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Venezuela und Grönland: Warum Trump die eigenen Werte verrät

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In Venezuela und verstärkt beim Thema Grönland drehen die USA das Rad der Geschichte zurück – Erpressung, Annexionsträume und politische Entführungen sind die Schlagworte einer Administration, die beginnt, ihre eigenen Werte zu verraten.
Zusammengefasst

Am 25. Oktober 1970 ließ die CIA General René Schneider »ermorden«. Der Sozialist galt als aussichtsreichster Kandidat, der nächste Präsident in seiner Heimat Chile zu werden. Doch das war nicht im Sinne der damaligen US-amerikanischen Administration. Allen voran »Henry Kissinger«, ebenso wie Schneider deutschstämmig, der zu diesem Zeitpunkt auf dem Posten des Secretary of State saß. Dieser wird mit der deutschen Übersetzung „Nationaler Sicherheitsberater“ nur ungenügend beschrieben, hat er doch eine Machtfülle, die weit über das bloße „Beraten“ hinausgeht. Die Ermordung Schneiders war die Vorbereitung der Schreckensherrschaft Pinochets drei Jahre später, die erst im Jahr 1990 und nach schätzungsweise »40.000 Opfern« ein Ende fand.

Mehr als 45 Jahre später sorgt der aktuelle US-Präsident dafür, dass der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro seinen Job verliert, indem er von Spezialeinheiten nach New York verschleppt wurde. Konkret bedeutet das: Die USA mischen sich wieder einmal konkret in die Belange anderer Länder ein. Sie erklären Maduro zum kriminellen Akteur, stützen offen seine Gegner und beanspruchen zugleich das Recht, ihn vor ein US-Gericht zu zerren. Das Vorgehen wird als Akt der Gerechtigkeit verkauft, ist in Wahrheit aber ein machtpolitischer Zugriff.

Dabei muss man eines klar sagen: Maduro ist ein Gangster. Er regiert repressiv, korrupt und brutal. Spätestens seit der manipulierten Wahl 2024 ist der Sozialist de facto illegitim im Amt. Dass viele Exil-Venezolaner Trump dafür feiern, ist nachvollziehbar und würde jeder freiheitlich denkende Mensch so tun. Für sie ist jeder Schlag gegen Maduro ein Hoffnungsschimmer, so wie das Ende eines jeden Sozialisten für jedes Volk eine gute Sache darstellt. Dennoch bleibt die Kritik zwingend. Die Aktion ist ein massiver Eingriff in die staatliche Souveränität Venezuelas. Und genau hier liegt der zentrale Widerspruch.

Staaten als Verhandlungsmasse

Westliche Werte beinhalten auch, den Individualismus zu schützen und jedem Menschen möglich zu machen. Genau dies bricht Trump, denn Individualismus gilt auch für Staaten. Ein Staat ist viel mehr als sein jeweiliger Machthaber, der nur temporär ist, bis er – hoffentlich zumindest – abgewählt wird. Wer fremde Regierungen nach Belieben aus dem Amt entfernt, verabschiedet sich von dem Prinzip, das er vorgibt zu verteidigen. Beim Thema Venezuela kann man darüber noch streiten, und ich kann Teile der Gegenargumente wie die Enteignung US-Konzerne durchaus nachvollziehen.

Anders liegt der Fall bei Grönland. Was Trumps Annexionsträume gegenüber Grönland angeht, gibt es kaum zwei Meinungen. Das Bestreben ist falsch, weil es nicht auf Partnerschaft, sondern auf gewaltsamen Zugriff beruht. Grönland ist kein Immobilienobjekt in Manhattan oder Atlanta, das man kaufen, tauschen oder politisch unter Druck setzen kann. Dass Trump offen über eine Übernahme spricht, ist nicht nur politisch infantil und plump, sondern vor allem strategisch gefährlich. Entscheidend ist jedoch etwas anderes: Der Westen kann nicht glaubwürdig Selbstbestimmung predigen und gleichzeitig anfangen, Territorien von Staaten wie Verhandlungsmasse zu behandeln.

