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Friedrich Merz am Tisch mit Bürgerinnen und Bürgern
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RTL-Debakel: Friedrich Merz verhöhnt die Bürger-Not!

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Doppelmoral in der Politik
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Sven Hüber
Das TV-Aufeinandertreffen konfrontierte die Bundesregierung unbarmherzig mit der bitteren Lebenspraxis in Deutschland. Doch der Kanzler stempelt berechtigte Zukunftssorgen stur als überzogenes Gejammer ab.
Zusammengefasst

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Der Tisch ist gedeckt, die Kameras laufen, und Friedrich Merz sitzt da, als habe er den Auftrag, die Wirklichkeit zu korrigieren, statt sie zur Kenntnis zu nehmen. Vier Menschen, die in diesem Land arbeiten, Kinder großziehen, Unternehmen führen und Kranke behandeln, legen ihm ihre Lebenswirklichkeit vor. Er antwortet mit dem Ton eines Mannes, der die eigene Bilanz bereits für abgeschlossen hält. Die Frustration der Gäste ist kein Missverständnis, sie ist die direkte Folge seiner Politik. Merz flüchtet in Selbstbestätigung, belehrt die Betroffenen und erklärt ihre Sorgen für überzogen. Das ist keine Kommunikation, das ist die Weigerung, das eigene Scheitern auch nur in Betracht zu ziehen.

Wo Verzweiflung auf Technokratenkälte trifft

Der Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz im Bürger-Format bei RTL lieferte das deprimierende Schulbeispiel einer Exekutive, die sich jede Fähigkeit zur Selbstreflexion längst abgewöhnt hat. Wer geglaubt hatte, das Aufeinandertreffen mit Menschen aus der Existenzpraxis würde den Regierungschef zu einem Funken Demut, Einsicht oder echter Empathie bewegen, sah sich binnen weniger Minuten eines Besseren belehrt. Merz begegnete den Bürgerinnen und Bürgern keineswegs als aufmerksamer Zuhörer, sondern als starrer Lehrmeister, der berechtigte Verzweiflung stur als unbegründetes Gejammer entwertete.

Quelle: »RTL Aktuell | YouTube« Friedrich Merz am Tisch mit Bürgerinnen und Bürgern

Wo reale Not, systematisches Versagen und Existenzängste geschildert wurden, da antwortete der Kanzler mit der gewohnten Technokratenkälte, verschanzte sich hinter bürokratischen Ausflüchten und zementierte die erschreckende Entfremdung zwischen der politischen Führung und der Lebensrealität des Landes. Bereits in den ersten Minuten des Abends zeichnete sich das Muster dieser Kanzlerschaft ab, als Merz angesichts der sogenannten drohenden Gefahr hybrider Kriegführung und Sabotageakte auf deutscher Infrastruktur eine sterile Abgeklärtheit zur Schau stellte.

„Wir teilen sie in dem Augenblick, wo wir die Erkenntnisse auch abgeschlossen haben.“

Diese sterile Abgeklärtheit sollte von den hausgemachten Problemen im Inneren ablenken.

Die systematische Abwehr jeder Einsicht

Oliver Bernt kommt nicht als Querulant, sondern als ehemaliger Unionswähler, der sich und seine Frau von der Familienpolitik dieser Regierung enttäuscht sieht. Er spricht von vier Euro mehr Kindergeld, von der drohenden Kürzung des Elterngeldes, von fehlenden Kitaplätzen und einem Bildungssystem, das Familien im Alltag im Stich lässt.

„Familie ist natürlich für mich als Familienvater unglaublich wichtig. Wir haben uns auch sehr auf einen Bundeskanzler Friedrich Merz gefreut. Mittlerweile sind wir sehr, sehr enttäuscht. Was wir wirklich sehr erschreckend finden, ist, dass das Elterngeld gekürzt werden soll. Man fragt sich manchmal, in welcher Welt lebt diese Bundesregierung eigentlich? Mir fällt auf, dass viele junge Erwachsene wirklich Zukunftsängste und Zukunftssorgen haben. Viele junge Menschen haben auch nicht das Gefühl, dass eine Politik in diesem Land für sie gemacht wird. Als dreifacher Familienvater frage ich mich: Warum kommen wir Familien in Ihrer Politik nicht vor und warum lassen Sie uns mit unseren Problemen alleine?“

Merz findet das alles ein bisschen zu hart und zählt auf, was die Koalition angeblich leistet. Er kündigt weitere Anhebungen von Kindergeld und Freibetrag an, spricht von begrenzten Haushaltsspielräumen und davon, dass der Bund nicht alles allein könne.

