Davos ist kein Ort des offenen Austauschs, sondern ein abgeschlossener Raum, in dem politische, ökonomische und moralische Gewissheiten zirkulieren, ohne sich an der Lebensrealität der Mehrheit messen zu müssen. Doch wer diesen Konsens stört, wird markiert und nicht widerlegt. Das Weltwirtschaftsforum dient keinesfalls der Debatte, es dient der Selbstbestätigung einer globalen Führungsschicht, die Kritik als Störung ihrer Ordnung empfindet.
Der Machtwechsel, der keiner ist
Nach fünfundfünfzig Jahren als Gründer und faktischer Alleinherrscher des World Economic Forums ist Klaus Schwab abgetreten. Doch wer darin einen ideologischen Kurswechsel erkennt, verkennt die Lage. Das WEF bleibt die HOA aus der Hölle, lediglich mit neuer Verwaltung.
An Schwabs Stelle traten »BlackRock CEO Larry Fink«, Verwalter von rund vierzehn Billionen Dollar Vermögen, und »André Hoffmann, Chef der Roche Holding«, des größten familiengeführten Pharmakonzerns der Welt. Dieser Wechsel markiert keinen Neuanfang, sondern eine Eskalation. Die politische Ideologie wird nicht zurückgenommen, sie wird finanziell und industriell verdichtet. Es ist ein Signal völliger Realitätsferne, getragen von Akteuren, die demokratischer Kontrolle vollständig entzogen sind. Die Arroganz dieses Machttransfers ist atemberaubend.
Das Dinner, das Europa nicht aushielt
Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum verdichtete sich dieser Zustand in einer Szene, die mehr über den geistigen Zustand der Eliten verriet als jedes Strategiepapier. Gastgeber des »Dinnerabends war BlackRock-Chef Larry Fink«, geladen waren Staatschefs, Spitzenbeamte und Vertreter der Hochfinanz. Inmitten dieses Zirkels ergriff der US-Handelsminister Howard Lutnick das Wort und formulierte Positionen, die in Davos nicht mehr ausgesprochen werden dürfen.
Lutnick sprach sich für eine stärkere Nutzung von Kohle aus, kritisierte die wirtschaftliche Entwicklung Europas und benannte die energiepolitische Selbstfesselung des Kontinents. Seine Aussagen waren zugespitzt, aber argumentativ. Sie stellten Thesen dar, die einer sachlichen Auseinandersetzung zugänglich gewesen wären. Diese Auseinandersetzung fand natürlich nicht statt.
EZB Präsidentin Christine Lagarde stand demonstrativ auf und verließ das Dinner. Al Gore buhte. Das Essen wurde abgebrochen, der Nachtisch gestrichen. Ein öffentlicher Affront in einem Milieu, das sich selbst als rational, aufgeklärt und dialogfähig darstellt.
Dünnhäutigkeit als Herrschaftsform
Der Abgang Lagardes war kein persönlicher Reflex, sondern Ausdruck eines politischen Klimas, das Kritik nicht mehr als Bestandteil demokratischer Kultur akzeptiert. In den maßgeblichen Machtzirkeln gilt Abweichung vom vorgegebenen Narrativ als Regelbruch und nicht als Einladung zur Debatte.
Energiepolitik, Klimastrategien, Migration und ökonomische Realität werden nicht mehr verteidigt, sie werden immunisiert. Zweifel gelten als Leugnung, Widerspruch als Angriff. Der Rückzug vom Tisch ersetzt das Gegenargument. Dass ein US Minister in Davos offen Kohle empfiehlt, traf den Nerv einer politischen Klasse, deren Legitimation auf moralischer Selbstgewissheit beruht. Nicht der Inhalt provozierte, sondern die Tatsache, dass jemand es wagte, das Dogma offen zu benennen.
Europa befindet sich seit Jahren im wirtschaftlich im Abstieg. Energiepreise explodieren, industrielle Wertschöpfung wandert ab, Bürokratie lähmt Investitionen, der Wohlstandsverlust ist messbar. Diese Entwicklung ist empirische Realität und kein Geheimwissen. Genau deshalb fiel die Reaktion so heftig aus. Wer souverän ist, widerspricht. Wer Recht hat, argumentiert. Wer flieht, wurde getroffen. Der Abgang der EZB Präsidentin war kein Zeichen von Stärke, sondern von Unsicherheit. Die Selbstgewissheit der Eliten beginnt zu erodieren, weil die Realität ihre Versprechen widerlegt.
Davos als ideologischer Maschinenraum
Das Weltwirtschaftsforum fungiert seit Jahrzehnten als ideologisches Sammelbecken für zentralistische Steuerungsfantasien. Unter der Führung von Klaus Schwab entwickelte sich Davos zum Quellort politischer Konzepte, die als moralisch erneuert präsentiert werden, obwohl sie historisch gescheitert sind. Dazu zählen die klimasozialistische Agenda der Europäischen Union, die Idee der Fünfzehn-Minuten-Stadt zur Einschränkung individueller Bewegungsfreiheit, digitale Zentralwährungen als verkleidete Kapitalkontrollen und die Vision einer suprastaatlichen digitalen Identität.
Der Mensch erscheint darin nicht mehr als souveränes Individuum, sondern als verwalteter Datensatz. Finanzverhalten, Gesundheitsstatus und politische Zuverlässigkeit werden zu einer kontrollierbaren Einheit zusammengezogen. Mobilität, Ernährung und Wohnen werden zu moralischen Bewährungsproben umdefiniert, der CO₂-Fußabdruck ersetzt das individuelle Urteil, Abweichung gilt als Fehlverhalten.
