Der Scheinheiligkeit der Mächtigen gegenüber dem Stimmvolk
Eine brasilianische Regierungssprecherin kündigte an, dass am Ende des Weltklimagipfels 2025 eine gemeinsame, ambitionierte Erklärung stehen solle, die die Handlungen der Länder in den kommenden Jahren formen werde. Das Ziel sei es, das Amazonasgebiet weiterzuentwickeln, ohne es zu zerstören, so Brasiliens Präsident Lula da Silva.
Die Ironie dabei: Für dieses Treffen werden zehntausende Hektar geschützten Regenwaldes durch den Bau eines kilometerlangen vierspurigen Highways in die Konferenzstadt Belém abgeholzt, der den geschützten Regenwald wie eine klaffende Wunde zerschneidet. Brasiliens Politiker loben das COP-Treffen (Conference of the Parties), da es im Amazonasgebiet selbst stattfindet und nicht nur vom Amazonasgebiet handelt.
Selbstverständlich, das ist eine kluge Vorgehensweise: Ungefähr so, als wenn man den Rückgang des Schilfgürtels am Bodensee aufhalten möchte und dann mitten im Schilf einen großen Steg baut, auf dem sich alle auf einen besseren Schilfschutz einigen können. Die Befürworter loben, dass man der Welt den Amazonas greifbar zeigen kann, jedenfalls der auserwählten Elite, die dafür in Scharen einfliegt. Und dafür zerstört man ihn? Ein schlechter Scherz.
JUST IN: Tens of thousands of acres in the Amazon rainforest have been cut down to build a road for the COP30 climate summit in Brazil.
— Eric Daugherty (@EricLDaugh) March 12, 2025
Huge swaths of land are getting cleared out to "ease traffic to the city" of Belem for a new highway.
Video shows rows and rows of deforested… pic.twitter.com/KpAUknR8Go
Revanth’s bulldozer Raj in Telangana!
— BRS Party (@BRSparty) March 31, 2025
400 acres of forest with flora and fauna being razed to the ground to fill the govt coffers! #SaveHCU#OxygennotAuction pic.twitter.com/OpWqyZsfW5
Die unglaubliche Anzahl von über 50 000 Teilnehmern aus aller Herren Länder ist nicht förderlich für den Umweltschutz, denn mit dem Ruderboot und Drahteseln reisen diese Leute nicht an. Tausende von Besuchern werden rund um die Welt geflogen, um den Bürgern die Botschaft zu übermitteln, doch bitte nicht so viel um die Welt zu fliegen. Neben der asphaltierten Schneise der Zerstörung im Regenwald wird auch der Hafen massiv ausgebaut, um die erwartete Anzahl an Luxusyachten und Kreuzfahrtschiffen aufnehmen zu können.
Empörung bei Einheimischen und Naturschützern
Die Regierung wirbt mit der „Nachhaltigkeit“ der Autobahn, doch Einheimische und Naturschützer sind empört über die Auswirkungen für die Umwelt. Die unmittelbar betroffenen Bauern und Waldbewohner verlieren zum Teil ihr Auskommen. Kompensation für ihre Ernteausfälle und damit Verlust ihrer Lebensgrundlage: Fehlanzeige. Zu keinem Zeitpunkt wurden Naturschützer oder die indigene Bevölkerung in die Planung eingebunden. Der Highway ist so isoliert und zugangslos, dass die Bewohner nicht einmal in einem Notfall davon profitieren können, wenn sie schnell in ein Krankenhaus gebracht werden müssen. Einheimische befürchten weiterhin einen Sogeffekt. Wenn erst einmal der Bann gebrochen und der intakte Wald teilweise zerstört ist, könnten sich weitere Gebäude zu den Tankstellen, Luxushotels und Versorgungsgeschäften gesellen und die Einheimischen sowie die Natur weiter zurückdrängen. Durch die neue Autobahntrasse wird ein intaktes Ökosystem brutal zerschnitten; ein paar Wildbrücken als Argument der Erbauer sind da nur Augenwischerei, die Auswirkungen für Flora und Fauna sind einschneidend. Wo der Tierwelt vorher ein großes Gebiet mit regem Austausch zur Verfügung stand, stellt die Schneise eine Barriere mit gravierenden Folgen für die Tierpopulationen dar.
Gastgeber Brasilien geht mit schlechtem Vorbild voran
Brasiliens neuer Präsident Lula da Silva will die Erschließung der Ölvorkommen im Mündungsgebiet des Amazonas vorantreiben und der OPEC+ beitreten. Auch die Ölförderung zerstört Natur und Lebensgemeinschaften. Regierungschefs, die durch die Vergabe von Lizenzen kräftig mitverdienen, tarnen die Zerstörung gerne mit dem Argument, man würde das Gebiet und die Wirtschaft „entwickeln“. Gerne unter möglichster Berücksichtigung des Umweltschutzes, und manchmal lässt man auch Regenwaldschutzorganisationen zu Wort kommen, man ist ja offen, doch am Ende steht der Profit. Örtliche Organisationen kritisieren, dass die Weltgemeinschaft davor die Augen verschließt:
„Die Welt hat Brasilien das Mandat erteilt, die Klimadebatte im Jahr 2025 anzuführen (…) Die Verdoppelung der Ölförderung ist ein Verrat an diesem Mandat.“
Claudio Angelo / dw
Bäume pflanzen statt Bäume fällen!
