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Vor der Vertrauensfrage - was sind die Lehren aus dem Ampel-Aus?
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Tagesschau / ARD Mediathek / Caren Miosga

Ricarda Lang: Eine Abrechnung mit der Politik

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Rücktritt, Selbstkritik und mutige Offenheit. Ricarda Lang stellt sich bei Caren Miosga schonungslos ihren Fehlern und zeigt die Mechanismen der deutschen Politik auf.
Zusammengefasst

Rücktritte in der Politik sind rar geworden, fast so rar wie Selbstkritik in Talkshows. Doch Ricarda Lang, das ehemalige Aushängeschild der Grünen und Symbolfigur für kontroverse Politik, hat beides gewagt.
Seit ihrem Rücktritt im November zeigt sie sich selbstkritisch wie selten zuvor und zieht schonungslos Bilanz – über ihre eigene Amtszeit, die Ampelkoalition und die Mechanismen der deutschen Politik. Ihr jüngster Auftritt bei Caren Miosga offenbarte eine Politikerin, die ihre Zwänge hinter sich gelassen hat und die politische Kultur mit beißender Offenheit seziert.

tagesschau / YouTube

Rücktritt als Befreiungsschlag

Ricarda Lang betonte, dass der Rücktritt vom Amt der Parteivorsitzenden eine bewusste Entscheidung war. Ihr Schritt sei eine Reaktion auf die enttäuschenden Landtagswahlergebnisse und das Gefühl gewesen, die Grünen nicht mehr effektiv führen zu können, erklärte sie bereits im Oktober in einem Interview mit Markus Feldenkirchen.

„Vielleicht sind wir es in diesem Land so wenig gewohnt, dass Menschen noch Verantwortung für politische Erfolge, aber vor allem auch für Misserfolge übernehmen, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass irgendjemand selbstbestimmt die Entscheidung zum Rückzug trifft.“

Ricarda Lang / Markus Feldenkirchen

Diese Entscheidung war mutig – zumindest für die deutsche Politik, in der Rücktritte eher die Ausnahme als die Regel sind. Doch Lang ging noch weiter: Sie begann, ihre eigene politische Vergangenheit zu hinterfragen und öffentlich einzugestehen, dass sie oft eine Rolle gespielt habe, in der sie Dinge sagte, an die sie selbst nicht glaubte.

Die „Schere im Kopf“ und das „Mist für Gold“-Problem

In der Sendung mit Caren Miosga setzte Lang die Abrechnung mit ihrer politischen Karriere fort. Sie beschrieb, wie sie während ihrer Amtszeit von einer ständigen Angst begleitet wurde, etwas Falsches zu sagen oder in den sozialen Medien skandalisiert zu werden. Diese „Schere im Kopf“, wie sie es nannte, habe sie daran gehindert, klar und ehrlich zu sprechen. Erst ihr Rücktritt habe es ihr ermöglicht, diese mentale Zensur abzulegen.

„Man sitzt als Parteivorsitzende in einer Talkshow wie dieser und hat immer schon die Schere im Kopf: Welcher 30-Sekunden-Schnipsel landet im Netz?“

Ricarda Lang / Caren Miosga

Besonders schonungslos war sie, als sie auf ihre eigenen politischen Aussagen und Entscheidungen zurückblickte. Sie erinnerte sich an einen Moment, als sie nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses einen Kompromiss zum Autobahnausbau verteidigte. Der Clip dieser Äußerung sei für sie heute „ziemlich peinlich“.

„Dann fängt man an, Mist für Gold zu verkaufen und so einen Unsinn zu reden, wie ich ihn da erzählt habe.“

Ricarda Lang / Caren Miosga

Der Vertrauensverlust in die Politik

Langs Kritik ging jedoch über ihre eigene Person hinaus. Sie warf der Ampelkoalition vor, einen großen Teil der politischen Debatte zerstört zu haben. Politiker würden aus Angst vor medialer Empörung oder Wählerverlust nicht offen mit den Bürgern sprechen. „Die Menschen haben das Gefühl, die verheimlichen mir was“, sagte Lang. Dieses Verhalten führe zu einem Vertrauensverlust, der Wähler in die Arme von Parteien wie der AfD oder neuen Bewegungen wie dem Bündnis Sahra Wagenknecht treibe.

„Wir müssen wieder anfangen, die Menschen mehr wie Erwachsene zu behandeln“, forderte sie. Politiker müssten den Mut haben, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen, statt sich hinter ideologischen Phrasen und Symbolpolitik zu verstecken.

@CarenMiosgaTalk / 𝕏

Kritik an Scholz, Merz und der Ampelkoalition

Lang nahm sich jedoch nicht nur ihre eigene Partei vor. Sie kritisierte Olaf Scholz scharf und warf ihm vor, die von ihm angekündigte „Zeitenwende“ nicht mit konkreten Maßnahmen umgesetzt zu haben. Seine außenpolitischen Strategien seien verantwortungslos und würden das BSW stärken.

