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein.“

»KNR«

Einer kleiner Schelm im Ohr flüstert allerdings: Moment mal, ich höre immer Grönland und Dänemark. Welche Ansprüche hat Dänemark, über Grönland zu entscheiden, und warum kann das Land nicht eigenständig agieren? 

Die dunkle dänische Vergangenheit in Grönland

Knapp gesagt wurde Grönland im 18. Jahrhundert durch missionarische Tätigkeiten und wirtschaftliche Handelstätigkeiten (v. a. Mineralien und Walfang) von Dänemark kontrolliert und wurde 1814 im Zuge der Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen im zwischen Dänemark, Schweden und dem Vereinten Königreich geschlossenen »Kieler Frieden« Dänemark unterstellt. Ein Mitspracherecht hatte die usurpierte einheimische Inuitbevölkerung ihrer Insel „Kalaallit Nunaat“ (Land der Menschen) nicht. Während des Zweiten Weltkrieges, als Dänemark von der deutschen Wehrmacht besetzt war, diente die Insel US-Basen als »militärischer Stützpunkt«, der verhinderte, dass das deutsche Militär sich dorthin ausbreitete. 

Im Jahre 1953 beendete Dänemark gemäß den UN-Dekolonisierungsregelungen offiziell den Kolonialstatus, gliederte Grönland, dessen Bodenschatzpotenzial es schon erkannt hatte, aber als Provinz in den dänischen Staat ein, um eine Unabhängigkeit Grönlands zu verhindern. Im weiteren Verlauf konnte Dänemark aber nicht verhindern, dass Grönland weitere Autonomierechte erlangte. Dass nur eine »Minderheit der Bevölkerung« überhaupt Dänisch versteht oder spricht und Dänisch immer noch die beherrschende Sprache im Verwaltungs- und Rechtsbereich ist, ruft zusehends die Forderung der Einheimischen nach weiterer Autonomie hervor. Bereits in seiner »Neujahrsrede 2025« hatte der damalige Premierminister, Múte B. Egede, gefordert, dass sein Land die „Ketten der Kolonialzeit“ ablege und völlige Unabhängigkeit erlange. 

Skandale gegenüber den Inuit

Die dunkelsten Seiten der jahrhundertelangen kulturellen Unterdrückung und wirtschaftlicher Ausbeutung Grönlands und seiner Einwohner durch Dänemark kommen erst nach und nach ans Licht, beschleunigt durch die Unabhängigkeitsdebatte, die Trump losgetreten hat. Da gab es beispielsweise das »Little Danes-Experiment« aus dem Jahr 1951. 22 junge grönländische Kinder wurden nach Dänemark zu Adoptiveltern gegeben, um sie zu „Dänen“ umzuerziehen. Das Grönländische galt als unterentwickelt und sollte durch dänische Kultur ersetzt werden. Diese ausgewählten Kinder sollten die „neue Elite“ der Grönländer bilden. 16 dieser Kinder kehrten nach Grönland zurück, lebten aber nicht wieder in ihren Familien, sprachen auch ihre Muttersprache nicht mehr. Die Hälfte dieser Kinder litten an psychischen Störungen, die andere Hälfte starb früh. Auch in den 1960er und 1970er Jahren wurden Kinder für eine Zeitlang nach Dänemark gegeben, um die Sprache und die Kultur des „Besetzerlandes“ kennenzulernen. Inzwischen hat sich Dänemark für dieses „schwarze Kapitel“ der Kolonialzeit entschuldigt. 

Auch der »„Spiralenskandal“« zeigt ein düsteres Bild, wie der Staat Dänemark das Gesundheitswesen in Grönland verwaltete, für das es bis 1992 verantwortlich war. Zwischen 1960 und 1991 wurde grönländischen Mädchen ohne ihr Wissen oder Einverständnis die Spirale zur Verhütung eingesetzt, was zu Unfruchtbarkeit und Traumata führte. Die grönländische Politikerin Mimi Karlsen nannte diese Praxis einen »„Völkermord an der Bevölkerung“«. Mette Frederiksen »entschuldigte sich 2025« im Namen des dänischen Staates und versprach finanzielle Wiedergutmachung, wobei Geld so einen Schaden natürlich nicht aufwiegen kann.