Der Amazonas hat eine große Bedeutung für das Ökosystem, auch im globalen Gefüge. Er leistet für das Klima im Großen, was schon jeder einzelne Baum im Kleinen für eine gesunde Umwelt beiträgt. Pflanzen brauchen CO2 zum Wachsen, das sie der Luft entnehmen und in sauerstoffreiche Atemluft für alle Lebewesen verwandeln. Eine durchschnittliche Tanne versorgt täglich zehn Menschen mit frischer Atemluft, ein Laubbaum noch mehr. Dabei agieren Wälder gleichzeitig als natürliche Luftfilter, indem sie Feinstaub und Schmutzpartikel aus der Atmosphäre binden. Ein ausgewachsener Laubbaum bindet pro Jahr etwa 100 kg Feinstaub. Er dunstet täglich 200-300 Liter Wasser aus, was die Luft befeuchtet und die Umgebung auf natürliche Weise kühlt. Wie überlegen ein Baum da doch einer Klimaanlage ist, je mehr Klimaanlagen in der Stadt laufen – und obendrein Strom dabei verbrauchen –, desto mehr heizt sich auch die Atmosphäre in dieser Stadt auf. Täglich bindet ein ausgewachsener Baum 13-18 kg CO2 (5-6 Tonnen jährlich).
„Übrigens, wer sich ein kraftstoffsparendes Auto mit 3,5 Liter pro 100 Kilometer Verbrauch kauft, der würde bei 10.000 Kilometer Fahrleistung im Jahr grob gerechnet 1000 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) in die Luft pusten. Mit einem Laubbaum im Garten kann man schon recht gut sein ökologisches Gewissen beruhigen.“
Der kleine Garten
Ein gewaltiges Minus, das die Weltführer da für ihren extravaganten Treffpunkt auf ihr Konto laden.
Anderer Club, andere Regeln
Ziel des neuen Highways ist es, den Verkehr in die Stadt besser zu regeln, die im November mehr als 50 000 Menschen beherbergen möchte. Welch ironisches Schauspiel bietet die regierende Elite hier, die über den besseren Schutz des Amazonas beraten will und ihn dafür kilometerweit zerstört. Maßnahmen gegen die illegale Abholzung des Regenwaldes sollen auch entwickelt werden. Die Abholzung für die Weltelite ist dann wohl legal?
Der geringste Teil der Abholzung erfolgt für die Viehzucht, der Großteil wird für den (illegalen) Handel mit dem Holz geschlagen. Das zu bekämpfen würde sich lohnen. Vielleicht sollte man lieber die eigene Agenda auf den Prüfstand stellen, denn missionarische europäische Windkraftpolitik kümmert es nicht, wie viel Natur dabei zerstört wird. Daheim werden großzügig Wälder dafür gerodet, gigantische Betonfundamente gegossen, PFAS und andere Schadstoffe verseuchen die Bewohner und die Umwelt, und weit entfernt geschieht die Zerstörung der Natur für die Beschaffung der Rohstoffe. Besonders im Amazonasgebiet werden ganze Landstriche für das benötigte Balsaholz kahl geschlagen, was eine Spur der Zerstörung hinterlässt und die indigene Bevölkerung heimatlos macht. Darüber schweigt die ökologiefeindliche Grüne lieber; aus den Augen, aus dem Sinn.
Hier wird deutlich, welche Strategie die eine globale Weltregierung verfolgt. Die alten Römer nannten es: „Quod licet Iovi, non licet bovi.“ (Was dem Juppiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt.) Das ist Doppelmoral von oben nach unten: Wir dürfen das, aber ihr dürft das nicht.
Die bewundernswerte Selbstlosigkeit der Eliten
Die edlen Retter der Welt nehmen den weiten Weg in den Amazonas auf sich und reisen um die halbe Welt. Irgendwie muss das Geld der Steuerzahler, von dem sie selbst keinen Cent erwirtschaftet haben, ja auch sinnvoll angelegt werden. Während sie von Klimakonferenz zu Klimakonferenz düsen, wird die Liste der Vorschriften an die Bürger immer länger. Wir sollen auf Autos, Flugreisen, Fleisch und vieles mehr verzichten und dankbar sein, mit welchem Engagement unsere Volksvertreter uns diese Regeln auferlegen. Wir sollen ihnen ihre Betroffenheit abnehmen, wenn Bürger mit kleinerem Einkommen, die aber hart arbeiten, aufgrund der Politik ihren Arbeitsplatz verlieren, Betriebe schließen und wirtschaftlich ruiniert werden. Wie passend, denn kalt duschen, Lastenrad fahren und bei Kerzenschein sitzen ist ja ohnehin besser fürs Klima. Wir sollen ihnen ihre heuchlerischen Worte abnehmen, wenn sie sich mit Privatfliegern und Luxusyachten, für die natürlich beim CO2-Handel eine Ausnahme gemacht wird, in luxuriösen Öko-Resorts treffen und dann die Zerstörung der Natur anprangern, die häufig für ihren Lebensstil und ihre Agenda geschieht. Sie kämpfen ja schließlich für eine bessere Welt – besser für wen?
Den Amazonaswald zu roden, ohne Rücksicht auf Mensch und Natur, um andere zu mehr Naturschutz und Verzicht zu verpflichten, ist das falsche, ein heuchlerisches Zeichen.