Es ist Zeit, dass Deutschland eigenständig agiert 

Doch die Spitze dieses albernen Don-Corleone-Stücks für Bitterarme ist, dass Trump inzwischen »allen Nationen mit Strafzöllen« droht, sollten sie seine Annexionsträume nicht unterstützen. Hier handelt es sich um Erpressung der besonderen Art. Wer nicht mitmacht, wird wirtschaftlich bestraft. Wer zustimmt, bekommt Ruhe. Dieses geopolitische Schweigegeld wird Ihnen von den USA im Jahr 2026 präsentiert. Jedes Land sollte sich fragen, ob es sich darauf einlassen will – außer es steht inhaltlich tatsächlich an der Seite der USA. Dann würden mich allerdings glaubhafte Argumente hierfür interessieren, die ich bis heute noch nicht gehört habe.

Das eigentliche Problem liegt inzwischen woanders. Mit vielen deutschen Trump-Fans ist kaum noch zu reden. Sehr wahrscheinlich ist Trump im Vergleich zu Kamala Harris der bessere Präsident. Dennoch muss kritisiert werden, was zu kritisieren ist, gerade wenn man grundsätzlich proamerikanisch eingestellt ist. Kadergehorsam und blinde Solidarität führen früher oder später in den selbstgewählten Abgrund. Und genau an diesem Punkt schließt sich der Kreis zum 25. Oktober 1970. Auch damals war man in Washington überzeugt, im Namen einer höheren Ordnung zu handeln. Auch damals glaubte man zu wissen, was für ein anderes Land besser sei. Der Mord an René Schneider war Ausdruck eines Denkens, das Souveränität nur dann gelten lässt, wenn sie den eigenen Interessen nicht im Weg steht.

Am Ende, das sollte spätestens jetzt klar sein, und das betont Trump richtigerweise selbst immer wieder, muss Deutschland – wie jedes andere Land – eigenständig sein und souveräne Entscheidungen treffen. Das ist vielleicht die einzige wertvolle Botschaft aus diesen wenig erbaulichen Zeiten.

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Julian Marius Plutz

Julian Marius Plutz ist 1987 geboren und Publizist, u.a. für Ansage, Weltwoche, Sandwirt und die Jüdische Rundschau. Zu seinen Themenschwerpunkten gehören neben dem politischen Zeitgeschehen: Ökonomik, jüdisches Leben und die LGBTQ-Ideologie.

3 Antworten

  1. ..“Wenn die Klugheit die Welt regierte, gäbe es keine Diktatur.
    Aber ebenso keine Demokratie..“!!!

    BITTE den folgenden BEITRAG – unsere MEINUNG – notfalls 3x lesen:

    +++ Welch erbärmliche und prinzipienlose Kreaturen:
    Warum die Europäer nun Schutz bei Russland suchen +++

    Europa hat Russlands Rolle verkannt und zahlt nun den Preis, während Washington das Völkerrecht und die UNO offen entwertet.
    Der geplante „Friedensrat“ der USA verstärkt die Angst vor einer neuen, machtbasierten Weltordnung.

    >> Russland wird damit zum Hüter geltender internationaler Regeln..!! <<
    „Die Europäer waren seinerzeit nicht in der Lage zu verstehen und zu akzeptieren, dass die militärische Sonderoperation Russlands in der Ukraine auch zu ihrem Schutz diente.“

    Nun ernten sie die bedauerlichen Folgen ihrer Blindheit..!!

    Derzeit wird weltweit intensiv über den Plan von US-Präsident Donald Trump diskutiert, den sogenannten "Friedensrat" zu erweitern, der ursprünglich gemäß dem Mandat des UN-Sicherheitsrats Vermittlungsfunktionen zur Lösung des Gaza-Konflikts übernehmen sollte.