Trumps Griff nach Grönland ändert Dänemarks Auftreten

Seit Trump im Mai 2025 sein Interesse an Grönland verkündete bzw. seinen kompromisslosen Übernahmewillen, erfolgte nicht nur diese genannte Aufarbeitung und Wiedergutmachung an der grönländischen Bevölkerung. Auch eine weitere menschenverachtende Praxis efuhr eine Revision. »Menschenrechtsorganisationen kritisieren« seit langem, dass Dänemark völlig ungeeignete psychometrische Test anwendet und reihenweise grönländischen Familien ihre Kinder wegnimmt und ins dänische Pflegesystem übergibt, da die Testkriterien nicht mit der grönländischen Kultur vereinbar sind. Nach dem spektakulären Fall einer jungen Inuitmutter, der ihr Neugeborenes zwei Stunden nach der Geburt weggenommen wurde, weil sie bei dem „Elternkompetenztest“ als ungeeignet eingestuft wurde, versprach die dänische Ministerin für Soziales 2024, über die Anwendung des Testes nachzudenken. Ausgelöst durch das Interesse der USA wurden diese Tests inzwischen ausgesetzt. Die grönländische Filmemacherin Aka Hansen, die gegen diese Tests und die kolonialen Machtstrukturen protestiert, die ihr Volk diskriminieren, führt die Erfolge direkt auf das Licht zurück, dass die USA auf die Situation Grönlands geworfen haben: 

„Es ist eine große Überraschung für uns, dass sie ganz plötzlich in der Lage sind, Änderungen an diesem Gesetz vorzunehmen. Das ist lange überfällig und wir müssen sicherstellen, dass jeder einzelne Fall durch ein Inuitteam neu bewertet wird, um sicherzustellen, dass unsere Kinder eine faire Chance erhalten.“

»Aka Hansen / The Guardian« 

Sie zweifelte daran, dass diese Änderungen überhaupt geschehen wären, wenn nicht Trump Jr. der Insel einen Besuch abgestattet hätte: „Ich fürchte, es wäre nichts passiert, wenn er nicht hier gewesen wäre.“ 

Hat Trump schon mal etwas vom Völkerrecht gehört?

Angesichts der aggressiven Rhetorik Trumps gegenüber Grönland fragt man sich, ob Trump von Völkerrecht und Gleichrangigkeit von Staaten oder von Verhandlungen je gehört hat. Diktatorgleich will er sich die Insel nehmen, auf die „einfache“ oder die „schwierige“ Tour:

„An wieviel Geld denken Sie, dass sie den Menschen in Grönland geben wollen, um sie für eine US-Übernahme zu gewinnen?“ „Ich spreche nich nicht über Geld für Grönland. Vielleicht werde ich darüber sprechen, aber im Moment werden wir etwas mit Grönland unternehmen, ob sie es mögen oder nicht. Denn wenn wir es nicht tun, werden Russland oder China Grönland übernehmen und wir werden Russland oder China nicht als Nachbarn dulden. I würde gerne eine Vereinbarung machen wissen Sie, auf die einfache Art. [And I´m a ma …] Übrigens bin ich auch ein Fan von Dänemark, das muss ich ihnen sagen. Und ich, wissen Sie, sie waren sehr nett zu mir. Ich bin ein großer Fan. Aber wissen Sie, die Tatsache, dass sie vor 500 Jahren mit einem Boot dort gelandet waren, bedeutet nicht, dass sie das Land besitzen. Ich bin sicher, dass auch von uns viele Boote dort waren. Aber wir brauchen es, denn wenn Sie sich mal jetzt um Grönland herum umsehen, sind da russische Zerstörer. Da sind chinesische Zerstörer und noch größere. Überall sind russische U-Boote. Wir werden nicht dulden, dass Russland oder China Grönland besetzen. Und das werden sie tun, wenn wir es nicht tun. Also werden wir etwas mit Grönland unternehmen, entweder auf die nette Tour oder auf die schwierigere Art und Weise.“

»ABC News«

Zusammengefasst erstaunt es weltpolitisch immer wieder, wie doppelte Standards und unterschiedliche Bewertungen angewendet werden, je nachdem, wer eine Aktion durchführt, wer einen „Völkerrechtsbruch“ begeht und wer andere bedroht. Wie schon im Mai ausgeführt, verhält sich Trump weltpolitisch und diplomatisch wie ein „Trump-eltier“ im Selbstbedienungsladen und missachtet die Souveränität Grönlands mit seinen Äußerungen wie »„We need it, we need Greenland very badly“«. Gleichzeitig wirken offizielle Statements westlicher Regierungschefs, dass es nur an Dänemark und Grönland liege, über Grönland zu entscheiden doch auch entlarvend, und man kann nur wünschen, dass Grönland wirklich die Fesseln abwirft und gänzlich selbstbestimmt agieren kann. Ansonsten steuern wir auf eine Welt zu, in der das Selbstbestimmungsrecht der Völker keinen Pfifferling mehr Wert ist, wenn die „großen Player“ die Welt wie mafiöse Kartelle unter sich aufteilen.

Beitrag teilen:

Unterstützen Sie uns!

Helfen Sie mit, freien Journalismus zu erhalten

5

10

25

50

No posts found
Picture of Redaktion

Redaktion

Redaktionelle Beiträge aller Art z.B. von Agenturen, Lesern oder anderweitigen Quellen außerhalb unserer Redaktion, markieren wir entsprechend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

No posts found

Buch-Empfehlung

photo_2023-10-18_14-40-13