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Die neue Realität des Handels
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Wie der Iran-Krieg die deutsche Wirtschaft trifft

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Mit dem Iran-Konflikt verändert sich die weltweite Logistik schlagartig. Waren aus China, Indien oder Japan erreichen Europa später, Frachtraten steigen, und selbst Elektronik und Autoteile werden knapp. Verbraucher merken die Auswirkungen schon jetzt und müssen sich auf steigende Preise einstellen.
Zusammengefasst

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Vor wenigen Tagen, kurz nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs, rief eine Kollegin eine Familiensitzung mit ihren beiden Kindern ein. „Es ist Sauregurkenzeit“, meinte sie und beschwor ihren Nachwuchs auf ökonomisch schwierige Zeiten ein. Um die Situation bildlicher zu machen, beschrieb sie die kommende Preisentwicklung mit der in der Corona-Zeit. Damals stiegen die Kosten für alltägliche Dinge rasant an, Lieferketten brachen zusammen, und viele Haushalte spürten den Druck direkt im Portemonnaie. Heute, mit dem Krieg im Iran, zeichnet sich ein ähnliches Szenario ab – nur dass es diesmal um Energie und globale Handelsrouten geht.

Wie punktgenau dieser Vergleich ist, wird deutlich, wenn man sich in der Logistikbranche umhört. Denn seit Iran die Straße von Hormus gesperrt hat, stehen diese Unternehmen vor einer echten Herausforderung, da ganze Lieferketten zusammengebrochen sind. »Güter müssen nun über den Kap der Guten Hoffnung« umgeleitet werden, was einen Umweg von etwa 6500 bis 7400 Kilometern bedeutet. Das entspricht einer »Verlängerung der Reisedauer« um 10 bis 20 Tage, je nach Schiffstyp und Route. Solche Umleitungen treiben nicht nur die Frachtkosten in die Höhe, sondern verursachen auch Engpässe in Häfen und Lagerhäusern.

Vor allem Importe aus China sind betroffen

Die Straße von Hormus ist für Europa und insbesondere Deutschland von enormer Bedeutung, auch wenn wir nicht die direktesten Abnehmer sind. Diese schmale Wasserstraße verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und ist eine der kritischsten Engpässe im globalen Handel. »Täglich passieren hier rund 20 Millionen Barrel Öl« – das ist etwa ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion. Für Europa bedeutet das: Obwohl nur ein kleiner Teil des Öls direkt bei uns ankommt, hängen wir indirekt stark davon ab. Deutschland bezieht sein Erdöl hauptsächlich aus Kasachstan, Norwegen und den USA, doch die Sperrung treibt die Weltmarktpreise hoch, da der globale Angebotsschock alle Märkte trifft.

Noch dramatischer wirkt sich die Sperrung auf Importe aus Asien aus, insbesondere aus China und anderen Ländern wie Indien, Japan oder Südkorea. Stellen Sie sich vor, die Straße von Hormus ist wie eine verstopfte Hauptschlagader in einem Körper: Alles, was durchfließt, nährt den globalen Kreislauf. Aus China kommen Elektronik, Textilien, Maschinen und Konsumgüter, die über Seewege transportiert werden. Normalerweise nehmen Schiffe aus Asien die Route durch den Indischen Ozean, um dann – je nach Ziel – das Rote Meer und den Suezkanal zu passieren.

Doch mit der Eskalation im Golf und der Sperrung von Hormus meiden viele Reedereien die gesamte Region aus Sicherheitsgründen. Stattdessen muss ein Bypass gelegt werden, also ein Umweg um Afrika herum, was nicht nur Zeit kostet, sondern auch Risiken birgt: höhere Versicherungsprämien wegen Kriegsrisiken, Engpässe bei Containern und steigende Frachtraten. Für Deutschland bedroht dies Importe wie Solarpaneele, Smartphones oder Autoteile aus China, die bereits in der Corona-Zeit knapp wurden.

Nun ist die Bundesregierung gefragt

Ein gutes Beispiel für die aktuellen Turbulenzen liefert »Kuehne + Nagel«, einer der größten Logistiker weltweit und in Deutschland unter den Top 10 der Logistikunternehmen. In ihren Updates zur Middle-East-Situation beschreiben sie eine volatile Lage mit Schließungen von Lufträumen, Häfen und Schifffahrtsrouten. Die Straße von Hormus ist vollständig für kommerzielle Containerverkehre gesperrt, was den Zugang zum Arabischen Golf blockiert. Große Airlines wie Emirates oder Qatar Airways haben Flüge eingestellt, was zeitkritische Frachten wie Medikamente oder Elektronik trifft. Auf See müssen Schiffe um den Kap der Guten Hoffnung herumfahren, was Transitzeiten verlängert und Kosten durch höhere Bunkergebühren und Kriegsrisikozuschläge steigen lässt. Kuehne + Nagel berichtet von Staus in Transithäfen, unregelmäßigen Fahrplänen und potenziellen Ausrüstungsmängeln. Auf der Straße bleiben Grenzübergänge in den Golfstaaten offen, doch verstärkte Kontrollen verursachen Verzögerungen. Das Unternehmen betont, dass es mit Partnern arbeitet, um Kontingente zu sichern, und Kunden direkt informiert – ein Zeichen, wie ernst die Lage ist.

Von der Logistik kommend, lässt sich nahtlos zum Benzinpreis überleiten, der bereits spürbar reagiert. Laut Berichten des Bayerischen Rundfunks sind die Spritpreise in Bayern gestiegen: Super kostet im Durchschnitt 1,87 Euro pro Liter, Diesel 1,79 Euro. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft warnt vor steigenden Öl- und Gaspreisen, deren Ausmaß von der Dauer der Krise abhängt. Doch betonen muss man, dass die aktuellen Erhöhungen noch nicht durch echte Engpässe kommen, da die Speicher in Deutschland und Europa noch voll sind und wir diversifizierte Quellen haben. Es liegt womöglich eher an Mitnahmeeffekten der Konzerne – Ölmultis nutzen die Unsicherheit, um Preise vorab anzuziehen, ohne dass der Mangel schon eingetreten ist.

Es ist momentan noch gar nicht abzusehen, wie lange die „Sauregurkenzeit“ anhalten wird. Faktisch und unabhängig davon, wie man zu dem Krieg steht, werden sich die Verbraucher für eine lange Zeit auf höhere Preise einstellen müssen, und Deutschland könnte in eine Rezession rutschen. Es ist nun an der Bundesregierung und der leider stetig ausgebremsten Wirtschaftsministerin Reiche, rasch die Rahmenbedingungen für Unternehmen und Verbraucher zu verbessern. Das könnte Steuererleichterungen auf Energie umfassen, Förderungen für alternative Lieferwege oder Investitionen in erneuerbare Energien bedeuten, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Nur so können wir den Schock abfedern und langfristig stärker werden.

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Julian Marius Plutz

Julian Marius Plutz ist 1987 geboren und Publizist, u.a. für Ansage, Weltwoche, Sandwirt und die Jüdische Rundschau. Zu seinen Themenschwerpunkten gehören neben dem politischen Zeitgeschehen: Ökonomik, jüdisches Leben und die LGBTQ-Ideologie.

Eine Antwort

  1. „Normalerweise nehmen Schiffe aus Asien die Route durch den Indischen Ozean, ( und kommen dabei noch nicht mal in die Nähe der Straße von Hormus) um dann – je nach Ziel – das Rote Meer und den Suezkanal zu passieren.
    Warum sollte irgendjemand, anstatt durch den Suezkanal, jetzt um das Kap der Guten Hoffnung fahren müssen? Panikmache..

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