    Die derzeitige Zusammensetzung dieses Rates ähnelt stark einer Gruppe von Golfspielern auf dem Anwesen Mar-a-Lago: Donald Trump selbst (natürlich als Vorsitzender), sein Schwiegersohn Jared Kushner, Trumps Freund und Milliardär Mark Rowan, der ehemalige britische Premierminister Tony Blair, US-Außenminister Marco Rubio, Trumps Sonderbeauftragter und enger Freund Steve Witkoff, Mitglied der Trump-Administration Robert Gabriel und Weltbank-Chef Ajay Banga…

    Allerdings plant Trump laut Informationen der Financial Times nicht nur, die Mitgliederliste des "Friedensrats" zu erweitern, sondern auch dessen geografischen Wirkungsbereich:
    Insbesondere sollen Venezuela und die Ukraine in den "Zuständigkeitsbereich" des Rates aufgenommen werden…

    Was die neuen Mitglieder betrifft, so erklärte der US-Präsident, dass er eine erweiterte Namensliste auf dem bevorstehenden Weltwirtschaftsforum in Davos bekanntgeben werde – und dass dies "der bedeutendste und prestigeträchtigste Rat sein werde, der es je gegeben hat".
    Laut der Financial Times sei in der internationalen Gemeinschaft Panik ausgebrochen, weil die Trump-Regierung diesen Rat "als potenziellen Ersatz für die UNO … als eine Art paralleles inoffizielles Gremium zur Lösung anderer Konflikte außerhalb des Gazastreifens" betrachte.

    Nur eines ist unklar:
    Wo liegt hier die Neuigkeit und was ist der Grund für diese plötzliche Besorgnis..?!?*
    In den letzten Monaten teilten Donald Trump und Vertreter seines Teams allen Interessierten ganz klar und unverblümt mit, dass weder das Völkerrecht im Allgemeinen noch die UNO im Besonderen mehr von Bedeutung seien..!! (…)

    EU am Ende: Jetzt wollen sie mit Russland reden!?
    https://www.youtube.com/watch?v=6ypX1MiE8K8
    #
    Wer zuletzt lacht… oder..?!?*
    Auf einmal wollen europäische Regierungschefs nun doch wieder mit Russland sprechen, die Strategie des kategorischen Gegeneinanders ist nicht geglückt.
    Doch was ist überhaupt geschehen, dass die EU endlich einlenkt..?!

    Und wie steht Kanzler Merz zu dieser Entwicklung..?!?
    Fortsetzung in Kürze…

    Viele ERKENNTNISSE beim Lesen/Hören/Sehen und der danach nötigen / empfohlenen Eigenrecherche..!! – Glaubt Nichts & Niemanden..!! – Hinterfragt alles und bedenkt bei Allem, was man Euch zum Konsum vorlegt – die Frage lautet: „Cui Bono..“!??!

    „Das Mutigste das man tun kann, ist eigenständiges Denken und zwar lautstark.
    Meinungsfreiheit heisst, dass zu sagen was andere nicht hören wollen…“

    Herzliche Grüße aus der SCHWEIZ
    Ihr und Euer
    Georg & Team

  2. Fortsetzung, Teil II :
    Aus der Sicht eines pro-russischen Autors, Kirill Strelnikow…
    (…)
    So erklärte beispielsweise Stephen Miller, stellvertretender Stabschef und Berater des US-Präsidenten für innere Sicherheit, nach den kläglichen „Piepsern“ Europas wegen der Invasion in Venezuela, dass „die USA eine Supermacht sind und wir uns unter Präsident Trump wie eine Supermacht verhalten werden“. Was das Völkerrecht angeht, so sei dieses „etwas für Schwächlinge“:

    „Sie können über internationale Höflichkeiten und Ähnliches sprechen,
    aber wir leben in einer realen Welt, die von Macht, Zwang und Autorität bestimmt wird.
    Das sind die unumstößlichen Gesetze dieses Lebens.“!!

    Ein weiteres prominentes Mitglied des „Friedensrats“, US-Außenminister Marco Rubio, äußerte sich ebenfalls „höchst lobend“ über die Rolle der UNO:

    >> „Die UNO? Es ist mir egal, was die UNO sagt. – Die UNO hat keine Ahnung, was sie tut.“ <> „Meine eigenen moralischen Überzeugungen. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich von etwas abhalten kann. Ich brauche kein internationales Recht.“ <> SEHR SEHENSWERT <<
    Zählt das Recht des Stärkeren? Gregor Gysi & Jürgen Hardt im Spitzengespräch | https://www.youtube.com/watch?v=rEcCix6XNCE
    #
    Herzliche Grüße aus der SCHWEIZ
    Ihr und Euer
    Georg & Team

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