„Ich finde, Ihre Kritik ist ein bisschen zu hart. Wir tun nach wie vor viel für die Familien. Beim Elterngeld werden wir wahrscheinlich eine Veränderung vornehmen. Das ist richtig, aber wir werden es nicht abschaffen, sondern wir werden es etwas reduzieren im Zeitablauf. Aber wir wollen nach wie vor für die Familien viel tun. Kann der Bund auch gar nicht alles allein. Da müssen wir die Länder und die Städte und Gemeinden mit im Boot haben. Also, wir strengen uns da schon sehr an.“

Die Priorität, so macht er unmissverständlich klar, liegt bei Frieden und Freiheit, nicht bei den konkreten Nöten der Familien, die jetzt leben und jetzt zahlen. Als Bernt darauf besteht, dass Kinder nicht bloß Kostenfaktoren sind, weicht Merz auf den Krieg in der Ukraine und Handelskonflikte aus. Er sagt:

„Also, wenn Sie das Gefühl haben, dann bedauere ich das. Meine persönliche Einschätzung ist eine ganz andere. In einem Land in Freiheit zu leben und in einem Land in Frieden zu leben ist auch ein Wert auch für unsere Kinder. So. Und das ist meine Priorität dafür zu sorgen, dass wir in Frieden und in Freiheit leben können.“

Die Klage, Familien kämen in dieser Politik nicht vor, wird nicht entkräftet, sie wird für übertriebene Sorge erklärt. Merz überprüft regelmäßig seine Politik, wie er sagt, und kommt jedes Mal zu dem Schluss, dass sie im Kern richtig sei. Die Einsicht, dass genau diese Politik die eigenen Kernwähler verprellt, findet in seinem System keinen Platz.

Das Eigenlob als Ersatz für Wirklichkeit

Während die Gäste von Zukunftsängsten junger Erwachsener, von arbeitenden Müttern in Teilzeit, denen Faulheit unterstellt wird, und von einem Gesundheitssystem sprechen, das an den Schwächsten spart, verfällt Merz in den Modus des selbstgefälligen Rechenschaftsberichts. Er beschreibt ein kleines Wachstum im dritten Quartal und einen Gründungsboom bei Start-ups, als seien das Antworten auf die Frage, warum Mütter ihre Kinder mit neun Monaten in die Krippe geben sollen.

„Ich habe nichts versprochen. Ich habe nur beschrieben, was im Augenblick besser wird. Und es wird besser. Wir sehen es, dass es besser wird. Doch ein Versprechen zu sagen, das wird, also die Beschreibung des Zustandes, dass es besser wird, ist kein Versprechen, eine Beschreibung. Wir haben im dritten Quartal infolge ein kleines Wachstum unserer Volkswirtschaft. Wir erleben einen Gründungsboom bei den Startup Unternehmen. Junge Menschen in unserem Land gründen Unternehmen, wie wir das in diesem Umfang noch nie gesehen haben. Das beschreibe ich. Das ist doch keine Versprechen, seine Beschreibung der Wirklichkeit. So, und ich hoffe, dass wir das sozusagen als Fundament nehmen können auch für weitere gute Entwicklungen, und dafür müssen wir, wollen wir in der Politik unseren Beitrag leisten.“

Auch die lächerliche Entlastung von bis zu 600 Euro im Jahr durch eine Steuerreform wird von Merz als großes Geschenk präsentiert, während gleichzeitig bei Hilfsmitteln, Vorsorge und Kindermedizin gekürzt wird und die Kosten an anderer Stelle die vermeintlichen Einsparungen am Ende noch übersteigen. Die Bürger dürfen also mit einer Hand ein paar Euro entgegennehmen, während ihnen der Staat mit der anderen Hand ein Vielfaches wieder aus der Tasche zieht.

Merz kennt die Zahlen, wie er betont, und kann sich angeblich in die Lage der Familien versetzen. Die Versetzung bleibt rhetorisch. Die Sozialversicherungsbeiträge von über vierzig Prozent des Lohnes werden als Warnung vor zu hohen Kosten angeführt, nicht als Beleg dafür, dass die Lasten ungerecht verteilt sind. Das Eigenlob ersetzt die Auseinandersetzung mit dem, was die Menschen am Tisch tatsächlich täglich erleben.