„Man schürt Angst vor einem russischen Angriff, nur um sich selbst als besonnene Lösung zu inszenieren.“

Ricarda Lang / Caren Miosga

Auch die CDU unter Friedrich Merz kam nicht ungeschoren davon. Deren Wahlprogramm mit einer Finanzierungslücke von 100 Milliarden Euro sei schlicht „Wählerverarsche“, wie Lang es formulierte.

@CarenMiosgaTalk / 𝕏

FDP-Chef Christian Lindner wurde ebenfalls Ziel ihrer Kritik. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das den Haushalt der Ampelregierung kippte, hatte Lindner eine Neuverhandlung des Koalitionsvertrags vorgeschlagen. SPD und Grüne lehnten dies ab, aus Angst, Wähler zu verlieren. Lang gestand ein, dass sie selbst diesen Fehler mitgetragen habe. „Das war auch mein Fehler“, sagte sie. Sie plädierte dafür, die Fehleranalyse der Ampelregierung ehrlich und umfassend zu gestalten.

Politischer Klartext – nur für Ex-Politiker?

Ricarda Langs Offenheit und Selbstkritik nach ihrem Rücktritt sind beeindruckend, doch sie werfen ein Schlaglicht auf ein fundamentales Problem der deutschen Politik: Klartext wird oft erst dann gesprochen, wenn es keine Konsequenzen mehr gibt. Die aktive politische Klasse scheint hingegen in einem Kreislauf aus Angst, Symbolpolitik und taktischem Schweigen gefangen zu sein. Die Folge ist ein Vertrauensverlust, der die Demokratie nachhaltig beschädigen könnte.

Die Zuschauer bekamen einen seltenen Einblick in die Mechanismen der Politik. Ob diese deutlichen Worte etwas ändern werden, ist fraglich. Am Ende bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Die deutsche Politik gleicht einem modernen Sisyphos, gefangen in der Absurdität, aber – anders als bei Camus – alles andere als glücklich.

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Janine Beicht

Janine Beicht ist gelernte Kommunikationsdesignerin, arbeitet aber seit 2020 im Gesundheits- und Sozialwesen. Als Aktivistin engagiert sie sich besonders auf dem Gebiet der Psychologie unter dem Aspekt der jeweiligen politischen Machtinteressen.

3 Antworten

  1. Lange her, dass ich mir sowas angehört habe – eine halbe Stunde hab ichs durchgehalten, fraglich, ob ich mir die andere Hälfte noch dazutue, eher nein. …. Defintiv nicht.

    Um was Freundliches zu sagen: die Gäste sind ok. Steinbrück ein Schwergewicht aus alten Zeiten, Lang eine muntere und aufgeweckte junge Frau, die aufrichtig wirkt. Bloss: das Universum, in dem das stattfindet, ist seltsam fremd.

    Digital-finanzielle Sklaverei steht an, das wissen sie alle, aber es spricht niemand drüber. KI wird massiv Arbeitsplätze kosten, aber Steinbrück spricht von ‚mehr arbeiten‘. Selbst aus der Steinzeit, habe ich Verständnis dafür, wenn man die Veränderungen nicht mitbekommt, aber als Politiker??!

    Dazu Frau Lang und der Klimawandel. Was ist denn das für eine Industrie, für Arbeitsplätze, die sie und Steinbrück wollen, unerprobt, umweltschädlich und auch aus Pharmalaboren, u.a. damit Kühe nicht mehr furzen??! Oh, ich weiss: die Kitaplätze, dafür kann Oppa schon mal bis 70 ackern ….

    Soviel nach einer halben Stunde. Die Sorte ‚Realität‘, von der hier gesittet, unterhaltsam und sympathisch gesprochen wird, die, liebe Leute, GIBT ES NICHT. Und das, was ideologisch dahinter steht, wurde und wird als gesetzt nicht hinterfragt.

    Demokratie, so wurde ja gönnerhaft festgestellt, müsse Leute als Erwachsene behandeln. Behandeln ist das Schlüsselwort: wie sollte man Politiker behandeln? Wie Angestellte, denn genau das haben sie in einer Demokratie zu sein: weisungsgebunden!!

  2. BTW: Mit Steinbrück sollte mal ein Kreuzverhör zur Ukraine durchgeführt werden, war er doch 2015 Senior Adviser bei der ‚Agentur zur Modernisierung der Ukraine‘
    https://www.zeit.de/politik/2015-03/peer-steinbrueck-beratertaetigkeit-ukraine
    Aber nicht für lange:
    https://www.politik-kommunikation.de/personalwechsel/steinbrueck-zieht-sich-aus-ukraine-agentur-zurueck/

    Was, so frage ich im Rahmen meiner Weisungsbefugnis, war damals los? Warum hat es nicht funktioniert?? Mag ja sein, dass Putin ein Gewalttäter ist, bloss: da kommen noch eine ganze Menge Leute vor ihm, z.B. ein gewisser Obama und diverse Thinker von US-NGOs. Erzählen Sie doch mal über deren Umtriebe bis heute und über Macrons und Merkels Konzept zur Umgestaltung der EU und was das mit der Ukraine zu tun hat … gerne auch, welchen Nutzen ein Krig in Europa für die USA hätre, vor allem dann, wenn ihn andere führen … sind doch ein schlauer Mann, ich bin sicher, SIE WISSEN, wovon ich schreibe.

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