Dass dieses Modell seine Überzeugungskraft verloren hat, räumt inzwischen selbst sein Architekt ein. Klaus Schwab erklärte in einem Video:
„Wir verlieren das Narrativ, das die Menschheit seit ihrem Anfang geleitet hat – das Narrativ, dass wir existieren, um eine bessere Zukunft vorzubereiten.“
Finde den Fehler auf Telegram:
— Markus Haintz (@Haintz_MediaLaw) January 21, 2026
Davos-Clownshow 2026: Das alte Narrativ ist tot – Eliten müssen ein komplett neues erfinden!
Klaus Schwab gibt im Video zu: „Wir verlieren das Narrativ, das die Menschheit seit ihrem Anfang geleitet hat – das Narrativ, dass wir existieren, um… https://t.co/YG7kTm4JOO pic.twitter.com/urZqRPPPxs
Schwab führt diesen Verlust auf Krisen, Egoismus und mangelnde internationale Kooperation zurück. Tatsächlich beschreibt er den massiven Vertrauensverlust, den das WEF selbst verursacht hat. Die Welt hört nicht mehr zu, weil sie sich bevormundet, kontrolliert und moralisch diszipliniert fühlt. Anstatt dieses Scheitern zu reflektieren, beklagt Schwab, dass die Eliten nun gezwungen seien, ein neues Narrativ zu erfinden, um ihre Agenda erneut durchzusetzen. Davos wird damit endgültig zum Symbol einer entkoppelten Pseudoelite, die Kontrolle mit Verantwortung verwechselt und den Verlust ihrer Deutungshoheit als Kommunikationsproblem missversteht.
Die Stunde der Antagonisten
Am Mittwoch betraten jedoch auch die Gegenspieler dieser Ordnung die Bühne. Donald Trump und Javier Milei zerlegten die Agenda des WEF, jeder auf seine Weise, aber mit komplementärer Wirkung.
Trump erklärte den Globalismus für politisch gescheitert, verspottete die europäische Energiepolitik, kritisierte offen die Migrationspolitik und präsentierte harte ökonomische Kennzahlen: 5,4 Prozent Wachstum im Schlussquartal, die vollständige Deregulierung des Energiesektors und den Abbau von zweihundertfünfzigtausend Stellen im föderalen Staatsapparat.
» Donald Trump | World Economic Forum | Davos«
Diese Zahlen trafen den Kern der Davoser Gewissheiten. Planung gegen Wachstum, Moralismus gegen Wohlstand, Kontrolle gegen Dynamik. Den Schlusspunkt setzte Trump mit dem Hinweis auf die sicherheitspolitische Abhängigkeit Europas von den Vereinigten Staaten.
Javier Milei wählte eine andere Form, aber eine noch tiefere Zuspitzung. Er eröffnete mit einem Satz, der die technokratische Selbstüberhöhung frontal traf:
„Maquiavelo ha muerto.“
„Machiavelli ist tot.“
»Javier Milei | World Economic Forum | Davos«
Er erklärte, dass hundertfünfzig Millionen Menschen im vergangenen Jahrhundert im Namen des Sozialismus ihr Leben verloren hätten, während die Überlebenden in Armut zurückblieben. Gerecht sei allein der Kapitalismus des freien Handels, gegründet auf freiwilligem Tausch, Eigentumsrechten und meritokratischen Werten.
Milei sprach nicht aus der Theorie. In zwei Jahren Amtszeit führte er Argentinien aus der Krise, reduzierte den Staatsapparat radikal und brachte die Inflation unter Kontrolle. Er formulierte zudem eine kulturelle Rückbesinnung auf griechische Philosophie, römisches Recht, republikanische Ordnung und jüdisch-christliche Werte als Fundament einer erneuerten Zivilisation.
Europas Rolle als Zuschauer
Während Trump und Milei handeln, blieb Europa Statist. Entscheidungen werden nicht mit der EU Kommission, nicht mit Ursula von der Leyen und nicht mit dem deutschen Kanzler getroffen, sondern mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte. »Der Grönland Konflikt endete in einem Deal«, der amerikanische Interessen absichert und europäische Kosten erhöht.
Trotzdem versammeln sich europäische Politiker zu Sondergipfeln, um ihre eigene Bedeutung zu simulieren. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erklärte:
„Ich glaube, es hat viel damit zu tun, […] dass wir Europäer standhaft und klar geblieben sind in den letzten Tagen.“
»Tagesschau | Lars Klingbeil«
Die Realität widerlegt diese Behauptung.
Das Ende der Selbsttäuschung
Trump und Milei sind sichtbare Repräsentanten einer konservativen Wende und keine bloßen Ausnahmen mehr. Die Krise unserer Zeit ist nicht die des Marktes, es ist die Krise des Etatismus und des Glaubens an den allmächtigen Staat.
In Argentinien und den Vereinigten Staaten wird diese Illusion bereits korrigiert. Die westliche Elite hingegen verliert ihre argumentative Macht, weil sie sich an ideologisch-moralische Rituale klammert und Kritik als Angriff auf ihre Identität versteht. Hierdurch reagiert Europa mit Rückzug, Empörung und Selbstinszenierung – nicht weil es angegriffen wird, sondern weil es keine Antworten mehr hat.