Bis April schuften – für das Sozialsystem
Während andere feiern, dass „der Staat hilft“, sollte man sich lieber das Datum merken: den 4. April 2025. Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten drei Monate lang nicht für sich, nicht für Ihre Familie, sondern für einen gigantischen Apparat, der Ihre Erträge verschlingt, bevor Sie auch nur einen Cent davon sehen. Willkommen in Deutschland anno 2025. Kein Aprilscherz, sondern der sogenannte „Sozialabgabengedenktag“, wie ihn die »Stiftung Marktwirtschaft« nennt.
Bis zum 4. April rackert der durchschnittliche Deutsche allein dafür, den Sozialstaat am Leben zu erhalten. Dieser Tag ist ein Mahnmal dafür, dass ein Drittel Ihres Jahres dem Wohlfahrtskoloss geopfert wird – und er rückt Jahr für Jahr weiter nach hinten. Das ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer Prioritäten: Ein auf Kante genähter Sozialstaat frisst sich durch die Wirtschaftsleistung eines ganzen Landes.
„Angesichts einer Sozialabgabenquote von 25,8 Prozent arbeitet die statistische Durchschnittsperson in Deutschland also mehr als drei Monate ausschließlich für die Finanzierung des Sozialstaates und die damit verbundene Umverteilung.“
»Bernd Raffelhüschen / Stiftung Marktwirtschaft«
Ein Kostenmonster mit 31 Prozent BIP-Anteil
»31 Prozent des Bruttoinlandsprodukts«, das sind fast ein Drittel, fließen heute in Sozialleistungen. 1990 waren es noch 24 Prozent. Woher das Geld kommt? Von denen, die jeden Morgen aufstehen, um Steuern und Abgaben zu zahlen. Wohin es fließt? In ein überdehntes System aus Renten, Pflege, Krankenversicherung, Bürgergeld, Migrationspolitik, Wohngeld, Grundsicherung und Beamtenpensionen. Finanziert wird all das über Beiträge und Steuermittel, also von genau jenen, die ohnehin schon die Hälfte ihres Einkommens abtreten.

Wer zahlt, wer kassiert? Die Bilanz ist eindeutig: Zwischen dem 20. und dem 62. Lebensjahr zählt man laut Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen zur kleinen Gruppe der Nettozahler. Danach kippt die Bilanz rapide. Altersbedingt oder dank Fürsorge wandelt der Sozialstaat den Bürger spätestens ab dem Rentenalter in einen Empfänger um.
„Will man eine immer höhere finanzielle Belastung junger und zukünftiger Generationen vermeiden, muss der gegenwärtige Sozialstaat dringend reformiert werden, und zwar so, dass wir ihn stärker auf seine Kernaufgaben reduzieren“.
»Bernd Raffelhüschen / Stiftung Marktwirtschaft«
Die Babyboomer-Bombe: Demografie als Zeitbombe
Noch in den 2010ern hat der Arbeitsmarkt die Demografie ausgebremst. Heute wirkt der demografische Wandel wie ein Brandbeschleuniger. »19 Millionen Babyboomer«, geboren zwischen 1955 und 1969, drängen in Rente. Damit dreht sich das Verhältnis von Zahlern zu Empfängern dramatisch. Das Umlageverfahren, in der Rente wie in der Pflege, kollabiert leise. Die Jüngeren finanzieren die Älteren, doch die Basis schrumpft.

Auch bei den Beamtenpensionen wird munter kassiert, ohne je Reserven gebildet zu haben. Die Rechnung kommt noch, und zwar mit Zins und Zinseszins. Das eigentliche Problem: Ein wachsender Teil der Ausgaben entfällt auf sogenannte „beitragsfremde Leistungen“ – Wohltaten, für die niemand eingezahlt hat. Bürgergeld, Grundsicherung, Sozialhilfe. Laut Raffelhüschen summieren sich diese Posten auf rund ein Drittel aller Sozialausgaben.