Die Gereiztheit, wenn die Fassade bröckelt

Sobald die Kritik die persönliche Ebene erreicht, wird Merz scharf und ungehalten. Dr. Bea Merscher, Kinderärztin und alleinerziehende Mutter, wirft ihm vor, den Amtseid zu brechen und menschenverachtende Gesetze zu erlassen.

„Es ist Punkt 12, der Laden, und damit meine ich unser Gesundheitssystem, brennt lichterloh. Sehr geehrter Herr Merz, warum brechen Sie Ihren Amtseid, den Nutzen des Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden, und erlassen solche menschenverachtenden, zerstörerischen Gesetze wie das GKV-Spargesetz?“

Merz reagiert darauf nicht etwa mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung über die Vorwürfe, sondern zunächst mit einer deutlichen Zurückweisung der Wortwahl. Er markiert die Äußerung als Grenzüberschreitung und verschiebt damit den Schwerpunkt der Diskussion von der Kritik an der Gesundheitspolitik auf die Frage, wie scharf Bürgerinnen und Bürger die Regierung kritisieren dürfen. Erst danach erklärt er, worin er die eigentliche Unterstellung sieht: nicht bloß in der Ablehnung seiner Reform, sondern in dem Vorwurf, die Bundesregierung betreibe die Zerstörung des Gesundheitssystems vorsätzlich.

„Also, es geht um die Gesundheitsreform, und die Wortwahl ist schon harter Tobak. Menschenverachtende Gesetze, Amtseid gebrochen. Was sagen Sie da? Ja, ich finde das ehrlich gesagt, das geht jetzt ein bisschen über das normale Maß der Kritik hinaus. Also, Sie können ja sagen, Sie sind mit dem nicht einverstanden, was wir machen. Okay, aber Sie unterstellen uns ja eine gezielte, vorsätzliche Zerstörung unseres Gesundheitssystems.“

Die Ärztin beschreibt budgetierte Kindermedizin, reduzierte Hilfsmittel und ein Spargesetz, das die Schwächsten trifft, während Schloss Bellevue renoviert wird. Merz rechnet vor, die Budgets seien in zehn Jahren um vierzig Prozent gestiegen, das Gesundheitssystem koste über fünfhundert Milliarden Euro, und alle Beteiligten, einschließlich der Pharmaindustrie, seien herangezogen worden. Die Versicherten träfen die Kürzungen nicht allein. Die Petition gegen die Krankschreibung ab dem ersten Tag mit Hunderttausenden Unterschriften erklärt er damit, dass lediglich der Zustand vor der Corona-Zeit wiederhergestellt werde.

„Wir machen mit der Krankschreibung das, was bis 2021 galt, und da hat von Ihnen auch keine Petition gegeben. Wir machen das wieder, wir setzen das wieder in Kraft, was wir während der Coronazeit außer Kraft gesetzt haben. Da geht es um die telefonische Krankschreibung, die es ja gab und die wieder abgeschafft wird. Und wir werden ein Gesetz machen, von dem Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Gewerkschaften und Sozialverbände abweichen können, wenn sie das mit ihren Beschäftigten vereinbaren. So, wir stellen den Zustand wieder her, den wir bis 2020 hatten. Das ist alles. Und darüber beschweren Sie sich jetzt. Das wundert mich ehrlich gesagt da ein bisschen.“

Dass Menschen sich eher krank zur Arbeit schleppen, als zu simulieren, gilt ihm nicht. Die Gereiztheit steigt, je näher die Gäste der Behauptung kommen, dieser Kanzler spare an der Zukunft, während er die eigene Unfehlbarkeit verteidigt.

Die Arroganz, die das Land jetzt kennt

Matthias Kappis, Unternehmer und einst begeistert von der Innovationskraft des jungen Merz, fragt nach dem Bierdeckel und den großen Ideen, die die Wirtschaft voranbringen sollten. Merz erklärt, die Idee stehe im Museum, und verweist auf Koalitionspartner, Länder und Kommunen, die eine grundlegende Steuervereinfachung unmöglich machten.