Migration: Ein Milliardengrab
Ein weiterer Streitpunkt, der die Fachwelt spaltet, ist die Frage, ob Zuwanderung die Lösung oder das Problem darstellt? Raffelhüschen haut in die Kerbe:
„Die Zuwanderung, wie sie bisher geschieht, kostet uns gesamtwirtschaftlich 5,8 Billionen Euro.“
»Bernd Raffelhüschen / Mediendienst«
Seine Generationenbilanz rechnet heutige Schulden auf künftige Generationen hoch und sieht Einwanderung als Belastung.
Ökonom Martin Werding widerspricht: »Für die Bundesregierung hat er ausgerechnet«, dass Migration den Staat jährlich 95 Milliarden Euro spart, indem sie den demografischen Wandel bremst. Der Unterschied ist die Methodik. Raffelhüschen blickt auf Nachhaltigkeit während Werding auf kurzfristige Entlastung zielt.
Die Neueinwanderer kosten: Sprachkurse, Integration, humanitäre Hilfe. Später, wenn sie arbeiten gehen sollten, könnten sie zahlen. Doch bei steuerfinanzierten Pullfaktoren wie Bürgergeld bleibt die Bilanz düster, denn ein Drittel der Sozialausgaben, 263,8 Milliarden Euro im Vorjahr, fließt in solche „beitragsfremden“ Transfers.
„Bis zum 29. Januar arbeitet der Durchschnittsmensch in diesem Jahr, um die Sozialleistungen für Andere zu finanzieren.“
»Bernd Raffelhüschen / WeLT«
Die einfache Wahrheit: Migration bringt erst dann fiskalische Entlastung, wenn die Migranten als Nettozahler auftreten, also dauerhaft arbeiten, auf beitragsfreie Leistungen verzichten und mehr einzahlen als sie kosten. Aber gerade im Bereich der steuerfinanzierten Transfers sieht die Realität anders aus. Bürgergeld, Sozialhilfe und Grundsicherung stehen allen offen, unabhängig von einer vorherigen Leistung.
Die Einwanderung in den Sozialstaat ist folglich kein hypothetisches Risiko mehr, sondern längst gelebte Praxis.
Steuerzahler am Limit: Über sechs Monate für den Staat
Der Bund der Steuerzahler rechnet es Jahr für Jahr vor. 2025 dürfte der Durchschnittsarbeitnehmer bis Mitte Juli für den Staat schuften: Steuern, Abgaben und Sozialbeiträge. Das Deutsche Steuerzahlerinstitut prognostiziert eine Belastungsquote von 52,6 Prozent. Konkret hieße das: Von jedem Euro bleiben nur 47,4 Cent übrig. Deutschland klettert damit auf Rang 2 im internationalen Vergleich der Abgabenlast. Ein neues Allzeithoch, das die Politik mit immer neuen Abkassier-Tricks unterfüttert. Während die Erwerbstätigen ächzen, finanzieren sie nicht nur die Renten und das Bürgergeld, sondern auch die wachsende Bürokratie eines Systems, das sich selbst nicht mehr trägt.

Als wäre das nicht genug, bastelt die Politik schon am nächsten Abkassier-Modell: Klimaabgaben, CO₂-Besteuerung, Vermögensabgaben. Die Kreativität bei der Enteignung kennt keine Grenzen – solange sie sich gegen den produktiven Teil der Bevölkerung richtet.
Sozialversicherung vs. Fürsorge: Ein trügerisches Versprechen
Das System hat zwei Gesichter. In der Sozialversicherung, Rente, Krankenkasse, Pflege erwirbt man Ansprüche durch Beiträge. Wer mehr einzahlt, bekommt mehr heraus, heißt es. Gut zwei Monate Arbeit gehen dafür drauf, sagt Raffelhüschen. Doch die steuerfinanzierten Fürsorgeleistungen wie Bürgergeld und Grundsicherung funktionieren anders: Hier zahlen alle, unabhängig von eigenen Ansprüchen. Ein Drittel der Sozialausgaben fließt in diese Transfers, die oft als Gerechtigkeit verkauft werden. Doch wer kontrolliert, ob das Geld sinnvoll ankommt? Die politische Antwort bleibt aus. Stattdessen wird weiter verteilt, während die Infrastruktur bröckelt und die Verteidigung vernachlässigt wird.
Der Staat lässt zudem einen zentralen Punkt bewusst im Dunkeln. Das aktuelle System ist langfristig nicht tragfähig. Um die absehbaren Finanzierungslücken des gesamten Sozialstaates, einschließlich der beitragsfinanzierten Teilsysteme, zu schließen, wären im Jahr 2060 bei unveränderten Rahmenbedingungen über 38 Prozent aller Steuereinnahmen erforderlich. Eine solche Belastung übersteigt die finanziellen Möglichkeiten des Staates.
„Es wäre unverantwortlich, wenn die Politik weiterhin den Eindruck vermitteln würde, dass die sozialen Sicherungssysteme finanziell stabil aufgestellt sind. Das Gegenteil ist der Fall. Von politischen Wunschträumen wie einer dauerhaften Rentenniveauhaltelinie sollte man sich daher schnellstens verabschieden – sie würde die schon dramatische Ausgangslage sogar noch zusätzlich drastisch verschärfen.“
»Bernd Raffelhüschen / Stiftung Marktwirtschaft«
Wohlfahrtsstaat auf Kosten der Zukunft
Der Wohlfahrtsstaat in seiner aktuellen Form ist kein solidarisches Versprechen mehr, sondern ein Umverteilungsapparat, der immer mehr Leistungsempfänger mit immer weniger Beitragszahlern versorgen muss. Die demografische Realität, politisch ignoriert und statistisch kaschiert, holt das System unaufhaltsam ein.
Wer heute für den Sozialstaat arbeitet, finanziert nicht nur Renten und Pflege, sondern auch politische Träume, integrationspolitische Experimente und eine Wohlfühl-Bürokratie, die längst den Bezug zur Realität verloren hat. Der Sozialstaat, einst als Netz gedacht, droht zum Bleigewicht zu werden – getragen von denen, die keine Wahl haben, außer weiter zu zahlen.