„Die Frage nach dem Bierdeckel kann ich zumindest kurz beantworten. Da geht es ja um die ganz einfache Steuerreform. Dort sehen Sie ihn, der ist im Museum mittlerweile, oder schon länger im Bonn im Haus der Geschichte, wer ihn mal sehen will. Nein, ich habe das ja eben schon gesagt. Ich habe nichts von meinen Überzeugungen aufgegeben. Und natürlich wäre eine grundlegende Vereinfachung unseres Steuersystems wünschenswert. Ich brauche dafür aber auch einen Koalitionspartner, der den Weg mitgeht.“

Kleine Schritte müssten genügen, eine Körperschaftsteuerreform sei bereits erfolgt, Abschreibungsmöglichkeiten verbessert. Die Brandmauer zur AfD hält er aufrecht, weil jene Partei die CDU zerstören, aus Euro, Schengen und Binnenmarkt austreten und Putin nahestehen wolle. Die Wähler wolle er zurückgewinnen, mit den Funktionären sei keine Zusammenarbeit möglich.

Die moralische und inhaltliche Entfremdung des Kanzlers erreichte ihren Höhepunkt, als die Seelsorgerin Hanna Clemens die fehlenden Perspektiven der jüngeren Generation und den Verlust eines ethischen Kompasses in der Regierungspolitik ansprach. Während Jugendliche im ländlichen Raum unter maroder Infrastruktur, abgeschnittenem Nahverkehr und mangelnden Teilhabechancen leiden, beschränkte sich der Bundeskanzler auf den paternalistischen Rat, die jungen Menschen müssten halt selbst mehr Eigeninitiative zeigen und ins Handwerk gehen.

„… in solchen Städten haben junge Leute eine Chance heute gerade im Handwerk, gerade in der beruflichen Bildung, da gibt es viele große Möglichkeiten und Chancen. Sie müssen sie aber auch selbst ergreifen wollen. Also es muss auch ein bisschen Initiative dazu kommen.“

Auch den Vorwurf, dass in seiner Politik christliche Werte wie Nächstenliebe und Solidarität zu reinen Worthülsen verkommen seien und rhetorische Entgleisungen über das Stadtbild soziale Ausgrenzung schüren, parierte Merz mit wortreichen Verdrehungen und juristischer Spitzfindigkeit. Anstatt Verantwortung für das gespaltene Gesellschaftsklima zu übernehmen, redete der Kanzler die Probleme klein und versuchte, die Verunsicherung der Menschen mit einer verordneten Zweckoptimismus-Lüge wegzulächeln.

„Ich kann sagen, dass es Grund zur Zuversicht gibt und dass es Grund zum Optimismus gibt und dass wir auch sehen, dass die ersten Zeichen für unsere Wirtschaft wieder in die richtige Richtung zeigen. Das ist ein kleiner erster Schritt in die richtige Richtung. Aber genau das habe ich auch gesagt.“

Es wurde mit Händen greifbar, dass der Bundeskanzler in einer isolierten Blase agiert, die von den alltäglichen Nöten, der Orientierungslosigkeit und den Existenzängsten der jüngeren Generation vollkommen abgetrennt ist.

Die Entlarvung einer gescheiterten Machtattitüde

Am Ende dieses lehrreichen Abends steht die bittere Erkenntnis, dass Friedrich Merz weder über die emotionale Nahbarkeit noch über die geistige Flexibilität verfügt, dieses Land in einer Phase tiefgreifender Umbrüche zu führen. Wer Bürgerinnen und Bürger, die tagtäglich den Niedergang verwalten müssen, pauschal zu meckernden Bremsklötzen degradiert und berechtigte Kritik mit patriarchaler Belehrung beantwortet, hat den moralischen Kredit der Führung längst verspielt. Zurück bleibt das verheerende Bild eines Kanzlers, der im Angesicht der eigenen Entzauberung nur noch Trotz, Kaltschnäuzigkeit und die Belehrmethoden vergangener Jahrzehnte anzubieten hat. Seine patzigen Reaktionen auf ernst gemeinte Kritik besiegeln die Vorführung eines Regierungschefs, der sich in seiner eigenen Unfehlbarkeit eingemauert hat und der den Bezug zur Lebensrealität der Menschen in diesem Land wohl für immer verloren hat.

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Janine Beicht

Janine Beicht ist gelernte Kommunikationsdesignerin, arbeitet aber seit 2020 im Gesundheits- und Sozialwesen. Als Aktivistin engagiert sie sich besonders auf dem Gebiet der Psychologie unter dem Aspekt der jeweiligen politischen Machtinteressen.

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